Freitag, 07.11.2014

Strafzinsen drohen

Immer mehr Unternehmen werden von ihren Banken mit negativen Zinsen konfrontiert. Bei großen Geldbeständen müssen die Finanzverantwortlichen über alternative Anlagemöglichkeiten nachdenken.

Immer mehr Unternehmen machen öffentlich, dass ihnen negative Zinsen von ihren Banken angedroht wurden. Sie müssen dann Zinsen auf Sichteinlagen zahlen, anstatt Zinsen zu erhalten. Strafzinsen müssen Mittelständler fürchten, die momentan über hohe Geldbestände verfügen, entweder weil sie...

Hohe Eintrittsbarrieren

Einzelne Unternehmen haben gegenüber "Markt und Mittelstand" angedeutet, dass Strafzinsen breiter erhoben werden, als es die Banken offen zugeben. Mittelständische Unternehmen sollten sich daher Gedanken über alternative Anlagemöglichkeiten machen. Noch ist nicht absehbar, ob negative Zinsen zu einem neuen Normalzustand werden. Einzelne Banken versuchen daher, ihre Firmenkunden davon zu überzeugen, ihr Anlageverhalten zu ändern. Anlageexperten empfehlen, auf Termingelder umzuschwenken. Der Trend geht zu längeren Laufzeiten, von drei Monaten bis zu einem Jahr. Die Commerzbank beispielsweise führt Gespräche mit den Firmenkunden, um "vorhandene Liquidität in andere Laufzeiten und Anlageklassen zu überführen". Dabei zeichnet sich für die Bank ein Trend zu Commercial Papers, Schuldscheindarlehen, Anleihen sowie Geldmarkt- und geldmarktnahen Fonds als Alternativen zum Termingeld ab. Allerdings kommen diese Möglichkeiten nicht für jedes Unternehmen infrage. Manche Anlageinstrumente sind erst ab einer bestimmten Anlagesumme eine Option. So können zum Beispiel Commercial Paper und Schuldscheindarlehen erst ab 1 Million Euro abgeschlossen werden, heißt es seitens einer Großbank. Auch Geldmarktfonds - also Investmentfonds, die ausschließlich in Geldmarkttitel mit kurzer Restlaufzeit investieren - sind eine Möglichkeit, um die kurzfristige Liquidität zu erhalten. Die Anteile können jederzeit wieder verkauft werden. Aber gerade Geldmarktfonds können derzeit unter Druck geraten, da auch sie abhängig vom Leitzins der EZB sind. Dann bringen sie womöglich nicht die erhoffte Rendite. Bei Fonds und Anleihen kommt es stark auf die Stückelung an - zum Teil sind Anleihen kleinanlegerfreundlich in Anteile zu je 1.000 Euro unterteilt und wären damit auch für die Anlage kleinerer Summen nutzbar.

Diese Anlagemöglichkeiten bedeuten aber auch, dass Unternehmen höhere Risiken eingehen müssen, wenn sie Strafzinsen vermeiden wollen. Ein Mittelständler, der namentlich nicht genannt werden möchte, betonte gegenüber "Markt und Mittelstand", dass er es nicht als Bestandteil seines unternehmerischen Handelns sehe, sich mit riskanteren Geldanlagemöglichkeiten zu befassen. Doch wenn sich die Weitergabe negativer Zinsen an Firmenkunden durchsetzt, könnten viele mittelständische Unternehmen schon bald dazu gezwungen sein. <<

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