Freitag, 10.01.2014

Strategie und Personal Kompakt

Recht und Gesetz: Lohn bei alkoholbedingtem Fehlen

Wenn ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt fehlt, kann er während dieser Zeit die Fortzahlung seines Lohns verlangen, wenn er die Arbeitsverhinderung nicht selbst verschuldet hat. Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit sind grundsätzlich als unverschuldete Krankheiten anzusehen. Den Arbeitnehmer trifft kein Schuldvorwurf, wenn er infolge einer Abhängigkeit gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten verstößt. Das Arbeitsgericht Köln hatte vor kurzem über die Klage einer gesetzlichen Krankenkasse gegen den Arbeitgeber eines alkoholabhängigen Arbeitnehmers auf die Erstattung von Krankengeld zu entscheiden. Der Arbeitnehmer war infolge eines Sturztrunks für über zehn Monate arbeitsunfähig erkrankt. In dieser Zeit zahlte die Krankenkasse an den Arbeitnehmer Krankengeld. Dessen Erstattung verlangte sie vom Arbeitgeber. Der lehnte eine Zahlung mit Verweis auf ein Eigenverschulden ab. Es liege, so der Arbeitgeber, ein grob fahrlässiges Verschulden gegen sich selbst vor. Das Gericht gab der Klage der gesetzlichen Krankenkasse statt und verneinte ein Eigenverschulden. Als Begründung führte es insbesondere an, dass der Arbeitnehmer die dem Sturztrunk zugrundeliegende Alkoholabhängigkeit nicht selbst verschuldet habe. Der Arbeitgeber hat also im Streitfall nachzuweisen, dass der Arbeitnehmer besonders leichtfertig, grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat und dass dieses Verhalten ursächlich für die eingetretene Arbeitsunfähigkeit ist. Spricht aber der erste Anschein für ein grobes Fehlverhalten des Arbeitnehmers, hat dieser bei der Aufklärung der Krankheitsursachen mitzuwirken. Arbeitgebern ist daher zu raten, im Verdachtsfall die Ursachen für die Erkrankung zu ermitteln - so weit dies möglich ist. Regelmäßig empfiehlt es sich, den Arbeitnehmer hierzu anzuhören.

Vielfalt als Erfolgsfaktor

UNTERNEHMEN haben heute einen großen Schatz an unterschiedlichen Mitarbeitern. Und das kann große Wettbewerbsvorteile schaffen, wenn das Diversity Management stimmt, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler und Buchautor Manfred Becker im Interview.
Manfred Becker: Diversity Management ist das strategische Nutzen und Fördern der verschiedenen Potentiale, Befähigungen und Erfahrungen der Mitarbeiter im Interesse des Unternehmens.
MuM: Warum sind Unterschiede strategisch von Vorteil?
Becker: Vielfalt ist ein strategischer Vorteil, weil sie die Nachahmungsresistenz stärkt. Vielfalt produziert solideres Wissen, das zeigen viele Experimente. Unterschiedliche Köpfe mit guten Ideen erarbeiten kluge Produkte, die der Wettbewerb so schnell nicht kopieren kann.
MuM: Wie können Unternehmen Diversity gezielt nutzen?
Becker: Vielfalt ist kein Wert an sich, sie wird dann zum Erfolgsfaktor, wenn geklärt ist, welche Vielfalt oder auch Homogenität eine Aufgabe verlangt. Allgemein ist das Ziel, in der personalen Heterogenität das sogenannte doppelte betriebswirtschaftliche Optimum zu finden. Doppelt ist dabei zu verstehen als kostenoptimale und leistungsoptimale Vielfalt. Ausgangs- und Zielpunkt des Diversity Managements muss aber immer die konkrete Aufgabe sein. Eine Expansion nach Asien ist erheblich besser und solider geplant, wenn Ideen von verschiedenen Seiten kommen.
MuM: Wo lauern Gefahren?

