Donnerstag, 17.08.2017
Lithium-Abbau im argentinischen Jujuy: In Argentinien und Chile lagern zwei Drittel der weltweiten Reserven.

Foto: xeni4ka/Thinkstock/Getty Images

Lithium-Abbau im argentinischen Jujuy: In Argentinien und Chile lagern zwei Drittel der weltweiten Reserven.

Einkauf
Lithium und andere Batterierohstoffe

Megatrend Elektromobilität lässt Nachfrage und Preise steigen

Im Jahr 2020 soll eine Millionen Elektroautos durch Deutschlands Straßen stromern. Das lässt die Preise für Rohstoffe wie Lithium und Kobalt steigen. Nur beim Graphit sieht es derzeit noch anders aus. Teil fünf der Rohstoff-Serie.

Die Mobilitätswende wird die Nachfrage nach leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien über Jahrzehnte hinaus prägen. Durch diesen technologischen Megatrend rücken auch Fragen nach der Verfügbarkeit und der zukünftigen Preisentwicklung von Lithium und anderen Batterierohstoffen auf die Agenda der Industrie.Das Leichtmetall Lithium steht als Namensgeber der Lithium-Ionen-Batterie besonders im Fokus der Rohstoffwelt.

 

Es ist jedoch nicht die einzige Komponente moderner Traktionsbatterien. Wert- und mengenmäßig sind vor allem auch Kobalt, Graphit, Aluminium, Mangan oder Nickel bedeutsam. Es ist jedoch Lithium, das sich aufgrund seiner spezifischen Materialeigenschaften in modernen Batterien kaum substituieren lässt und damit auch in Zukunft eine unverzichtbare Schlüsselkomponente für die Elektromobilität darstellen wird.

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Druck auf das Rohstoffangebot

Das steigende Interesse der Einkäufer ließ in den letzten Monaten die Preise stark ansteigen, darüber hinaus gehen viele Marktbeobachter von einer hohen Rohstoffnachfrage auch in Zukunft aus. Insbesondere die Elektromobilität, aber auch die stationäre Energiespeicherung werden erheblichen Druck auf das derzeit verfügbare Rohstoffangebot ausüben.

Eine aktuelle Rohstoffrisikoanalyse der DERA zum Thema Lithium zeigt beispielsweise, dass sich die Nachfrage bis 2025 verdreifachen könnte. Auch die Gesamtnachfrage nach Kobalt könnte sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln. Auch der Graphitmarkt wird durch die weltweit boomende Batterieproduktion erheblich beeinflusst. Graphit kommt sowohl als synthetischer als auch natürlicher Kugelgraphit in den Anoden der Lithium-Ionen Batterien zum Einsatz. Rund 1,1 Kilogramm Graphit werden pro Kilowattstunde (KWh) Batteriekapazität in modernen Elektroautos gebraucht. Lithium und Kobalt werden vor allem für das Kathodenmaterial benötigt. Zwischen 0,3 und 0,5 Kilogramm Kobalt und rund 0,2 Kilogramm Lithium werden in NMC-Kathoden (Lithium-Nickel-Mangan-Kobaltoxid) pro KWh Batteriekapazität eingesetzt.

Die Entwicklung im Einzelnen

Lithium

Seit einigen Jahren konzentriert sich die Lithiumgewinnung auf zwei Regionen. Im Südwesten Australiens wird das Lithiummineral Spodumen gewonnen. Das Land konnte in den vergangenen Jahren seine Marktanteile auf fast 40 Prozent ausbauen. In Australien wird Lithium aus Hartgestein gewonnen, während der Rohstoff in Südamerika – der zweiten bedeutenden Abbauregion – aus salzhaltigen Solen extrahiert wird.

Die ergiebigsten und bekanntesten Vorkommen liegen in Chile und Argentinien. Auf die beiden Staaten entfallen rund 46 Prozent der derzeitigen Förderung und zwei Drittel aller globalen Reserven. Verglichen mit Massenrohstoffen ist der Lithiummarkt sehr klein: Die Jahresproduktion lag im Jahr 2015 bei rund 33.300 Tonnen. Batterien stellen bereits heute den wichtigsten Anwendungsbereich von Lithium dar. Darüber hinaus wird es vor allem in der Glas- und Keramikindustrie sowie als Schmiermittel eingesetzt.

