Wiederholen ist nicht gestohlen
Über pauschal gedeckte Unterstützungskassen finanzieren Konzerne schon lange die Renten ihrer Mitarbeiter – und sich selbst. Für Mittelständler war diese bAV-Variante aufgrund des hohen Verwaltunsgsaufwands bislang ungeeignet. Das hat sich geändert.
Von Andrea Martens
Volker Kitzelmann ist ein Mann der klaren Zahlen. Als sich der Finanzchef der Dieffenbacher GmbH & Co. KG Mitte 2007 auf die Suche nach einem geeigneten Modell für die betriebliche Altersversorgung (bAV) seiner Mitarbeiter machte, wollte er daher ein klares Modell. „Ich habe nach einem Konzept gesucht, bei dem jeder Mitarbeiter genau weiß, was mit seinem Geld passiert und was am Ende dabei rauskommt“, sagt Kitzelmann. In seiner Tageszeitung stieß er auf eine Anzeige. „Dort warb ein Anbieter für eine bAV, die über eine Art Unternehmenssparbuch finanziert wird“, erzählt Kitzelmann. „So etwas hatte ich mir vorgestellt.“
Dieses bAV-System kommt aus dem Hause Auxilion. Andere Anbieter wie die Private Akademie zur Förderung der betrieblichen Altersversorgung GmbH (PA) bieten ähnliche Modelle an. In der Tat funktioniert diese bAV-Variante so einfach wie das gute alte Sparbuch. „Die Mitarbeiter verzichten monatlich auf einen Teil ihres Gehalts und zahlen den entsprechenden Betrag in ihre bAV ein“, sagt Auxilion-Vorstand Joachim Bangert.
Garantie vom ersten Euro an
Anders als eine Versicherung belegt der Arbeitgeber die geleisteten Summen jedoch mit keinerlei Kosten. Damit bezieht sich der fixe Garantiezins, der bei Dieffenbacher bei 4,5 Prozent liegt, auf die gesamten Bestandteile der Entgeltumwandlung – vom ersten Euro an. Neben dem monatlichen Beitrag können die Mitarbeiter jederzeit auch zusätzliche Sonderzahlungen leisten. „Es gefällt mir, dass das System einfach, sicher und transparent ist“, sagt Kitzelmann. Nach der Formel „eingezahlte Beträge × Zins × Laufzeit“ könne sich jeder bAV-Teilnehmer den aktuellen Wert seiner Altersversorgung selbst ausrechnen. Außerdem wird dieser auch jedes Jahr auf einem Kontoauszug ausgewiesen. Die neue Regelung kommt aber auch dem Unternehmen selbst zugute. „Da die Summen aus der Entgeltumwandlung im Unternehmen verbleiben, können wir mit dem Geld arbeiten“, sagt Kitzelmann. So können Unternehmen etwa angfristige Verbindlichkeiten ablösen und sich unabhängiger von Banken machen. „Zudem ist es durch die zusätzliche Liquidität möglich, Skonti wahrzunehmen.“ Unternehmen würden durch die bAV im eigenen Haus auch in die Lage versetzt, etwa auf teures Mezzanine-Kapital zu verzichten oder sehr lange Zahlungsziele zu gewähren. „Das kann entscheidend sein“, sagt Kitzelmann.
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Doch damit Unternehmen ein bAV-Modell Marke Auxilion erfolgreich nutzen können, müssen sie sich für einen ganz bestimmten Durchführungsweg entscheiden. „Solche Produkte werden von den Anbietern gern als etwas ganz Neues angepriesen“, bemerkt Andreas Buttler, Geschäftsführer von Febs Consulting und ausgewiesener Experte für U-Kassen. „Die Systeme beruhen aber auf der uralten pauschaldotierten Unterstützungskasse.“
Bei den Großen längst bekannt
Große Konzerne wie Siemens oder RWE haben bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts eigene Unterstützungskassen. Für den Mittelstand waren solche Versorgungswerke aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands in der Vergangenheit allerdings kaum praktikabel. bAV-Anbieter machen die pauschaldotierte U-Kasse seit einiger Zeit sozusagen mittelstandstauglich, da sie als Dienstleister die Einrichtung und die Verwaltung übernehmen. Die Kosten, die dafür anfallen, bestreiten die Firmen aus gesparten Sozialabgaben und genutzten Steuervorteilen.
Auf den ersten Blick mag die Funktionsweise einer pauschaldotierten U-Kasse einfach wie Sparbuchsparen erscheinen, doch etwas komplizierter ist die Sache schon. „Damit der Gesetzgeber diese bAV-Form fördert, müssen Unternehmen klare Regeln beachten“, sagt Steuerrechtler Hergen von Varel von der Kanzlei Buchta – Bagnoli – von Varel. Grundsätzlich gilt: Ob die U-Kasse über Entgeltumwandlung dotiert wird, das Unternehmen die bAV finanziert oder ein Mix aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen in die Kasse fließt, spielt für die steuerliche Behandlung keine Rolle. Auch ob der Mitarbeiter eine monatliche Rente wählt oder eine einmalige Kapitalzahlung möchte, ist dem Fiskus egal.
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Wird die Rente bevorzugt, so darf der Arbeitgeber jährlich 25 Prozent der späteren Jahresrente des betreffenden Mitarbeiters beim Finanzamt geltend machen. Bei einer zugesagten Monatsrente von 500 Euro wären dies also 1.500 Euro. „Diesen Steuervorteil kann das Unternehmen allerdings nur so lange in Anspruch nehmen, bis das Kassenvermögen das Doppelte der späteren Jahresrente erreicht hat“, sagt von Varel. Je nach Zinssatz ist das etwa nach sechs bis acht Jahren der Fall. Bei der Kapitalzahlung dürfen jährlich 2,5 Prozent der zugesagten Gesamtsumme geltend gemacht werden. Dies gilt, bis das Kassenvermögen 20 Prozent dieser Summe ausweist. An jedem Beitrag, der in die U-Kasse fließt, spart der Arbeitgeber zudem die Sozialabgaben in Höhe von 20 Prozent.
Wieder zurück aufs Firmenkonto
„Das Schöne an dem Modell sind aber nicht in erster Linie die eingesparten Steuern und Sozialabgaben, obwohl sich die bAV damit nach einer gewissen Zeit selbst trägt“, sagt Kitzelmann. Der wesentliche Vorteil ist die Tatsache, dass die U-Kasse die eingezahlten Beiträge an das Unternehmen zurücküberweist und die bAV damit zur neuen Finanzierungsquelle wird. Zwar werden für die von der Kasse geliehenen Summen Zinsen fällig. Da diese mit der nächsten Buchung aber wieder zurücküberwiesen werden, zahlen Firmen die Finanzierungskosten nur pro forma. Von der Steuer dürfen sie trotzdem abgesetzt werden. Dieses Vorgehen ist absolut legal.
Neben allen Vorzügen bleibt eine große Verantwortung. Anders als bei versicherungsförmigen bAV-Varianten haftet das Unternehmen für die zugesagten Summen. Erreicht eine Firma die zugesagte Rendite nicht, hat sie ein Problem. Um die Rente ihrer Mitarbeiter gegen Insolvenz abzusichern, müssen Unternehmen, die diese Vorsorgeform betreiben, Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) leisten. Das treibt die Kosten in die Höhe. „Die pauschaldotierte U-Kasse ist kein Sanierungsinstrument für Unternehmen in Schieflage“, warnt Auxilion-Chef Bangert. Bei ihm bekommen nur gesunde Unternehmen eine solche bAV. Und gesund bedeutet eine Gesamtkapitalrendite von über 5 Prozent.