Mittwoch, 28.06.2017
Selten, aber nicht mehr teuer: 90 Prozent aller Seltenen Erden kommen in China vor und werden dort auch gefördert.

Foto: EvgenyMiroshnichenko/Thinkstock/Getty Images

Selten, aber nicht mehr teuer: 90 Prozent aller Seltenen Erden kommen in China vor und werden dort auch gefördert.

Einkauf
Seltene Erden

Grüne Technologien treiben die Nachfrage

Vor einigen Jahren kamen Mittelständler ins Schwitzen, wenn sie Seltene Erden verarbeiteten. Mitte 2011 befanden sich die Preise auf einem Rekordhoch. Seitdem sind die Preise stark gefallen. Allerdings ist die Abhängigkeit von China immer noch gewaltig. Teil zwei der Rohstoff-Serie.

Noch vor wenigen Jahren hielten Preis- und Lieferrisiken bei Seltenen Erden die Einkaufsabteilungen vieler Unternehmen in Atem. Nach einem kurzen, aber heftigen Preisausschlag platzte die Blase und die Preise für Seltene Erden fielen innerhalb kurzer Zeit wieder auf das Niveau vor dem Hype.

In den vergangenen Monaten deuten einige Zeichen darauf hin, dass aufgrund der zu erwartenden steigenden Nachfrage und der immer noch monopolartigen Struktur der Seltene-Erden-Produktion, diese Rohstoffe wieder verstärkt auf der Agenda des Rohstoffeinkaufs stehen.

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Preisentwicklung

Seltene Erden werden vor allem in Magneten, Legierungen, Polier- und Leuchtmitteln sowie in der Glas- und Keramikindustrie eingesetzt. Mitte 2011 erreichten die Preise für Seltene Erden ein Allzeithoch. Diese Entwicklung war vor allem auf spekulative Einflüsse und die künstliche Verknappung des Angebots durch chinesische Produzenten und deren Exportquoten zurückzuführen.

Damals traten auch sehr deutlich die Risiken in der Lieferkette zum Vorschein. Es zeigte sich, wie groß die Abhängigkeit von China beim Bezug vieler Rohstoffe geworden ist. Die Preisblase, mit zum Teil einer Verzehnfachung der Preise innerhalb weniger Monate, führte einerseits dazu, dass sich Unternehmen verstärkt der Risikoanalyse im Rohstoffeinkauf verpflichteten, andererseits wurden aber auch die Anstrengungen zur Substitution und den effizienten Einsatz von Seltenen Erden verstärkt.

Die stagnierende Nachfrage sowie große Angebotsüberschüsse haben in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Preisverfall fast aller Seltenen Erden geführt.

Substitutionsmöglichkeit

Bei Seltenen Erden gelang es beispielsweise, die Menge in Hochleistungsmagneten deutlich zu reduzieren, ohne Einbußen in der Performance und der Lebensdauer. Daneben wurde auch die Forschung zur Substitution intensiviert, so wurden beispielweise leistungsstarke, seltenerd-freie Elektromotoren, sogenannte Reluktanzmotoren, auf dem Markt gebracht. Auch Forscher Fraunhofer Gesellschaft arbeiten an entsprechen Technologien.

Zukunftsentwicklung

Mit Blick auf die Megatrends Elektromobilität oder Erneuerbare Energien ist absehbar, dass die zukünftige Nachfrage nach Seltenen Erden wieder stark steigen wird. Wachstumstreiber sind vor allem Magnete. Die spezifischen Eigenschaften der Seltenen Erden werden benötigt, um modernen Elektromotoren in E-Autos und Generatoren in Windkraftanlagen die gewünschte Effizienz zu verleihen. Sollten sich aktuelle Nachfrageszenarien bestätigen, könnte damit in den Seltenen-Erden-Markt wieder in Bewegung kommen.

Angebot

Obwohl die Exploration neuer Vorkommen seit der Hochpreisphase sehr erfolgreich war, konnte sich die Produktion und die Raffination von Seltenen Erden bislang kaum diversifizieren. China kontrolliert weiterhin rund 90 Prozent der Produktion und verstand es in den vergangenen Jahren dieses Quasi-Monopol zu erhalten und den Markteintritt von Wettbewerbern zu erschweren.

Bei den aktuellen Marktpreisen kann kein Anbieter außerhalb Chinas profitabel operieren. Neueste Zahlen zeigen, dass selbst chinesische Produzenten, die in den vergangenen Jahren auf Druck der Staatsregierung konsolidiert wurden, zu gegenwärtigen Marktpreisen Verluste einfahren. Daneben haben die festgelegten Produktionsquoten den illegalen und unkontrollierten Abbau von Seltenen Erden in China befördert.

Fazit

Wenngleich sich die Preise für Seltene Erden derzeit im Keller befinden und der Markt von großen Überkapazitäten gekennzeichnet ist, sollten sich Unternehmen, die auf diese Metalle in ihren Produkten angewiesen sind, mit aktuellen Entwicklungen wieder intensiver beschäftigen. China kontrolliert weiter den Seltenen-Erden-Markt, daher könnten sich Situationen am Markt mit höheren Preisen und Verfügbarkeitsrisiken bei steigender Nachfrage ähnlich dem Szenario von 2011 ergeben.

Autor

Dr. Torsten Brandenburg ist seit 2012 für die DERA tätig, seit Anfang 2016 leitet der promovierte Naturwissenschaftler den Arbeitsbereich Rohstoffwirtschaft. Brandenburg ist Mitautor der „DERA-Rohstoffliste“, die alle zwei Jahre erscheint. Für „Markt und Mittelstand“ schreibt er an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt. Im vorherigen Teil ging es um Aluminium und andere Leichtmetalle.

Info

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Die DERA wurde 2010 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegründet, um der deutschen Wirtschaft in Rohstofffragen zur Seite zu stehen. Neben regelmäßig erscheinenden Publikationen, können sich Mittelständler auch individuell zu Preis- und Lieferrisiken beraten lassen. Die DERA führt auch Detailstudien zu zahlreichen mineralischen Rohstoffen durch, wenn ein gesamtwirtschaftliches Interesse vorliegt. Internet: www.deutsche-rohstoffagentur.de.