Montag, 12.06.2017
Wie attraktiv eine „digitale Finanzierung“ ist, war Diskussionsthema bei der „Allianz für den Mittelstand – die Finanzierungsinitiative“. Die am XX in XX stattfand. Fotoquelle aller Fotos: Andreas Klehm?

Wie attraktiv eine „digitale Finanzierung“ ist, war Diskussionsthema bei der „Allianz für den Mittelstand – die Finanzierungsinitiative“, die am 4. Mai in Frankfurt am Main stattfand. Copyright aller Fotos: Andreas Varnhorn

Finanzierungsinitiative Mai 2017

Vertrauen und Mehrwert

Wie attraktiv eine „digitale Finanzierung“ ist, war Diskussionsthema bei der „Allianz für den Mittelstand – die Finanzierungsinitiative“.

Crowdfunding und –investing, Fintechs und Blockchain: Die Finanzwelt wird derzeit kräftig durcheinandergewirbelt. Doch während junge Finanz-Startups auf den Markt drängen, bleiben viele Mittelständler (noch?) ihrer Hausbank treu.

Ihm fehle bei den digitalen Finanzierungs-Dienstleistern häufig die Beratung, sagt Carsten Reitz, der als Geschäftsführer von Risus allerdings auch schon gute Erfahrungen mit einem Fintech gemacht hat. Dass die Zinsen bei den Fintechs nicht unbedingt besser seien als bei seiner Hausbank, berichtet Matthias Hoch, kaufmännischer Leiter bei XOX Gebäck. Im Gespräch mit weiteren Unternehmern und Vertretern von Banken sprachen sie auch über IT-Sicherheit und die Entwicklungen der klassischen Finanzinstitute.

Ausschnitte aus der Diskussion:

"Ich würde mir eine Mischung aus der Funktionalität eines Fintech-Angebots und dem Vertrauen, das ich gegenüber meiner Hausbank habe, wünschen. Es gibt in beiden Welten gute und sinnvolle Angebote. Die sollte man miteinander kombinieren."

Paul Martin ist Geschäftsführer von Vertical.

"Wir Banken haben in Sachen Service und digitale Angebote gerade zuletzt ordentlich aufgeholt. Da bleiben meist nur noch Marktnischen unbesetzt. Ich bin aber auch weiter davon überzeugt, dass gute Fintechs eine Zukunft haben. Erfolgversprechender scheint mir allerdings, die Chancen gemeinsam mit den Banken und ihrem weitreichenden und etablierten Kundennetz zu realisieren."

Kirsten Oppenländer ist Leiterin Digitale Lösungen Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank.

"Ich finde nicht, dass wir für alles ein digitales Tool brauchen. Aber vieles könnte objektiver werden dank Computern. Objektiver, weil bei einer Kreditbewertung oder einem Bankenrating ein transparenter Entscheidungsalgorithmus dahintersteht. Und für die Genehmigung oder Absage von Kreditanfragen braucht es eigentlich schon heute keine Menschen mehr. Das können Maschinen mindestens genauso gut."

Godelef Kühl ist Geschäftsführer des Software-Entwicklers Godesys.

"Crowdinvesting hat einen Vorteil, der oft unterschätzt wird: Über die Kreditaufnahme bin ich in Kontakt mit einigen Investoren gekommen, darunter waren auch Unternehmen aus der für mich relevanten Branche. Ich versuche gerade, diese Firmen als Kunden zu gewinnen."

Carsten Reitz ist Geschäftsführer von Risus.

"Wer von Digitalisierung spricht, meint in den meisten Fällen Automatisierung. Also reibungslose, schnelle und vollständige Prozesse, an denen keine oder nur noch sehr wenige Personen direkt beteiligt sind. Echte Digitalisierung wird aus meiner Sicht erst durch neue digitale Protokolle möglich – wie die Blockchain-Technik. Hier können wir noch einige Innovationen erwarten."

Helge Michael ist Projektleiter von Main Incubator.

"Wenn ich etwas finanzieren möchte, was einen konkreten Wert hat – wie zum Beispiel eine neue Produktionslinie –, dann ist die konventionelle Bank dafür optimal aufgestellt. Ich rufe drei Bankberater an und bekomme entsprechende Angebote, aus denen ich mir das beste aussuchen kann. Beim digitalen Banking habe ich zwar viel mehr Möglichkeiten. Dafür fehlen mir aber noch die Orientierung und das Wissen, inwieweit diese Angebote überhaupt vergleichbar sind."

Matthias Hoch ist kaufmännischer Leiter bei XOX Gebäck.