Freitag, 05.09.2014

Einsatz, der sich lohnt

Ihre Stellen werden bis zu 70 Prozent staatlich finanziert, für Unternehmen entfällt die Ausgleichsabgabe; sie sind talentiert - und sie haben eine Behinderung.

Ökonomische Anreize für Unternehmen gibt es zahlreiche, um behinderte und schwerbehinderte Menschen einzustellen. So können bei der Einstellung eines Menschen mit Behinderung je nach Grad der Behinderung bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgelts bis zu 24 Monate, für besonders betroffene schwerbehinderte...

140 Millionen Euro

Mit der "Initiative Inklusion", unter anderem von der Bundesregierung mit den zuständigen staatlichen Stellen und den Integrationsämtern in den Ländern erarbeitet, stehen zusätzlich zu den eingangs erwähnten staatlichen Förderoptionen insgesamt 140 Millionen Euro für den Zeitraum 2011 bis 2018 zur Verfügung. Doch nicht immer waren diese Angebote so präsent. Vor 17 Jahren hat der mittelständische Druckluftmotorenhersteller Reuss Jürgen Adam angestellt, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Damals habe man keine Förderung beantragt. Anders war es bei der Einstellung der jungen Laura Zimmer, auch sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Als rechte Hand des Chefs braucht sie Zugang zu den Produktionshallen, die nur über die Treppen erreichbar sind. Also musste ein kleiner Aufzug her, der wurde von der Versicherung gestellt, und staatliche Zuschüsse für ihre Stelle bekommt das Unternehmen auch. Doch sie ist nicht die Einzige - der kleine Betrieb mit 24 Mitarbeitern und drei Auszubildenden hat derzeit vier Mitarbeiter mit körperlicher und geistiger Behinderung. "Es geht nur darum, wie fähig sie sind, alles andere lässt sich arrangieren", erzählt Geschäftsführer Hans Walter Reuss. Er habe nicht groß über die Behinderungen nachgedacht. Alle Mitarbeiter haben sich auf die Behinderungen der anderen eingestellt. Konfliktpotenzial habe es deswegen nie gegeben, hebt er hervor. Im Moment macht der junge Gehörlose Ali Arabo ein Praktikum bei ihnen. Auch da finde man immer Wege zu kommunizieren, schriftlich oder über das Handy, darüber mache er sich keine Gedanken.

"Behinderung ist nicht gleichzeitig Leistungsminderung", erklärt Reinhard Gippert, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Ansprechpartner zum Thema "Mitarbeiter mit Behinderung" beim Sozialverband VdK Hessen-Thüringen. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass "die Personalbeauftragten oft nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt". Einen Mitarbeiter auf eine Vollzeitstelle einzustellen, aber lediglich die Hälfte zu zahlen, ist nur eine Option, eine andere ist die Zusammenarbeit mit Werkstätten für behinderte Menschen. Arbeitgeber, die zur Ausgleichsabgabe verpflichtet sind, können diese ganz oder teilweise einsparen, indem sie aner kannten Werkstätten für behinderte Menschen oder Blindenwerkstätten Aufträge erteilen.