Freitag, 04.07.2014

Sichere Tauschgeschäfte

Individuell angepasste Programme für die Datenübertragung von einem ERP-System zum anderen sind kostspielig. Eine unabhängige Plattform hilft.

Von Michael Dörfler und Kinza Khan

Eigentlich sollte es gar nicht so schwierig sein, elektronische Informationen von Programm zu Programm zu senden. Vor allem bei regelmäßiger geschäftlicher Zusammenarbeit ist der gegenseitige Austausch von Daten durchaus sinnvoll, wie etwa bei Bestellungen,...

Aktiver Anwender

Dennoch bliebt dem Zulieferer und Hersteller von Kunststoffteilen Scherer & Trier gar nichts anderes übrig, als auf diese Technik zu setzen, wenn er mit seinen Kunden aus der Fahrzeugbranche kommuniziert. Scherer & Trier kann nur auf diese Weise mehrere Millionen Einzelbestellungen pro Tag verwalten. Derzeit behilft sich das Unternehmen damit, die programmierte Schnittstelle seines ERP-Herstellers einzusetzen. "Das ist sehr kostspielig, wir planen daher, diesen Prozess an einen externen Partner auszulagern", sagt Geschäftsführer Hartmut Trier.

Wie sich das rechnet, zeigt beispielsweise eine Musterkalkulation des EDI-Outsourcing-Anbieters E-Integration: Im Eigenbetrieb eines Unternehmens würde eine EDI-Lösung von der Planung bis zum Probebetrieb 34.500 Euro kosten. Deutlich billiger wird's beim Outsourcing in einem Clearing Center beim Dienstleister: Hier kostet die Einrichtung mit 9.500 Euro weniger als ein Drittel. Die laufenden Kommunikationskosten (bei 50.000 Nachrichten) betragen 10.000 Euro pro Jahr. Aber im Eigenbetrieb kommen noch Personalund Wartungskosten von mindestens 30.000 Euro für den Mitarbeiter hinzu.

Die Einsparung, die sich Unternehmer Trier vom Outsourcing verspricht, haben andere Unternehmen wie beispielsweise SEW-Eurodrive, Zitec oder Westaflex bereits erzielt. Für sie geht es sogar noch günstiger, weil sie sich statt einer jeweils neu einzurichtenden individuellen Anpassung mit mehreren Kommunikationspartnern eine Plattform teilen. Dazu bedienen sie sich des Konvertierungsprogramms "My Open Factory" (MOF) des FIR an der RWTH Aachen. Es übersetzt von der Anfrage über die Bestandsnachricht bis hin zum Wareneingangsbeleg und zur Zahlungserinnerung aus unterschiedlichen und verschiedenen Dateiformaten und ERP-Programmen. Zwar wird auch bei diesem Konzept auf das eingeführte EDI gesetzt. Aber den Entwicklern ist es gelungen, dass diese eine Plattform quasi wie eine Drehscheibe fungiert und alle Datenformate oder ERP-Programme von Ams bis SAP miteinander verbindet, ohne dass eine ständige Neuinstallation wie beim klassischen EDI erforderlich ist. Über einen Internetzugang ist die Plattform zugänglich, von der aus alle teilnehmenden Unternehmen erreichbar sind.

Allerdings müssen die Geschäftspartner bei MOF angemeldet sein, um miteinander kommunizieren zu können. Wenn jemand das nicht will, bleibt wieder nur der klassische, aufwendige Weg über eine Einzel-EDI-Verbindung, die allerdings mit einigen Tausend Euro allein für die Installation und mit weiteren Kommunikationskosten zu Buche schlägt. Dagegen entstehen bei MOF einmalig Kosten für einen Adapter in Höhe von 500 Euro und monatliche Kosten für den Betrieb des Adapters auf der Kommunikationsplattform in Höhe von 100 Euro. Hinzu kommen 20 Cent pro Dokumentenversand über Standardübertragungswege. Der Betrag lässt sich mit der Buchung unterschiedlicher 1.000er-Pakete von Dokumenten pro Monat verringern.

Der Vorteil liegt für Jan Westerbarkey, Geschäftsführer von Westaflex, auf der Hand: "Im Gegensatz zu EDI benötigt jeder der an diese Plattform angeschlossenen Partner nur eine einzige Schnittstelle, um Daten mit 500 oder 1.000 Partnern auszutauschen."