Freitag, 10.01.2014

Strategie und Personal Kompakt

Headhunter im Schafspelz+++Stress und Erfolg+++Chefsache+++Fachkräfte wollen's grün+++E-Mail-frei-Tag

Recht und Gesetz: Headhunter im Schafspelz untersagt

Headhunter dürfen sich nicht unter Nennung eines falschen Namens von der Telefonzentrale eines Unternehmens mit Mitarbeitern verbinden lassen. Das Landgericht (LG) Bonn entschied jetzt, dies sei eine unzumutbare Belästigung des Arbeitgebers, und erließ im konkreten Fall eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung weiterer Anrufe (Az.: 14 O 165/12). Ein Mitarbeiter einer Personalberatung hatte bei einem Unternehmen angerufen und sich unter Nennung eines falschen Namens mit einem bestimmten Mitarbeiter an dessen Arbeitsplatz verbinden lassen. Erst diesem gegenüber gab er sich als Headhunter zu erkennen. Der Arbeitgeber wehrte sich dagegen erfolgreich vor dem LG Bonn. Die Richter betonten, dass wegen des volkswirtschaftlich erwünschten Leistungswettbewerbs das Ansprechen eines bei einem anderen Arbeitgeber Beschäftigten nicht grundsätzlich eine unzulässige Belästigung darstelle. Das Grundrecht auf Berufsausübung schütze aber nicht den Einsatz verwerflicher Mittel oder Methoden wie eine Identitätstäuschung. Es sei ein Grundsatz wettbewerblichen Anstands, dass der Marktteilnehmer sich offen zu seiner Identität bekenne. Der Headhunter argumentierte, dass die Mitarbeiter der Telefonzentrale nicht getäuscht würden, da sie Anrufe nur weiterleiten würden, ohne sich weitere Gedanken zu machen. Das LG Bonn ließ dies nicht gelten, weil die Telefonzentrale ausdrücklich angewiesen worden war, Anrufe von Personalvermittlern und ähnlichen Dienstleistern nicht durchzustellen, sondern zu melden. Das Urteil des Landgerichts schließt an mehrere Urteile des Bundesgerichtshofs an, die Unternehmer vor wettbewerbsrechtlich unzulässiger telefonischer Kontaktaufnahme durch Headhunter schützen. Arbeitgebern wird empfohlen, ihre Mitarbeiter ausdrücklich anzuweisen, solche Anrufe nicht durchzustellen.

Aus Stress wird Erfolg: Mit der richtigen Strategie unter Stress erfolgreich führen

WER EIN UNTERNEHMEN FÜHRT, muss wissen, wie er richtig mit Stress umgeht. Im Interview erklärt Waldemar Pelz, Professor für Internationales Management und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen, wie Führungskräfte lernen mit Stress richtig umzugehen

Markt und Mittelstand: Geschäftsführer, Stress und Personalführung, ist das nicht eine gefährliche Mischung?
Waldemar Pelz: Stress ist etwas Positives und treibt uns zu Höchstleistungen an. Ein Fußballspiel oder Formel-1-Rennen ist ohne Stress kaum denkbar. Das gilt auch für unternehmerische Spitzenleistungen. Stress wird nur dann problematisch, wenn Führungskräfte nicht lernen, damit konstruktiv umzugehen.
MuM: Wie geht man damit konstruktiv um?
Pelz: Wir nennen diese Kompetenz Emotions- und Stimmungsmanagement. Die Frage ist dabei, wie gut es der Führungskraft gelingt, sich selbst und andere in eine positive Gefühlslage zu versetzen. Es sind nicht die sachlichen, sondern die emotionalen Probleme, die uns die meiste Zeit, Energie und Freude an der Arbeit rauben und somit Stress verursachen.
MuM: Lässt sich dieser negative Stress vermeiden?
Pelz: Sicherlich kann ein Unternehmer auch mit Angst, Druck, "Belohnungen" und "Bestrafungen" kurzfristig einiges erreichen. Damit erzeugt er allerdings negative Energie, die das Klima vergiftet. Wesentlich produktiver und "wirtschaftlicher" ist dagegen positive Energie. Die Quelle für diese Energie sind Werte wie Integrität, Vertrauen, Mut und persönliche Reife.
MuM: Welche drei Tipps haben Sie zur Förderung der positiven Energie?
Pelz: Seien Sie Vorbild, indem Sie das vorleben, was Sie von anderen erwarten. Ermöglichen Sie mehr Erfolgserlebnisse durch anspruchsvolle Ziele und Leistungsmaßstäbe, und entwickeln Sie die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter, damit diese an ihren Aufgaben wachsen können.
Weitere Tipps und ein ausführliches Interview finden sie auf www.marktundmittelstand.de. 

