Mittwoch, 12.07.2017

Foto: Photodisc/Thinkstock/Getty Images

Es werde Licht: Das Elektronikmetall Galluim wird zum Beispiel zur Herstellung von Laserdioden, LEDs oder für integrierte Schaltkreise in Mobiltelefonen verwendet.

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Elektronikmetalle

Gallium, Germanium und Indium: Günstige Preise, wenige Produzenten

Ohne den Einsatz von Gallium, Germanium oder Indium würden Smartphones, Leuchtdioden und Glasfaser nicht funktionieren. Das Problem dabei ist: Sie können nur schwer substituiert werden. Teil 3 unserer Rohstoff-Serie.

Die Elektroindustrie bildet mit einem Jahresumsatz von circa 179 Milliarden Euro eine der wesentlichen Säulen der deutschen Industrie. Wie das gesamte verarbeitende Gewerbe ist auch diese Branche auf eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit mineralischen Rohstoffen angewiesen. Praktisch das gesamte Periodensystem chemischer Elemente findet sich heute in modernen Produkten der Elektroindustrie wider.

Traditionell sind Unternehmen der Elektroindustrie die größten Abnehmer von Kupfer und gehören auch zu den größten Verbrauchern von Blei und Zinn. Kupfer, das klassische Elektrometall, findet seine Hauptverwendung vor allem als Leitermedium in Kabeln. Neben Industriemetallen werden aber auch eine Reihe von Sonder- und Nebenmetallen eingesetzt.

Neue Elektronikmetalle wie Gallium, Germanium oder Indium sind durch ihre spezifischen Materialeigenschaften von großer Bedeutung für moderner Elektroprodukte und damit unverzichtbar. Gerade diese kleinen Rohstoffmärkte haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert und unterlagen starken Preisschwankungen. Entsprechend wichtig ist es deshalb, dass die Einkaufsabteilungen diese Märkte kontinuierlich im Blick behalten.

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Verwendung von Gallium

Die größten Einsatzgebiete sind integrierte Schaltkreise für Mobiltelefone, die drahtlose Kommunikation, Radar- und militärische High-End-Anwendungen sowie optoelektronische Anwendungen wie Laserdioden und Leuchtdioden. Durch den stark gestiegenen Absatz an Elektronikgeräten und der zunehmenden Nutzung von LEDs stieg zuletzt der Bedarf an Gallium.

Dies zeigt sich auch in der Entwicklung der Produktionskapazität, die sich gegenüber 2010 verdreifacht hat. Primäres Gallium wird als Beiprodukt im Zuge der Herstellung von Tonerde/Aluminium oder Zink gewonnen. Dieses Wachstum auf circa 560 Tonnen entfiel jedoch fast vollständig auf China, so dass heute mehr als 80 Prozent der Kapazitäten in der Volksrepublik liegen. Deutsche Produzenten gibt es nicht mehr, der letzte stellte 2016 seine Produktion ein.

Preisentwicklung bei Gallium

Gallium erlebte Mitte 2007 und Mitte 2011 jeweils einen Preispeak. Seit 2012 gaben die Preise aufgrund großer Überkapazitäten und schwächelnder Nachfrage stark nach. Bis heute hat sich der Galliumpreis nicht erholt.

Verwendung von Germanium

Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind optische Fasern, beispielsweise bei der Produktion von Glasfaserlichtleitern oder der Infrarottechnik, wie zum Beispiel Nachtsichtgeräten. Starkes Wachstum wird zukünftig vor allem aus der Glasfaserkabelproduktion erwartet. Germanium wird als Beiprodukt bei der Produktion von Zink oder Kupfer sowie der Kohleverbrennung gewonnen. China kontrolliert seit einigen Jahren auch diesen Markt, und weist einen Marktanteil von circa 70 Prozent aus.

Preisentwicklung bei Germanium

Den größten Preissprung machte Germanium 2011. Parallel zu dem Preishype bei mineralischen Rohstoffen wurde damals auch der Germaniumpreis nach oben gezogen. Ähnlich wie bei Indium, aber anders als die Preisentwicklung bei vielen mineralischen Rohstoffen, konnte sich Germanium lange dem allgemeinen Preisverfall entziehen. Erst seit Mitte 2015 kamen die Preise ins Rutschen – dafür aber auch kräftig. Als einziger der drei Rohstoffe konnte der Germaniumpreis seit Anfang des Jahres wieder leicht zulegen.

Verwendung von Indium

Das wichtigstes Einsatzgebiet sind Flüssigkristallanzeigen bzw. Flachbildschirme und Displays von Smartphones, Notebooks oder Tablets. Der größte Teil der Indiumproduktion stammt aus Aufbereitungs- und Verhüttungsresten der Zinkgewinnung. Rund 60 Prozent der globalen Indiumproduktion entfällt auf China. Darüber hinaus sind vor allem Südkorea und Japan als Raffinadeproduzenten von Indium zu nennen.

Preisentwicklung bei Indium

Indium erlebte seit 2003 drei Preispeaks. Das Maximum im Jahr 2005 wies eine Verzehnfachung des Preises, gemessen am Preisniveau 2003, auf. Auch 2011 und zuletzt 2015 erreichte der Indiumpreis ein Hoch. Grund für den letzten Preisanstieg war der Versuch von chinesischen Spekulanten, den Markt mittels Aufkäufen und Lagerung der Bestände austrocknen. Nachdem dieses Vorhaben scheiterte, ist der Indiumpreis stark abgerutscht und bewegt sich seit über einem Jahr auf niedrigen Niveau seitwärts.

Fazit

Wenngleich Metalle wie Gallium, Germanium oder Indium meist weder mengen- noch wertmäßig entscheidende Faktoren im Einkauf sind, so sollten sich Einkaufsabteilungen dennoch wegen der teilweise hohen Preisvolatilitäten und der sehr hohen Lieferabhängigkeiten von China mit diesen Rohstoffen beschäftigen. Die Rohstoffe sind wichtig für moderne Elektronikprodukte und aufgrund ihrer Eigenschaften nur schwer zu substituieren. Die drei Rohstoffe zeigen zudem sehr deutlich, wie sehr China in den vergangenen Jahren gerade auch den Aufbau von Produktionskapazitäten in diesen kleinen Märkten forciert hat. Eingriffe in diese kleinen, konzentrierten Rohstoffmärkte oder spezifische Nachfrageimpulse können, wie in der jüngsten Vergangenheit geschehen, schnell zu starken Preisbewegungen führen.

Autor

Dr. Torsten Brandenburg ist seit 2012 für die DERA tätig, seit Anfang 2016 leitet der promovierte Naturwissenschaftler den Arbeitsbereich Rohstoffwirtschaft. Brandenburg ist Mitautor der „DERA-Rohstoffliste“, die alle zwei Jahre erscheint. Für „Markt und Mittelstand“ schreibt er an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt.

Info

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Die DERA wurde 2010 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegründet, um der deutschen Wirtschaft in Rohstofffragen zur Seite zu stehen. Neben regelmäßig erscheinenden Publikationen, können sich Mittelständler auch individuell zu Preis- und Lieferrisiken beraten lassen. Die DERA führt auch Detailstudien zu zahlreichen mineralischen Rohstoffen durch, wenn ein gesamtwirtschaftliches Interesse vorliegt. Internet: www.deutsche-rohstoffagentur.de.