Freitag, 09.10.2015

Batterien während des Ladeprozesses: Guten Input für die Konstruktion von Teilen kann im Maschinenbau der Einkauf liefern. Wenn Entwickler, Einkäufer und Lieferant an einem Strang ziehen, führt das zu deutlichen Einsparungen im Einkauf.

Bildquelle: www.siemens.com/presse

 

Einkauf
Checkliste: So lassen sich durch Teamwork Einsparungen realisieren

Maschinenbau: Einsparungen durch Kooperationen mit Lieferanten

Im Maschinenbau ist die Zusammenarbeit von Entwicklern, Lieferanten und Einkäufern noch Neuland. Dabei kann sie zu hohen Einsparungen im Einkauf führen. Ein Wegweiser für eine gelungene Kooperation.

Im Maschinenbau sind Kooperationen zwischen Einkäufern, Entwicklern und Lieferanten bisher nicht üblich. Sie können allerdings zu Einsparungen im Einkauf führen. Ein solches Projekt setzt bereits in der Entwicklungsphase an. Bereits in der Konstruktion eines Produkts sprechen sich die Parteien ab. Damit ist in der Regel der größte Hebel für Einsparungen im Einkauf zu realisieren. Eine weitere Möglichkeit ist der Besuch beim Lieferanten, um Einblick in seine Produktionsprozesse zu erhalten.
Ein Kostenfresser in der Produktion im Maschinenbau können beispielsweise die kleinen Dreh- und Frästeile sein, die auf großen CNC-Maschinen gefertigt werden. Das führt dazu, dass die Teile beim Lieferanten mit einem Maschinenstundensatz kalkuliert werden, der nicht notwendig wäre. Tatsächlich kann das Teil zwischen 20 bis 30 Prozent günstiger produziert werden und erhebliche Einsparungen im Einkauf realisieren, wenn es auf einer passenden, kleineren Maschine mit ausreichenden Verfahrwegen produziert wird.
Solche Besuche beim Lieferanten enden mit einer Zahl auf dem Papier, die der Einkauf seinem Lieferanten vorrechnet, beispielsweise 10 Prozent. So viel könnte der Lieferant sparen, wenn er die „Vorschläge“ umsetzt. Berater gehen so weit, dass sie dem Einkäufer – nach einer angemessenen Anpassungsfrist – zu einer Preissenkung raten, unabhängig, ob der Lieferant die Idee umsetzt oder nicht. Der Besuch beim Lieferanten dient damit einer Verbesserung der eigenen Position beim Verhandeln von Preisen. Fünf Spielregeln für eine erfolgreiche Kooperation von Einkäufer, Entwickler und Lieferant, die zu Einsparungen im Einkauf führt.

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Spielregel 1: Lieferanten informieren

Der Lieferant braucht einige Wochen Vorlauf für ein Treffen gemeinsam mit dem Einkäufer und Entwickler des Kunden. Entscheidend ist, das Thema der Kooperation schriftlich genau zu kommunizieren. Die Zusammenarbeit ist auf Kooperation ausgelegt, nur so kann es funktionieren und zu Einsparungen im Einkauf führen. Für den Lieferanten ist es wichtig zu erfahren, worum es geht und was ihn erwartet. Allerdings ist auch das Größenverhältnis von Bedeutung. Bei Unternehmen wie Bosch Rexroth oder Siemens wird man mit diesen Vorschlägen kaum offene Türen einrennen.

Spielregel 2: Zustimmung im eigenen Unternehmen schaffen

Oftmals trifft das Vorhaben zunächst auf Widerstände, da Einkauf und Entwicklung nicht gewohnt sind zusammenzuarbeiten. Das muss zunächst abgebaut werden. Es ist durchaus üblich, dass die anfänglichen Widerstände sehr groß sind. Einkäufer und Entwickler unterscheiden sich in dem Stellenwert, den sie im Unternehmen einnehmen. Der Einkauf im Mittelstand wurzelt in der Bestellabwicklung, hat also naturgemäß nicht das beste Image. Dagegen hatte der Entwickler schon immer einen höheren Stellenwert. Damit beide zusammenfinden, müssen die Vorteile dieser Kooperation gut vermittelt werden. Denn bevor es zum Lieferanten geht, ist die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im eigenen Haus wichtig.

Spielregel 3: Kein Top-down-Ansatz

Bevor es dazu kommt, gemeinsame Projekte zu entwickeln, ist es wichtig, dem Lieferanten zuzuhören. Daraus lassen sich oftmals Lösungsansätze entwickeln, die sich sonst nicht ergeben hätten. Während des Prozesses definiert der Einkauf gemeinsam mit dem Lieferanten die Anforderungen an das Produkt. Die Komponenten werden in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess zwischen eigener Technik und Lieferanten umgesetzt. Der Einkäufer begleitet diesen Prozess und moderiert die Kommunikation zwischen beiden Häusern vom Lastenheft bis zur Freigabe. Bei großen Projekten ist es denkbar, dass der Einkäufer beim Lieferanten vor Ort ist, wenn Muster gefertigt werden. Ohne einen technisch ausgebildeten Einkäufern ist dies allerdings kaum machbar. Auch wenn bei einzelnen Bauteilen Einsparungen im Einkauf zwischen 15 und 20 Prozent realisiert werden können, stehen davor Investitionen in die Qualifikation der Einkäufer.

Spielregel 4: Controlling der Aktionen

Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem Einkauf beim Lieferanten umgesetzt werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Denkbar ist es, dem Lieferanten ein Zeitfenster vorzugeben. Danach gilt der neue Preis. Fristen für die Zielerreichung und Nachfassen sind wichtige Bestandteile einer Kooperation zwischen Einkäufer, Entwickler und Lieferant. Damit bleiben die Maßnahmen in den täglichen Abläufen präsent. Der enge Schulterschluss mit dem Lieferanten geht  bei manchen Unternehmen so weit, dass Termine engmaschig nachgefasst werden. Bei Problemen mit der Terminzuverlässigkeit lassen sich Einkaufsleiter Fortschritte über eine Internet-Schnittstelle anzeigen.

Spielregel 5: Anreize formulieren

Die Einsparungen, die ein Lieferant bei einem Produkt erzielt, sollte er ohne weiteres, bei seinen anderen Kunden als zusätzlichen Gewinn umsetzen können. Für den Lieferanten ist es ein wichtiger Anreiz, dass er seine generierten Kostenvorteile an die anderen Kunden ohne Einschränkungen weitergeben kann. Eine andere Möglichkeit ist die Beteiligung an den Kosten, die durch einen gewählten Lösungsweg entstehen können. Entscheidend ist schließlich die Rückendeckung durch die Geschäftsführung, die es in einem mittelständischen Unternehmen für eine Kooperation zwischen Einkäufer, Entwickler und Lieferant braucht.