Freitag, 12.02.2016
Die Teilnehmer der „Allianz für den Mittelstand“ trafen sich in Frankfurt, um über Finanzierungsfragen zu diskutieren. Bildquelle aller Fotos: Andreas Klehm

Die Teilnehmer der „Allianz für den Mittelstand“ trafen sich in Frankfurt, um über Finanzierungsfragen zu diskutieren. Bildquelle aller Fotos: Andreas Klehm

 

FINANZIERUNGSINITIATIVE APRIL 2015

Ideale Voraussetzungen?

Niedrigzinsen und US-Dollar-Stärke – über aktuelle Herausforderungen bei der
Finanzierung diskutierten Unternehmer und Finanzierungsexperten.

Für Investitionsentscheidungen sind Zinskosten längst nicht mehr relevant, denn Banken suchen in Niedrigzinszeiten nach Abnehmern für ihr billiges Geld. Bei Unternehmen kommt der Geldsegen trotzdem oft nicht an, denn Finanzierer fordern auch immer höhere Sicherheiten und Transparenz, die Unternehmen entweder nicht erbringen können oder nicht erbringen wollen. Zur Unterstützung ihrer Finanzierung nutzen einige Mittelständler daher Bürgschaften sowie Cash-wirksame Zuschüsse und Zulagen, wie die Unternehmensvertreter der Diskussionsrunde berichteten.

Die Schwäche des Euro gegenüber des US-Dollar sehen sie als eine weitere Herausforderung im aktuellen Marktumfeld. Sich gegen Devisenkursschwankungen abzusichern, ist jedoch teuer und macht unflexibel, daher hedgen Unternehmen, deren Geschäftsmodell es zulässt, aus dem operativen Geschäft heraus. Vorteile und Risiken dessen diskutierten sie mit Vertretern von Banken und Ratingagenturen.

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Ausschnitte aus der Diskussion

„Wir reden viel über den Zins, viel wichtiger ist doch, dass sich die Kreditvergabekriterien doch eigentlich gar nicht verändert haben. Wer kreditwürdig war, der ist es auch heute. Wer es früher nicht war, der ist es heute auch nicht. Auch sind die Vergaberichtlinien aus meiner Perspektive nicht härter geworden.“

Ralf Brühöfner, Finanzvorstand bei der Berentzen AG

„Als Start-up kommen wir aus einer Verlusthistorie. Ein Bankkredit ist für uns kein Thema, weil uns deswegen keine Bank einen Kredit gewähren würde. Spätestens nächstes Jahr werden wir die schwarze Null erreichen. Aber vermutlich brauchen wir dann ein bis drei Jahre, um die entsprechenden Jahresabschlüsse vorlegen zu können.“

Gerald Schönbucher, Gründer und Geschäftsführer von Hitmeister

„Ich glaube, dass die hohe Liquidität im Markt aufgrund der niedrigen Zinsen schon eine Auswirkung auf den Umgang der Banken mit Covenants hat. Ich sehe in den Finanzierungen jüngst immer weniger beziehungsweise immer weichere Covenants, weil die Liquidität auf der Bankenseite zu einem zunehmend Kreditnehmer-freundlichen Umfeld führt.“

Katrin Wiebus, Direktorin KfW Mittelstandsbank/Individualfinanzierungen Unternehmen

„Ich sehe auch eine Schwierigkeit: den Gewöhnungseffekt beim Niedrigzins. Wie wird es denn in zehn Jahren sein, wenn ich Finanzierungskosten habe, die dreimal so hoch sind? Dann muss ich ja meine Margen wieder irgendwoher holen, um die zu bezahlen. Das ist wie schleichendes Gift.“

Stefan Müller-Arends, Vorstandsvorsitzender Muehlhan AG

„In den vergangenen Monaten gab es bei Währungen eine enorme Volatilität. Deutsche Exporteure konnten das vielleicht ganz entspannt sehen. Importeure jedoch waren hiervon stark betroffen. Bei Absicherungen bemerken wir eine hohe Nachfrage und sehen gleichzeitig eine hohe Notwendigkeit. Auch deshalb, weil weiterhin von volatilen Märkten auszugehen ist.“

Oliver Bortz, Leiter Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank

„Gerade als kleines und junges Unternehmen brauchen wir auch in Niedrigzinsphasen Zinsvergünstigungen. Das bringt uns Ratingvorteile und Bürgschaftsübernahmen. Außerdem sind Zuschüsse sehr interessant. Zu uns passt das sehr gut. Ob es zu anderen passt, muss jeder selbst entscheiden.“

Detlev-Sven Neumann, Geschäftsführer von MHMedical Tec

„Der europäische Bankenmarkt hat ein dreimal so großes Kreditvergabe-Volume wie der amerikanische Markt. Allerdings haben es Unternehmen, die nicht eine gewisse Kreditqualität aufweisen, relativ schwer, einen Bankenkredit zu bekommen. Vor allem, wenn sie keine ausreichenden Sicherheiten stellen können. Das trifft vor allem Wachstumsunternehmen.“

Mark Währisch, Director Corporate Ratings bei Standard & Poor´s