Freitag, 02.05.2014

Energiegeladenes Sparen

Mit dem Spitzenausgleich können Unternehmen des produzierenden Gewerbes bis zu 90 Prozent der Stromsteuer zurückfordern. Wie das funktioniert.

Der gewerbliche Strompreis für eine Kilowattstunde Strom lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 8,6 Cent. Inklusive Steuern und Abgaben verdoppelte er sich auf 15 Cent pro KwH. Unternehmen des produzierenden Gewerbes können sich von dieser Steuerlast jedoch weitestgehend befreien lassen....

Ausnahmen für KMU

Worlée-Chemie hat aufgrund dieser Bedingung ihr Energiemanagementsystem zertifizieren lassen. Alle Unternehmen, die nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen zählen, haben ein allumfassendes Energiemanagementsystem, das sogenannte ISO 50001, einzuführen. "Für KMU gibt es Erleichterungen", klärt Maczey über den Unterschied auf. Die Einführung eines solchen Systems ist trotz möglicher Erleichterungen erst einmal mit finanziellen Aufwendungen verbunden. Die Kosten für die Zertifizierung, die für den Antrag auf Spitzenausgleich notwendig ist, können recht gut fixiert werden. "Die Erstzertifizierung für ISO 50001 kostet Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern und hohem Energieverbrauch an einem Standort marktüblich zwischen 5.000 und 10.000 Euro und ist drei Jahre lang gültig. Hinzu kommen Kosten im zweiten und dritten Jahr nach Einführung für die Überwachungsaudits - diese liegen bei zirka ein Drittel des Aufwands für die Erstzertifizierung", weiß Maczey. Nicht einkalkuliert ist die finanzielle Aufwendung für die eigentliche Installation eines solchen Systems. "Das ISO 50001 haben wir in unser bereits bestehendes Umweltmanagement integriert. Wir haben schon seit Jahren ein intensives Energiemanagementsystem", sagt von Eben-Worlée. Dennoch habe das Unternehmen über einen längeren Zeitraum einen Mitarbeiter abstellen müssen, der sich um die Umsetzung des neuen Systems gekümmert hat. "Das hat uns ein halbes Jahr an Arbeitszeit gekostet", rechnet der Unternehmer vor. Peter Maczey befürchtet, dass viele Unternehmen, die eigentlich berechtigt wären, den Spitzenausgleich zu beantragen, aufgrund dieser Kosten keinen Antrag auf Steuererleichterungen stellen. "Einige Firmen meinen, dass sich der hohe Aufwand nicht lohnt. Dabei werden die Einsparpotentiale, die durch ein Managementsystem sichtbar werden, häufig außen vor gelassen", sagt er. Mit einem zertifizierten Energiemanagementsystem könnten nämlich jährlich durchaus mehrere 10.000 Euro gespart werden. "Der langfristige Vorteil besteht darin, die Steuerung der Produktionsprozesse auf die Energiekosten genau abstimmen zu können", erklärt Maczey.

Wie viele Unternehmen für das Antragsjahr 2013 trotz Antragsberechtigung nicht von den Steuererleichterungen Gebrauch gemacht haben, ist derzeit nicht bekannt. Erfahrungsgemäß stellen rund 90 Prozent der Unternehmen die Steueranträge erst im Folgejahr. "Laut dem Bundesfinanzministerium beantragten 2012 rund 21.000 Unternehmen den Spitzenausgleich", weiß Maczey. <<

nadine.peter@marktundmittelstand.de