Donnerstag, 12.09.2013
Mega-Trends und ihre Auswirkungen auf die Lieferkette.

Bildquelle: Carstn Abelbeck Konzept & Design

Mega-Trends kündigen sich an und bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Lieferkette.

Einkauf
Mega-Trends und Lieferkette

Mega-Trends: Zukunft findet heute statt

Wer sich an das Thema Mega-Trends wagt, hat Großes vor. Die Autoren Sven Marlinghaus und Christian Rast stellen elf solche Trends vor mit Blick auf die Lieferkette. Im Interview erklärt Sven Marlinghaus, was Unternehmen droht.

Der Einkauf im Elfenbeinturm hat keine Überlebenschance. Wer auf neue Einflussgrößen nicht reagiert, steht schnell vor großen Problemen. In ihrem Buch  „Driving Impact: Wertschöpfung in der Welt von morgen“ stellen die Autoren Sven Marlinghaus und Christian Rast die Mega-Trends der Zukunft vor. Ihr Ansatz ist ein Perspektivwechsel: „Wie beeinflussen diese Trends die Wertschöpfungsketten in den Unternehmen?“ wollen die Autoren in der Publikation beantwortet sehen. Im Interview erklärt der Autor Sven Marlinghaus, dass der Blick nach vorne in der Lieferkette zu einem Blick nach hinten werden kann. 

MuM: In Ihrer Publikation stellen Sie elf Mega-Trends vor. Welche sind davon die drei wichtigsten für einen mittelständischen Unternehmer?
Marlinghaus: Big Data, vor allem verstanden als ein neuer Ansatz für die Nutzung und Vernetzung der Daten und Informationen über die gesamte Wertschöpfungskette, steht ganz klar vorne als Mega-Trend. Es muss massiv in verstärkte Datenkapazitäten von Seiten der Unternehmen investiert werden.  Hersteller, wie beispielsweise von Antennen, sind auch von diesem Trend betroffen. Zunehmende Risiken in der globalisierten Welt und ein proaktiver Umgang mit ihnen sind in meinen Augen ein ebenso wichtiger Mega-Trend. Beispiel Lebensmittel: Volatilitäten und Knappheiten auf den Lebensmittel-Märkten sind heute durch Finanztransaktionen geprägt. Dies kann für einen Kakaoverarbeiter bedeuten, dass er selber in Kakao-Plantagen investiert, um diese Risiken zu vermindern. Eine entscheidende Frage ist hier: Brauchen wir eine Rückwärtsintegration?
Ein weiterer wesentlicher Faktor sind die neuen Technologien. Durch die Entwicklung neuer Technologien wie beispielsweise das 3D-Fabbing ergeben sich weitreichende Konsequenzen für Ersatzteil-Hersteller. Technologiewechsel sind Stellhebel für die zukünftige Unternehmensentwicklung und haben massive Auswirkungen für die Supply Chain Strategie und den Zuschnitt von Wertschöpfungsnetzwerken.

Mum: Welche Impulse würden Sie gerne mit Ihrer Publikation setzen?
Marlinghaus: Wir wollen vor allem zum Nachdenken anregen und Entscheider für die Relevanz der Supply Chain Management Perspektive auf übergeordnete Entwicklungen – Mega-Trends – sensibilisieren. Handlungsempfehlungen für konkrete und spezifische unternehmerische Fragestellungen sprengen den Rahmen eines Buches.  Beispiel Risiken: Ausfälle in der Lieferkette müssen vorab antizipiert werden. Ich muss die Lieferanten meiner Lieferanten und deren Risiken kennen und dafür gegebenenfalls alternative Quellen aufbauen. Ich muss nicht nur verstehen, welche Risiken heute akut sind, sondern auch, welche in den nächsten 5, 10, 20 Jahren Auswirkungen auf mein Geschäft haben werden.

