Donnerstag, 17.05.2012
04.01.12 10:00

Attraktive Genussscheine

Zins aus Fleisch und Wurst

Von Axel Rose

Bei der Nürnberger Metzgerei Weckerlein GmbH ist die Welt in Ordnung. Hier entspricht ein Genussschein noch exakt seinem Wortsinn. 900 solcher Wertpapiere will Geschäftsführer Jörg Weckerlein unter seinen Kunden an den Mann bringen.

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Zins aus Fleisch und Wurst

Bildquelle: sxc.hu

Der Clou: Die Anleger erhalten die fälligen Zinsen nicht in bar, sondern in Form von Einkaufs-Gutscheinen für Fleisch und Wurst.

Genussscheine sind gesetzlich nicht geregelte Wertpapiere, die je nach individueller Ausgestaltung der verbrieften Rechte eher einer Aktie oder aber einer Anleihe ähneln. Die Weckerlein-Papiere gehören in letztere Kategorie. Sie haben einen Nennwert von 100 Euro und garantieren einen jährlichen Zins in Höhe von 7 Prozent. Anleger, die mindestens 10 Genussscheine erwerben, erhalten sogar 10 Prozent Zinsen. Die Laufzeit der Wertpapiere beträgt drei Jahre.

„Ich möchte unabhängiger von den Banken werden“, erklärt der Metzgermeister seine Intention. Hintergrund: Der Mittelständler möchte expandieren, doch die Hausbank wollte keine weiteren Mittel lockermachen. Die Sicherheiten seien ausgeschöpft, zumindest aber eine Neubewertung erforderlich. „Das kostet Geld und Garantien gibt es keine“, dachte Weckerlein, und ergriff lieber selbst die Initiative.

Mit Erfolg: Rund 200 Papiere hat er seit Mitte Dezember bereits an den Mann gebracht. „Sie müssen schon einige Überzeugungsarbeit leisten, um die Kunden zu überzeugen ihr Geld beim Metzger anzulegen“, schildert der Geschäftsführer seine ersten Erfahrungen. Die 90.000 Euro, die Weckerlein mit den Genussscheinen maximal erlösen kann, sollen in die Expansion der Firma fließen – bislang gehören 11 Filialen zum Unternehmen. Der Mittelständler hat den Erlös bewusst begrenzt, um Bürokratiekosten zu vermeiden: Solange der Wert der gezeichneten Scheine innerhalb von zwölf Monaten nicht über 100.000 Euro liegt, besteht für die Genussscheine keine Prospektpflicht und es erfolgt keine Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN).

 

Quelle: Metzgerei Weckerlein, Markt und Mittelstand

 

Die Idee in Kürze:

Name: Zins aus Fleisch und Wurst
Wer: Geschäftsführung
Wie: Ausgabe von Wertpapieren, deren Verzinsung über Warengutscheine erfolgt
Warum: Kapitalbeschaffung, größere Unabhängigkeit von Banken, Kundenbindung

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