Donnerstag, 14.09.2017

Foto: Stocktrek Images/Thinkstock/Getty Images

Wenns mal heiß hergeht: Dank des Einsatzes mineralischer Rohstoffe sind die Schutzanzüge feuerfest.

Einkauf
Antimon, Platin und Fluorit

Chemische Industrie: Abhängig von fossilen und mineralischen Rohstoffen

Neben den Vorkommen fossiler Rohstoffe sind auch Mineralien auf wenige Länder konzentriert. Das kann problematisch werden: Erst die mineralischen Komponenten machen die Endprodukte smart. Teil 7 der Reihe.

Die chemische Industrie zählt in Deutschland zu den Basisindustrien. Damit ist sie ein wichtiger Lieferant und Innovator für nachgelagerte industrielle Prozesse und wichtiger Teil der hiesigen Wertschöpfung. Die Produktpalette der chemischen Industrie ist breit gefächert und reicht von der Kunststoffverarbeitung, die beispielsweise in der Automobil- oder in der Bauindustrie eingesetzt werden, bis zur Lacken, Medikamenten, Lebens- und Düngemitteln.

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Als Grundstoffindustrie ist die chemische Industrie in erheblichen Maße auf einen sicheren und wettbewerbsfähigen Rohstoffbezug angewiesen. Mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten entfallen in der Branche auf die Materialkosten. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen ist dies ein überproportional hoher Anteil.

Mineralien sorgen für gewünschte Materialeigenschaften

Dominiert wird die Rohstoffnachfrage in der chemischen Industrie klassischer Weise von Kohlenwasserstoffen, aus denen Produkte wie beispielsweise Ethylen oder Propylen für die nächsten Produktionsstufen gewonnen werden. Die Chemieindustrie ist auf eine sichere Versorgung mit fossilen Energieträgern angewiesen.

In den vielfältigen Produkten und für die komplexe Produktion wird heute nahezu das gesamte Periodensystem chemischer Elemente eingesetzt. Dies reicht von Salzen und Industriemineralen über Edelmetalle wie Platin und Palladium bis zu Metallen wie Antimon und Seltene Erden. Mineralische Rohstoffe verleihen den Zwischen- und Endprodukten erst die gewünschten Materialeigenschaften wie Formstabilität, Flammschutz, Haptik oder Temperaturbeständigkeit.

Metalle und Mineralien als „Gewürz“

Bei einigen chemischen Produkte wie der Lithium-Ionen-Batterie sind mineralische Rohstoffe die wert- und mengenmäßig wichtigsten Bestandteile. Das Kathodenmaterial der Batterie ist ein Gemisch aus Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan, die als Sulfat, Karbonat oder Hydroxid zum Einsatz kommen.

Wenngleich viele Metalle und Minerale nur in Spuren, quasi als „Gewürz“ eingesetzt werden, so ist der sichere und wettbewerbsfähige Rohstoffbezug für die Branche sehr wichtig. Fragen der Angebotskonzentration, der Wettbewerbsbeschränkungen und Umweltrisiken auch für die chemischen Industrie relevant – im Einkauf, der Produktentwicklung und im Management gleichermaßen.

Antimon

Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird Antimon in der chemischen Industrie als Flammschutzmittel in Kunststoffen eingesetzt. Seit Jahren zählt Antimon zu den Rohstoffen mit der höchsten Angebotskonzentration. Fast 80 Prozent der Bergwerksförderung stammt aus China, aber auch in Russland und Tadschikistan wird es gefördert.

Zuletzt ist die Produktion um fast 20 Prozent zurückgegangen. Dies ist vor allem auf die Produktionskürzungen in China zurückzuführen. Grund hierfür ist neben dem Abbau von Überkapazitäten und dem niedrigen Preis auch ein striktes Vorgehen der chinesischen Regierung bei der Durchsetzung von Umweltauflagen, die Schließungen von Produktionsanlagen zur Folge hatten. Eine Rückgewinnung des Antimons aus Kunststoffen ist aufgrund derzeit nicht wirtschaftlich.

Platin

Die Bergwerksförderung von Platin ist hoch konzentriert. Südafrika hat ein Marktanteil von über 70 Prozent, zusammen mit Russland (14 Prozent) und Simbabwe (6 Prozent) entfallen also mehr als 90 Prozent der gesamten Primärproduktion auf lediglich drei Länder. Eine Besonderheit des Platinmarktes ist der Einfluss der Sekundärproduktion: Durch die hohe Rückgewinnungsquote hat dies in dem Sektor in den vergangenen Jahren zu einer rückläufigen Bergwerksförderung beigetragen.

Fluorit

In der chemischen Industrie wird Fluorit beispielsweise für die Herstellung von Fluor und Fluorwasserstoffsäure verwendet. Die Bergwerksförderung belief sich im Jahr 2015 auf 7,32 Millionen Tonnen. China ist mit 60 Prozent Marktanteil der weltweit größte Produzent, gefolgt von Mexiko (17 Prozent) und Mongolei (6 Prozent). Auch in Deutschland wird Fluorit gewonnen. Die deutsche Jahresproduktion liegt aktuell bei rund 50.000 Tonnen.

Preisentwicklung

Der Preis für Antimon ist seit dem Allzeithoch im Jahr 2012 von fast 17.000 USD/Tonne bis auf 5.500 USD/t Ende 2016 gefallen. Seitdem hat der Preis wieder angezogen und notierte im Mai 2017 bei fast 9.000 USD/t. Im Sommer kam der Antimonpreis unter Druck und büßte seitdem knapp zehn Prozent ein. Der Platinpreis war im vergangenen Jahrzehnt sehr volatil. Von einem Allzeithoch brach der Preis in Folge der Finanzmarktkrise 2009 innerhalb weniger Wochen um 50 Prozent ein. Danach erholte sich der Preis sehr schnell und erreicht 2012 mit rund 1.800 USD/Unze ein Hoch. Analog zu fast allen mineralischen Rohstoffen geriet seitdem auch der Platinpreis stark unter Druck und fiel bis Anfang 2016 auf 850 USD/Unze. Nach einer Preiskorrektur bewegt sich der Platinpreis seit September 2016 nun um die 1.000 USD/Unze Marke. Auch der Preis für Fluorit gab seit den Höchstständen der Jahre 2012 – 2014 um mehr als 50 Prozent nach. Aktuell rangiert er im Monatsdurchschnitt bei rund 260 USD/t.

Autor

Dr. Torsten Brandenburg ist seit 2012 für die DERA tätig, seit Anfang 2016 leitet der promovierte Naturwissenschaftler den Arbeitsbereich Rohstoffwirtschaft. Brandenburg ist Mitautor der „DERA-Rohstoffliste“, die alle zwei Jahre erscheint. Für „Markt und Mittelstand“ schreibt er an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt.

Info

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Die DERA wurde 2010 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegründet, um der deutschen Wirtschaft in Rohstofffragen zur Seite zu stehen. Neben regelmäßig erscheinenden Publikationen, können sich Mittelständler auch individuell zu Preis- und Lieferrisiken beraten lassen. Die DERA führt auch Detailstudien zu zahlreichen mineralischen Rohstoffen durch, wenn ein gesamtwirtschaftliches Interesse vorliegt.