Kobalt

Die Demokratische Republik Kongo ist mit über 50 Prozent Marktanteil seit Jahren der größte Produzent von Kobalt, das  hier überwiegend als Beiprodukt von Kupfer gewonnen wird. Außerdem wird Kobalt auch in China, Australien und Kanada gefördert. In den letzten Monaten verstärkten chinesische Unternehmen ihr Engagement im Bereich Kobalt, indem sie Beteiligungen sowohl in der Gewinnung als auch der Weiterverarbeitung des Rostoffes erwarben. Durch diese Akquisitionen kontrollieren chinesische Unternehmen nun rund 60 Prozent der Weiterverarbeitung von Kobalt. Diese Angebotskonzentration im Bereich der Bergwerksförderung und der Raffinadeproduktion, gepaart mit den politischen Risiken in der DR Kongo, tragen aktuell zu einer großen Unsicherheit bei.

Graphit

Seit Jahren kontrolliert China mit einem Marktanteil von über 60 Prozent die Gewinnung von Naturgraphit. Die Produktion von Flockengraphit, das Ausgangsmaterial des für die Batterie benötigten Kugelgraphits, kommt ebenfalls zu über 80 Prozent aus China. Da auch dieser sehr energieintensive Prozess fast ausschließlich von chinesischen Unternehmen durchgeführt wird, kontrolliert China die gesamte Wertschöpfung des Anodenmaterials moderner Lithium-Ionen Batterien. Bislang wird Naturgraphit vor allem in der Feuerfestindustrie, in Gießereien und in der Pulvermetallurgie eingesetzt. Doch jetzt, wo das Thema  Elektromobilität immer stärker in den Blick gerät, wird sich  auch die Nachfrage von Graphit für Batterien stark erhöhen.

Preisentwicklung

Seit Ende 2016 zogen die Preise für Lithium und Kobalt stark an. Hier zeigt sich bereits die Erwartung auf eine stark steigende Nachfrage in der Zukunft. Nachdem die Preise für Lithiumkarbonat seit November 2016 um fast 70 Prozent auf über 13.000 US-Dollar pro Tonne im Monatsdurchschnitt gestiegen sind, setzte Anfang 2017 mit Kobalt der nächste Batterierohstoff zum Höhenflug an. Seit Jahresbeginn ist der Preis von Kobalt von circa 34.700 US-Dollar pro Tonne auf aktuell 57.500 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Damit verteuerte sich Kobalt im Monatsdurchschnitt bereits zum 15. Mal in Folge. Der jüngste Anstieg markiert nicht nur ein Mehrjahreshoch, sondern bedeutet auch eine Verdoppelung des Preises innerhalb von neun Monaten.

Im Gegensatz zu Lithium und Kobalt gaben die Graphitpreise in den letzten Jahren kontinuierlich nach. Seit Mitte 2016 kam es zu einer Bodenbildung und einer Seitwärtsbewegung der Preise. Ein Rebound der Preise blieb bislang aus. Ursachen für die gegenläufige Preisentwicklung Graphits zu Lithium und Kobalt sind in den jeweiligen Anwendungsgebieten zu suchen. Batterien machen gegenwärtig nur einen kleinen Teil der Nachfrage aus. Der Hype um Lithium-Ionen-Batterien hat damit Graphit bislang noch nicht erfasst. Zum anderen ist der Graphitmarkt derzeit von großen chinesischen Überkapazitäten geprägt. Diese liegen weiter schwer auf den Preisen – noch zur Freude der Käufer.

Autor

Dr. Torsten Brandenburg ist seit 2012 für die DERA tätig, seit Anfang 2016 leitet der promovierte Naturwissenschaftler den Arbeitsbereich Rohstoffwirtschaft. Brandenburg ist Mitautor der „DERA-Rohstoffliste“, die alle zwei Jahre erscheint. Für „Markt und Mittelstand“ schreibt er an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Rostoffmarkt.

Info

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Die DERA wurde 2010 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegründet, um der deutschen Wirtschaft in Rohstofffragen zur Seite zu stehen. Neben regelmäßig erscheinenden Publikationen, können sich Mittelständler auch individuell zu Preis- und Lieferrisiken beraten lassen. Die DERA führt auch Detailstudien zu zahlreichen mineralischen Rohstoffen durch, wenn ein gesamtwirtschaftliches Interesse vorliegt.