Freitag, 23.06.2017

Foto: Thinkstock/Getty Images/Photodisc

Zentraleinkauf: Was in der Familie beim Einkaufen oft gilt, sollte auch jedes Unternehmen beherzigen.

Einkauf
Maverick Buying

Die Beschaffung ist Sache des Einkaufs, des Einkaufs, des Einkaufs

Abteilungen, die Komponenten auf eigene Faust einkaufen, schaden dem Unternehmen. Das sogenannte Maverick Buying verursacht höhere Kosten und schwächt so die Rendite. Teil 4 der Serie.

„Wir haben eine Einkaufsabteilung?!“ Wem diese Frage bekannt vorkommt, der hat es aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem sogenannten Maverick Buying zu tun. Dabei wird die Einkaufsabteilung bei der Beschaffung bestimmter Waren außen vor gelassen oder erst später integriert. Maverick ist die englische Bezeichnung für Außenseiter.

Die Beschaffung der jeweiligen benötigten Komponenten übernimmt dann die entsprechende Fachabteilung in eigener Regie, beispielsweise das Marketing oder der Vertrieb.

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Maverick Buying schadet Unternehmen

Neben dem Ärgernis für den Einkauf, der sich durch Maverick Buying vernachlässigt und nicht ernstgenommen fühlt, wirkt sich die Prozessschwäche auch negativ auf die Bilanz des Unternehmens aus. Denn willkürliche Käufe bei den nächstbesten Lieferanten genießen nur selten die Konditionen, welche die Einkaufsabteilung oft über Jahre hinweg mit zuverlässigen Bestandslieferanten verhandelt und aufgebaut hat. So entstehen gegebenenfalls erhebliche Mehrkosten und, durch unzureichende Lieferantenrecherche, Qualitätsmängel sowie Lieferverzögerungen.

Doch warum kommt es überhaupt zu diesem Phänomen? Oftmals wird der Einkäufer nur als operativer Beschaffer angesehen, der am Ende des Prozesses den Bestellknopf drückt. Doch das ist eine fatale Fehleinschätzung.

Im Einkauf steckt eine Menge Kompetenz, die sowohl hinsichtlich der Lieferantenselektion als auch in Verhandlungen von hohem Wert ist. Wird dieser Fakt vom altmodischen Besteller-Image unterdrückt, entsteht Platz für Maverick Buying.

Quote als Transparenzmotor

Um Maverick Buying zu vermeiden gilt es, das Bewusstsein für die Einkaufsabteilung im gesamten Unternehmen zu schärfen. Es muss völlige Transparenz über die Potentiale des Einkaufs herrschen, sodass allen Abteilungen klar ist, welche finanziellen Verluste mit der auf Eigeninitiative basierenden Beschaffung einhergehen.

Auch das Ausmaß des Maverick Buyings sollte innerhalb des Unternehmens kommuniziert werden. Hier bieten sich Kennzahlen wie die Maverick-Buying-Quote an, um die Dringlichkeit des Themas in den Vordergrund zu rücken.

Die Berechnung der Maverick-Buying-Quote ist eine einfache Maßnahme, die verborgene Missstände klar aufdeckt und den Kosten-Stein ins Rollen bringt. Dementsprechend ist eine Untersuchung der Einkaufssituation im eigenen Unternehmen jedem Mittelständler empfohlen.

Autor

Efe Duran Sarikaya ist Geschäftsführer und verantwortet bei Kloepfel-Consulting den Vertrieb. Er verfügt über Erfahrung aus mehr 350 Projekten bei mittelständischen Unternehmen mit einem bearbeiteten Einkaufsvolumen von mehreren Milliarden Euro. Sarikaya setzt sich in verschiedenen internationalen Wirtschaftsorganisationen für die Stärkung des Einkaufs ein. Er hat Betriebswirtschaft in Deutschland und Spanien studiert.