Montag, 02.06.2014
Während Marketing und Kommunikation schon lange Social-Media-Kanäle nutzen, lag die Anwendbarkeit für den Einkauf nicht unmittelbar auf der Hand

Bildquelle: Brian Jackson / iStock / Thinkstock / Getty Images / Thinkstock

Während Marketing und Kommunikation schon lange Social-Media-Kanäle nutzen, lag die Anwendbarkeit für den Einkauf nicht unmittelbar auf der Hand. Doch es gibt interessante Fallbeispiele.

Einkauf
Plattformen erleichtern den Austausch von Informationen

Einkauf nutzt Social Media

Durch Social Media kann der Einkauf Informationen über Lieferanten gewinnen. Dies dient dem Risikomanagement. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, um Social Media im Einkauf zu nutzen.

Auch im Einkauf gibt es Möglichkeiten, die Inhalte von Social-Media-Plattformen zu verwerten. Daraus ergeben sich Hinweise auf gefährdete Lieferanten, offene Austauschmöglichkeiten für die ganze Abteilung oder frühzeitige Warnungen vor Naturkatastrophen. Social Media im Einkauf ist in mittelständischen Unternehmen noch Neuland. In anderen Abteilungen, wie im Marketing oder in der Kommunikation, ist die Einbindung von Facebook eine längst etablierte Methode. Jedoch werden im Einkauf immer stärker Innovationen und ungewöhnliche Strategien nachgefragt. „Nachdem Verhandlungsführung und Global Sourcing lange im Vordergrund standen, ist die Frage jetzt, woher bekommen wir weitere Einsparungen?“, schildert Frank Sundermann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Durch Denken Vorne Consult die Einsparbemühungen im Einkauf.

Der EnBW-Konzern hat in einer Fallstudie untersucht, inwieweit Social Media relevante Inhalte für den Einkauf bieten kann. Eine Stichprobe von 78 Unternehmen im Warengruppenbereich Dienstleistungen ergab 11.000 Treffer zu relevanten Begriffswolken über einen Zeitraum von acht Monaten. „Wir wollten damit ein Frühwarnsystem für den Einkäufer schaffen, der durch die Mediaanalyse automatisiert über besondere Entwicklungen und Warengruppen informiert wird“, erklärt der damalige Projektleiter Matthias Schultze.

Die Analyse umfasste neben Facebook und Twitter auch Blogs, Foren, Websites von Unternehmen und News-Seiten. „Diese Anwendung geht weit über die klassische Bonitätsauskunft des Lieferanten hinaus“, erläutert Sundermann. Denkbar ist auch die Nutzung relevanter Inhalte, die in diesen Medien gefunden werden, für die Verhandlungen mit Lieferanten oder deren Bewertung.

Anzeige

Das Thema Vertrieb & Beschaffung wird präsentiert von:

„Wer liefert was“ ist der führende B2B-Marktplatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf wlw.de, wlw.at und wlw.ch treffen monatlich 1,3 Millionen Einkäufer mit echtem Bedarf auf rund 540.000 Lieferanten, Hersteller, Händler und Dienstleister in rund 47.000 Kategorien.

Social Media keine Plattform für Personaldiskussionen

„Eine weitere Möglichkeit ist die Übertragung von Social-Media-Prinzipien auf das Intranet“, erweitert Ioan Brumer das Einsatzspektrum. Der Berater von h&z Unternehmensberatung ist Autor der Studie „Procurement meets Social Media“. So könnte ein Forum alle Einkäufer mitsamt Einkaufsleiter miteinander verbinden. In einem größeren Maschinenbau-Unternehmen stellt der Einkaufsleiter in einem solchen Forum neue Ideen vor, die Einkäufer können „Likes“ vergeben. Angebunden ist darin jeder Einkäufer mit einem Standard Profil, dass sich entsprechend personalisieren lässt. „Personalthemen oder kritische Arbeitsthemen sind in solchen Foren allerdings tabu“, schränkt Brumer ein.

Ein Vorteil dieser Kanäle ist die relativ einfache Übertragung der Social-Media-Methodiken auf den Einkauf: „Der Einkauf will keinen großen akademischen Überbau haben“, erklärt Sundermann. Relativ einfach gestaltet sich auch die Nutzung von RSS-Feeds. Nationale geographische Institute und Behörden informieren aktuell über die Verläufe von Unwettern. Darüber hinaus lässt sich über Google Earth auch ein Abgleich der Lieferantenstandorte mit Unwetterkarten herstellen.

Innovatioanshemmnisse durch Social Media umschiffen

Offene Plattformen können Innovationen befördern. In vielen Unternehmen gibt es Innovationshemmnisse. „Oftmals heißt es „Es geht nicht“, wenn eine Innovation vorgestellt wird. Diese Ablehnung ist oftmals in der Aussage einer Person begründet, die diese vor sieben bis zehn Jahren getroffen hat“, schildert Sundermann seine Eindrücke.

Im Innovationsmanagement entstehen durch Social Media Möglichkeiten, mit kurzen Reaktionszeiten die jeweiligen Experten miteinander zu verbinden. „Social Media basierte Plattformen, über die Innovations-Scouts im Einkauf, Forscher und Techniker als übergreifendes Team arbeiten, erleichtern es, die technologischen Eckpunkte direkt mit den Inhalten der strategischen Lieferanten zusammenzubringen“, erklärt Brumer das Potenzial.

Info
Social Media im Einkauf: Wie lässt es sich nutzen?
  • Suchen relevanter Treffer
    Um das Risikomanagement zu verbessern, lassen sich Inhalte aus dem Internet nach relevanten Treffern durchsuchen. Denkbar ist dies für bestimmte Warengruppen und die wichtigsten Lieferanten. Um Begriffe wie Insolvenz werden Begriffswolken gebildet, zum Beispiel „verspätete Gehaltszahlungen“ oder „verspätete Zahlungen von Rechnungen“. Interessante Websites sind Facebook, Twitter, Blogs, Unternehmens-Websites und News-Seiten.
  • Intranet-Foren

    Einbindung aller Einkäufer auf einem Forum, dass der Plattform Facebook nachgebildet ist. Jeder Einkäufer erhält ein standardisiertes Profil, so dass der Einstiegsaufwand gering ist. Für die Beiträge können auch „Likes“ vergeben werden.

     

  • Frühe Warnung vor Naturkatastrophen
    Geographische Institute und Behörden veröffentlichen viele Daten-Feeds. Durch ein Abonnement relevanter RSS-Feeds lassen sich wichtige geographische Informationen zeitnah analysieren.
  • Abgleich von Lieferanten-Standorten mit Unwetterkarten
    Händische Eingabe der Lieferanten-Standorte bei Google-Earth. Daraus lassen sich entsprechende Karten generieren, die wiederum mit Unwetterkarten abgeglichen werden können.
  • Innovations-Plattformen
    Erstellen von halb-offenen Themen-Plattformen als Schnittstelle für Einkäufer und Lieferanten. Darauf können kollaborativ Ideen entwickelt und gemanagt werden. Auch Techniker und Forscher können eingebunden werden.

        Quellen: Markt und Mittelstand, h&Z