Freitag, 06.03.2015

Offene Beziehung

Kostenfreie Programme von Entwickler-Communities finden auch bei Unternehmen zahlreiche Anhänger. Punktet Open Source tatsächlich gegen proprietäre Software?

Eigentlich ist es ganz einfach. Software per Web suchen, Entscheidung anklicken, downloaden, installieren und fertig! Wo ist das Problem? Das fängt genau an dieser Stelle an. Denn erst im Einsatz zeigt ein geschäftlich genutztes Programm, was es wirklich kann - und was nicht.

Solcher Kritik sind...

Rechtskonform

Aber ist die Mischung aus drei Programmen völlig unterschiedlicher Herkunft - proprietär wie SAP und Microsoft und quelloffen wie Pentaho - auch rechtlich einwandfrei? "Solche internen Projekte sind in der Regel unkritisch", betont Nicolai Wiegand, Partner bei der Anwaltssozietät Taylor Wessing in München. Problematisch kann es werden, wenn es um den Vertrieb eines Programms geht, bei dem die proprietäre Software mit der eines Anbieters von Open Source verbunden wird. "Bei einer Veränderung eines quelloffenen Programms durch die Community müssen diese Änderungen oftmals öffentlich dokumentiert werden, wie ja auch der Quellcode offen zugänglich ist. Das gilt dann auch die urheberrechtlich geschützte Software", sagt Wiegand. Das wird schwierig, weil sich kaum ein Anbieter proprietärer Programme in die Karten blicken lassen möchte. Das ist schließlich sein Geschäftsgeheimnis.

Wie haben dann die IT-Anwender bei BOS das Problem gelöst? Schließlich besteht die Projektsoftware aus einer Mischung aus Open Source, SAP und Microsoft. Auf den ersten Blick ist das eine fragwürdige Konstruktion. Denn die einzelnen Rechtsbereiche müssen klar voneinander abgegrenzt sein. Sonst verstößt der Anbieter, weil er das Stückwerk aus Software unterschiedlicher Herkunft vertreibt, gegen die vertraglichen Bestimmungen der Programmgeber.

Diese Sorge lässt sich durch eine klare Trennung entkräften. "Unterschiedliche Software aus dem Open- und Closed-Source-Bereich lassen sich über die offenen Schnittstelle von Open Source durch eine API miteinander verbinden. So lassen sich durchgehende Geschäftsprozesse durch zuvor getrennte Anwendungen schaffen", sagt Stefan Müller, Director Business Intelligence und Big Data bei IT-Novum in Fulda. Solche Programmarbeiten kommen gut bei seinen Firmenkunden an. Neben der freien Gestaltung öffnet sich ihnen die Chance, sich aus dem "Vendor Lock" zu befreien, eben "nicht alles mit dem Hersteller proprietärer Software alleine aufzubauen".

Nagelprobe

Von solchen Argumenten lässt sich auch schon mal Stefan Bädermann von Perschmann überzeugen: "Natürlich prüfen wir von Fall zu Fall, ob nicht Open Source geeignet wäre, doch das trifft immer nur für kleine geschäftsunkritische Anwendungsfälle zu, wie zum Beispiel Typo-T3-Anwendungen für den Internetauftritt." Misstrauisch stimmt ihn vor allem, dass die quelloffenen Programme "oft von anonymen Entwicklern abhängig sind". Dagegen ist für Müller gerade der offene und für jeden einsehbare Quellcode überzeugend. "Da sieht man einfach, was passiert. Man weiß, wie sich die Software verhält." Zudem können keine versteckten Hintertüren in den Tiefen des Programms eingebaut werden, Da der Code offen liegt, können Fehler durch Anwender und Entwickler rasch entdeckt und behoben werden. <<

michael.doerfler@marktundmittelstand.de