Dienstag, 13.06.2017
Der wichtigste Leichtbaurohstoff im Bereich Automotive ist Aluminium. Mehr als die Hälfte der Produktion liegt in chinesischer Hand.

Foto: Andreas_Krone/Thinkstock/Getty Images

Der wichtigste Leichtbaurohstoff im Bereich Automotive ist Aluminium. Mehr als die Hälfte der Produktion liegt in chinesischer Hand.

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Mineralische Rohstoffe für den Leichtbau

So entwickelt sich der Markt bei Aluminium, Magnesium und Titan

Aluminium, Magnesium und Titan werden auf den Märkten stark nachgefragt - und der Trend dürfte sich noch fortsetzen. Dabei gibt es allerdings ein Problem, schreibt DERA-Experte Torsten Brandenburg. Teil 1 unserer neuen Rohstoffserie.

In der Automobilbranche werden Leichtbaulösungen eingesetzt, um das Gesamtgewicht der PKWs zu verringern. Dies senkt den Kraftstoffverbrauch oder kompensiert – zum Beispiel bei Elektrofahrzeugen – die Gewichtszunahme durch veränderte Antriebskonzepte.

Insgesamt wird sich der Trend zum Leichtbau im Automobilbau in den kommenden Jahren noch verstärken. Zusammen mit Nachfrageimpulsen aus der Luftfahrt und der Windenergiebranche wird damit auch der Bedarf an Leichtbaumaterialien in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Dies hat Auswirkungen auf die Beschaffung von Rohstoffen wie Aluminium, Magnesium und Titan. 

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Die wichtigsten Rohstoffe

Der wichtigste Leichtbaurohstoff im Bereich Automotive ist Aluminium. Aufgrund des Gewichtsvorteils gegenüber Stahl wird es vor allem im Karosseriebau eingesetzt. Die Herstellung von Aluminium beginnt mit dem Rohstoff Bauxit. Die Förderung von Bauxit lag 2015 bei 289 Mio. Tonnen. Die größten Förderländer sind Australien, China und Brasilien. Aus Bauxit wird im Zuge der Raffination Aluminium gewonnen. Die Produktion lag 2015 bei rund 57,6 Mio. Tonnen. China ist mit einem Marktanteil von über 50 Prozent größter Produzent.

Magnesium ist rund vier Mal leichter als Stahl und rund eineinhalb Mal leichter als Aluminium. Die jährliche Produktion von Magnesium liegt bei rund 1 Mio. Tonnen. Kritisch ist die stark erhöhte Angebotskonzentration. China hat seinen Marktanteil in den letzten Jahren auf rund 86 % gesteigert.

Titanmetall ist ein korrosionsfreies, extrem festes und langlebiges Leichtmetall. Aufgrund des aufwendigen Herstellungsprozesses sind Titanbleche jedoch deutlich teurer als vergleichbare Legierungen. Die Bergwerksförderung lag zuletzt bei 4,4 Mio. Tonnen. Die wichtigsten Förderländer sind Australien, Südafrika und Kanada. Bei der Weiterverarbeitung zu Titanmetall hat China einen Marktanteil von 44 %. 

Preisentwicklung

Die im Zuge der Hochpreisphase aufgebauten Produktionskapazitäten haben bei der aktuell gedämpfteren Nachfrage zu einem Preisrückgang geführt. Der Magnesiumpreis ist seit seinem Höchststand im Sommer 2008 von mehr als 6.000 US-Dollar pro Tonne auf rund 2.200 US-Dollar pro Tonne gefallen. Aluminium konnte in den letzten fünf Jahren die Marke von 2.000 US-Dollar pro Tonne nicht mehr überwinden und liegt aktuell bei rund 1.900 US-Dollar pro Tonnet. Ferro-Titan hat zwischenzeitlich um mehr als 60 % nachgelassen, hat jedoch seit Februar deutlich zugelegt und liegt aktuell bei rund 5.000 US-Dollar pro Tonne. 

Fazit

Für den Leichtbau sind mineralische Rohstoffe von großer Bedeutung. Durch die hohe Angebotskonzentration bei der Raffinadeproduktion kann Marktmacht durch einzelne Anbieter ausgeübt werden. Bereits kleine Produktionsausfälle können in solch stark konzentrierten die Preise stark beeinflussen. Um sich vor Preis- und Lieferrisiken zu schützen, sollten sich Unternehmen frühzeitig mit den für den Leichtbau relevanten Rohstoffen beschäftigen. 

Autor

Dr. Torsten Brandenburg ist seit 2012 für die DERA tätig, seit Anfang 2016 leitet der promovierte Naturwissenschaftler den Arbeitsbereich Rohstoffwirtschaft. Brandenburg ist Mitautor der „DERA-Rohstoffliste“, die alle zwei Jahre erscheint. Für „Markt und Mittelstand“ schreibt er an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Rostoffmarkt.

Info

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Die DERA wurde 2010 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegründet, um der deutschen Wirtschaft in Rohstofffragen zur Seite zu stehen. Neben regelmäßig erscheinenden Publikationen, können sich Mittelständler auch individuell zu Preis- und Lieferrisiken beraten lassen. Die DERA führt auch Detailstudien zu zahlreichen mineralischen Rohstoffen durch, wenn ein gesamtwirtschaftliches Interesse vorliegt.