MuM: Meistens geht es gut aus. Mittelständische Unternehmen konnten bei Ausfällen in ihren Lieferketten oft erstaunlich schnell für Abhilfe sorgen. Selbst Fukushima hat nicht zu größeren Unterbrechungen in der Produktion geführt. Ihre Tätigkeit als Berater hat andere Fälle aufgezeigt?
Marlinghaus: Ein großer Automobilzulieferer hatte vor einigen Jahren ein massives Problem in der Lieferkette. Das Unternehmen verbaut Magnete. Darin sind Seltene Erden enthalten. Deren Volatilitäten hat das Unternehmen zu spät erkannt, woraus sich achtstellige Mehrkosten ergaben. Wenn etwas gut ausgeht – das Unternehmen also  trotz solcher Verluste überlebt –  ist es wunderbar. Allzu oft kann man sich solche Verluste aber nicht erlauben – irgendwann leidet die Substanz und die Handlungsfähigkeit ist in Gefahr. Und es geht leider auch nicht immer gut aus.

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Das Thema Vertrieb & Beschaffung wird präsentiert von:

„Wer liefert was“ ist der führende B2B-Marktplatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf wlw.de, wlw.at und wlw.ch treffen monatlich 1,3 Millionen Einkäufer mit echtem Bedarf auf rund 540.000 Lieferanten, Hersteller, Händler und Dienstleister in rund 47.000 Kategorien.

Sven Marlinghaus ist Partner bei KPMG und leitet die Abteilung SCM & Procurement Consulting.

MuM: Welche Trends haben mittelständische Unternehmer in den vergangenen Jahren übersehen?
Marlinghaus: Es gibt in den Einkaufsabteilungen sehr vieler mittelständischer Unternehmen eine Qualifizierungslücke – das ist ein dringendes Problem. Die Anforderungen an die Einkäufer werden vielschichtiger, ihre Rolle kritischer. Das muss in den Weiterbildungskonzepten abgebildet werden. Auch die mangelnde Zusammenarbeit der Abteilungen in einem Unternehmen verursacht viele Probleme und erweist sich oft als Effizienz- und Effektivitätskiller.

MuM: Wenn Sie ein mittelständischer Unternehmer wären, zum Beispiel aus der Maschinenbau-Branche, was würden Sie nach der Lektüre des Buches anders machen?
Marlinghaus: Ich würde meine Einkäufer, Entwickler und Produktionsspezialisten – die wesentlichen Akteure in der Supply Chain –  in einer Zukunfts-Werkstatt an einen Tisch setzen, um herauszufinden, welche Mega-Trends werden meine Branche und unsere Produkte am stärksten beeinflussen. Und natürlich würde ich hier auch meine wichtigsten Zulieferer an den Tisch holen. Dann würde ich, daraus abgeleitet,  unter Einsatz von Szenariotechniken strategische Roadmaps ableiten. Unser Buch kann nicht dabei helfen, die Zukunft vorauszusagen. Aber es soll das Vorausdenken künftiger Entwicklungen zu erleichtern.

Info

Driving Impact - Wertschöpfung in der Welt von morgen

Unternehmen agieren nicht mehr in geschlossenen Strukturen, sondern in einem sich immer weiter öffnenden, globalen Wertschöpfungsnetzwerk. In dem Buch „Driving Impact – Wertschöpfung in der Welt von morgen“ geben die Autoren Sven Marlinghaus und Christian Rast gemeinsam mit Zukunftsforschern von Trendone einen Einblick in die Wirtschaft prägende Megatrends. Die Autoren erläutern anhand von Handlungsempfehlungen, wie Unternehmen  und öffentliche Organisationen ihre Wertschöpfungsketten an diese Trends anpassen können. Mit Beiträgen und Interviews von Theo Waigel, Helmut Haussmann, Claus Hipp, Rolf Tophoven u.a. Weitere Infos und Videos der Interviews unter www.drivingimpact-buch.de

Die Autoren: Sven Marlinghaus ist Partner bei KPMG und Leiter SCM & Procurement Consulting. Christian Rast ist gleichfalls Partner bei KPMG und Leiter des globalen Center of Excellence Strategic Sourcing & Procurement.