Chefsache

Kandidatensuche über Onlinenetzwerke
Recruiting-Beauftragte setzen immer mehr auf Onlinenetzwerke, das ergab eine Befragung im Auftrag der Online-Businessplattform Linkedin. 37 Prozent sehen diese Netzwerke als wichtigste Quelle für Mitarbeiter. Nur interne Empfehlungsprogramme und Personalvermittlungsagenturen sind mit 43 Prozent und 40 Prozent beliebter. Damit liegt Deutschland im weltweiten Trend: Auch international sehen 37 Prozent der Personaler Onlinenetzwerke als wichtigste Recruiting-Quelle. Stellenbörsen im Internet und eigene Karrierewebseiten haben damit an Bedeutung verloren.
EU: 1.200 Euro für die Einstellung ausländischer Jugendlicher
Die EU-Kommission unterstützt Unternehmen, die arbeitslose Jugendliche aus anderen EU-Staaten einstellen, mit bis zu 1.200 Euro. Das Programm "Dein erster EURES-Arbeitsplatz" richtet sich an mittlere und kleinere Unternehmen, die junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren aus dem EU-Ausland einstellen. Auch Arbeitnehmer werden mit Umzugszulagen und einer Fahrtkostenerstattung unterstützt. Rund 5.000 Menschen sollen dadurch an einen Arbeitsplatz vermittelt werden.
Fehlzeiten durch Suchtmittel steigen

Die Tricks der Headhunter

"KÖNNEN SIE SPRECHEN?" Mit dieser typischen Frage melden sich Headhunter bei Führungskräften. Ihr Ziel ist es, sie abzuwerben und in neue Anstellungsverhältnisse zu vermitteln. Auf den kurzen Anruf folgt ein erstes Gespräch, danach ein Treffen mit dem Headhunter, das Bewerbungsgespräch und schließlich der Jobwechsel. Der Weggang eines Spezialisten ist teuer. Neben dem Wissens- und Erfahrungsverlust kosten die Suche und die Nachbesetzung der Position rund ein Drittel eines Jahresgehalts eines Spezialisten. Mittelständler können sich aber gegen Headhunter zur Wehr setzen. Ein Metallbauunternehmer hat etwa personalisierte E-Mail-Adressen bis auf vereinzelte Ausnahmen abgeschafft und mit Code-Namen versehen, die nur Mitarbeiter kennen. Hilfreich ist überdies, direkte Durchwahlnummer nicht nach außen zu geben. Achtung ist auch geboten bei Sozialen Netzwerken wie Xing und Linkedin, die von Headhuntern gern genutzt werden. Weitere Infos zum Thema auf www.marktundmittelstand.de&nb

Idee des Monats: Container mit Liegestühlen

KURZE NICKERCHEN während der Arbeitszeit - in Ländern wie den USA oder Japan ist das längst üblich. Doch sie haben sie ihren Weg nun auch zu uns gefunden: Das deutsche Bauunternehmen Georg Reisch stellt seinen Mitarbeitern für Mini-Auszeiten Ruhecontainer mit Liegestühlen zur Verfügung. Denn die Baubranche ist hart umkämpft, das Arbeiten auf der Baustelle verlangt den Mitarbeitern viel ab. In der kurzen Schlafphase sollen die Mitarbeiter neue Energie tanken. Drei Container gibt es, die auf größeren Baustellen aufgestellt und sehr gern genutzt werden. Auf einem Zettel am Ruhecontainer erklärt die Geschäftsleitung das Prinzip: Ein Power Nap sollte zwischen 10 und 30 Minuten dauern. Wer länger schläft, wird so schnell nicht mehr munter. Die beste Zeit ist nach dem Essen zwischen 12 und 13 Uhr, da ist der Mensch am wenigsten leistungsfähig und hat ein natürliches Schlafbedürfnis. Abgesehen davon, dass ein paar Minuten Schlaf die Leistungsfähigkeit steigern, sinkt auch das Risiko, einen Unfall zu erleiden, erheblich.&nb