Dienstag, 04.04.2017

Fotoquelle: Jacek Sopotnicki/Thinkstock/Getty Images

Rohstoffabbau in Polen: Deutsche Unternehmen haben es vor allem auf Sand, Kies und Naturstein abgesehen.

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Auslandsbergbau

Deutsche Unternehmen scheuen hohe Kosten und Risiken

Immer mehr deutsche Unternehmen ziehen sich aus der Rohstoffförderung im Ausland zurück. In den vergangenen Jahren ist ihre Zahl um ein Zehntel gesunken. Gründe dafür sind die Energiewende in Deutschland, hohe Kosten und Sicherheitsprobleme in einigen Ländern.

Deutsche Unternehmen fördern weniger Rohstoffe im Ausland. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist die Zahl in den vergangenen fünf Jahren um 10 Prozent zurückgegangen. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Energierohstoffen.

Energieriesen wie Eon, RWE oder EWE haben sich fast komplett aus der Förderung von Erdgas und Erdöl im Ausland zurückgezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen leiden die Konzerne unter der Energiewende und müssen massiv Kosten sparen, zumal Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen nicht mehr rentabel sind. Zum anderen stellen sie ihren Energiemix zunehmend auf erneuerbare Energien um. Die letzten verbliebenen deutschen Energieunternehmen, die noch Erdöl und Erdgas fördern, seien die BASF-Tochter Wintershall und ENBW.

Auch Mittelständler haben sich demnach von ihren Auslandsaktivitäten zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen zurückgezogen. Betroffen waren neben Nigeria auch die Ostukraine, Iran und Marokko. Grund dafür waren in erster Linie zu hohe Sicherheitsrisiken, so die Studie „Deutscher Auslandsbergbau“ weiter.

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Polen ist Förderland Nummer 1

Derzeit sind laut der Studie insgesamt 70 deutsche, vorwiegend mittelständische, Unternehmen im Auslandsbergbau aktiv. Sie fördern mehr als 40 verschiedene Rohstoffe aus über 1.600 Gewinnungsstellen in 68 Ländern auf sechs Kontinenten, heißt es in der Studie, die alle fünf Jahre aktualisiert wird.

Die wichtigsten Förderländer für deutsche Unternehmen sind Polen, Lettland, Ungarn und Frankreich. Dort gewinnen sie in erster Linie Baurohstoffe, Industriemineralen und Torf. Deutlich dahinter folgen der Metallerzbergbau zusammen mit Farbedelsteinen. An erster Stelle bei den Metallen steht der Chromerzbergbau in Südafrika, gefolgt vom Kupfer-Molybdän-Erzbergbau in Armenien, der Gewinnung von Gold in der Mongolei sowie von Wolframerzen in Australien, Portugal und Spanien.

PCC investiert 300 Millionen US-Dollar in Island

Weiterhin die Nummer 1 im deutschen Auslandsbergbau ist laut der Studie Heidelberg Cement mit insgesamt 795 Gewinnungsstellen in 43 Ländern. Die Nummer 2, Knauf Gips, unterhält Gipssteinbrüche in insgesamt 27 Ländern. Beide Unternehmen haben ihr Engagement im Ausland in den vergangenen Jahren – gegen den Trend – ausgeweitet.

Neben den Konzernen sind auch Mittelständler im ausländischen Bergbau erfolgreich. Der Duisburger Chemieproduzent PCC investiert derzeit rund 300 Millionen US-Dollar in eine Siliziummetallhütte auf Island. Nach ihrer Fertigstellung 2018 soll sie allein durch geothermische Energie betrieben und mit Quarzit als Rohstoff aus einem konzerneigenen Steinbruch in Polen versorgt werden. Das Siliziummetall ist dabei zum überwiegenden Teil mit langfristigen Lieferverträgen an deutsche Unternehmen vermarktet und trägt damit auch zur Rohstoffsicherung in Deutschland bei.

Info

Die Studie „Deutscher Auslandsbergbau“ ist zum Preis von 100 Euro bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe erhältlich. Ansprechpartner: Harald Elsner, Tel.: 0511/643-2347, E-Mail: harald.elsner@bgr.de.