Chefsache

3 Prozent mehr Lohn
Unternehmen planen, ihren Angestellten im kommenden Jahr rund 3 Prozent mehr Lohn zu zahlen. Dies ergab die Studie "Salary Increase Survey 2013-2014" von Aon Hewitt unter 250 deutschen Unternehmen. Der Anstieg von 3 Prozent bezieht sich auf den branchen- und berufsgruppenübergreifenden Durchschnitt. Auf die mit 4 Prozent größte Erhöhung dürften demnach Mitarbeiter der pharmazeutischen Industrie hoffen. Als Hauptgründe für Gehaltserhöhungen nennen Unternehmen Leistung und Potential eines Mitarbeiters (96 Prozent). Das Alter eines Mitarbeiters ist eher unbedeutend. Nur etwa 27 Prozent der Unternehmer machen eine Lohnerhöhung davon abhängig.
Coaching erwünscht
Etwa zwei Drittel aller Geschäftsführer erhalten kein Coaching, obwohl sie sich dieses wünschen würden. Das ist das Ergebnis der Stanford-Studie "2013 Executive Coaching Survey". Die Geschäftsführer begründen den Wunsch vor allem damit, dass externes Feedback für sie ein Anreiz zur Veränderung wäre. 78 Prozent der Führungskräfte, die bereits an einem Coaching teilgenommen haben, taten dies aus eigenem Antrieb. Im Mittelpunkt steht vor allem die Kompetenz Konfliktmanagement. 43 Prozent der Geschäftsführer möchten sich in diesem Bereich verbessern.
Pilotprojekt Jugendförderung
Ein Pilotprojekt der Bauwirtschaft soll der Branche Nachwuchsfachkräfte sichern. "Berufsstart Bau" will Jugendliche mit fachlichen und sozialen Defiziten zur Ausbildungsreife führen. Geplant sind sechsbis zwölfmonatige Vorbereitungen durch Schulungen und Praktika auf Baustellen, die schließlich zum Abschluss eines Lehrvertrags führen. Rund 3 Millionen Euro stellen die Bauunternehmen dafür aus eigenen Mitteln zur Verfügung. Etwa 80 Prozent der Unternehmen in der Branche haben aufgrund fehlenden Nachwuchses Probleme, offene Stellen zu besetzen.

Fachkräfte wollen es grün

VIELE ANGESTELLTE in Industrie- und Schwellenländern wollen in einem "grünen" Unternehmen arbeiten. Weltweit verzichten dafür 15 Prozent auf ein höheres Gehalt. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Managementberatung Bain & Company zum Stellenwert von Nachhaltigkeit bei Arbeitnehmern. Eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie beeinflusst bei mehr als der Hälfte der unter 40-Jährigen den Entscheidungsprozess bei der Wahl des Arbeitgebers. 70 Prozent der Befragten erklären, dass sie heute stärker als noch vor drei Jahren auf umweltgerechtes Verhalten und faire Arbeitsbedingungen achten. Das Thema Nachhaltigkeit wird somit zu einem integralen Bestandteil bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte. Den höchsten Stellenwert haben Arbeitsschutz, Verzicht auf Kinderarbeit, Senkung der Emissionen sowie umweltgerechtes Verhalten im Alltag. Allerdings ist nur ein Drittel der Befragten hinsichtlich dieser Kriterien zufrieden mit den Leistungen ihres Arbeitgebers. "Angestellte achten mittlerweile genau darauf, ob und inwieweit Ankündigungen in Sachen Nachhaltigkeit auch Taten folgen", sagt Henrik Naujoks, Partner bei Bain & Company.&nb

Idee des Monats: Keine E-Mails am Freitag

PERSÖNLICHES GESPRÄCH statt unpersönlicher Nachricht. So lautet jeden Freitag das Motto bei dem Softwareunternehmen CP Corporate Planning: Wer also am letzten Arbeitstag der Woche mit einem Kollegen sprechen will, darf das nicht mehr über Mail, sondern muss sich persönlich mit ihm austauschen. "Die besten Ideen entstehen meist in Gesprächen zwischen Tür und Angel", sagt Peter Sinn, Vorstand des Unternehmens. Deswegen gibt es den E-Mail-freien Tag. Am Anfang habe ein Techniker interne E-Mails wirklich deaktiviert, da habe es einen Aufschrei gegeben, erklärt Sinn: "Rein praktisch ist die Umsetzung natürlich nicht zu 100 Prozent möglich, aber die Idee ist sehr bewusst in den Köpfen der Mitarbeiter." Die Technik wurde schnell wieder umgestellt, und die gelockerte Version der Idee kam gut bei den Mitarbeitern an. Seit etwa sechs Monaten verzichten viele Mitarbeiter nun freitags freiwillig auf die interne Mail an den Kollegen und besuchen diesen dafür im Büro. Sinn ergänzt: "Freitags beginnen interne Gespräche häufig mit: 'Da heute ja E-Mail-freier Tag ist, ...' Dies fördert die Mitarbeiterkommunikation."&nb