Nachfolgeregelung
Chef bis 100
„Die Jungs sind auf dem Weg es zu lernen“, äußert sich Ikea-Chef Ingvar Kamprad gegenüber schwedischen Medien über seine beiden längst erwachsenen Söhne Peter (Jahrgang 1964) und Jonas (Jahrgang 1966). An eine baldige Übergabe denkt der Patriarch trotzdem nicht: „Mein Herzschrittmacher hat noch 15 Jahre Garantie.“ Spekulationen um seine Gesundheit machen den 85jährigen wütend. Dabei musste Kamprad bei öffentlichen Auftritten schon mehrfach von Mitarbeitern gestützt werden.
Mit seiner Sturheit und seinem Kontrollbedürfnis geht der Konzernchef ein hohes Risiko ein. Denn erst mit der Nachfolge entscheidet sich, wie ein Unternehmer bei Kollegen, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden im Gedächtnis bleibt. Und während die Nachfolge von heute auf morgen eintreten kann, erledigt sich eine erfolgreiche Übergabe nicht ohne sorgfältige Planung. Der Nachfolger muss in die Arbeitsabläufe hineinwachsen, die Strukturen des Unternehmens kennenlernen, Entscheidungen mittragen und an Profil gewinnen. Bislang prägt Kamprad den Konzern - seine Persönlichkeit und sein Selbstbild stehen stellvertretend für das Markenimage. Diese Lücke kann niemand ohne weiteres füllen, ein Nachfolger muss deshalb längerfristig herangebildet werden. Andernfalls drohen irgendwann der Sturz in ein tiefes Loch und der mühsame Aufbau einer neuen Identität.
Auch wichtige Stakeholder machen sich ihre Gedanken und sehen eine ungelöste Nachfolgesituation kritisch. Banken oder Großkunden wollen Planungssicherheit. Wer kein langfristiges Konzept hat, muss um Kredite und Aufträge fürchten. Weit mehr als für einen Milliardenkonzern wie Ikea gilt das für kleinere, inhabergeführte Mittelständler. Eine rechtzeitige Nachfolgeplanung ist für viele kleinere Betriebe deshalb überlebensnotwendig. Mit und ohne Herzschrittmacher.
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