Eurokrise
Griechische Selbstdiagnose
Endlich ist der Auslöser der Eurokrise gefunden: Die Subventionen sind schuld. Der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis jedenfalls, macht die EU-Gelder für den Niedergang Griechenlands verantwortlich.
In der Tat ist Griechenland ein Musterbeispiel dafür, wie Subventionen falsche Anreize auslösen und die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit schwächen können. Weit über 100 Milliarden Euro sind innerhalb der vergangenen 20 Jahre nach Griechenland geflossen. Unternehmer hätten ob des Geldflusses ihre Betriebe geschlossen und stattdessen Importgeschäfte gegründet, erklärt Chrysochoidis gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Fest steht: Notwendige Anpassungen und technische Innovationen sind einer sich verfestigenden Subventionsmentalität zum Opfer gefallen, unter der im Ergebnis Wachstum und Beschäftigung leiden.
Man mag jetzt empört aufschreien, dass die EU die Gelder ja nicht aus reiner Mildtätigkeit verschenke. Vielmehr haben die strukturell schwächeren südeuropäischen Staaten diese über Jahre vehement eingefordert. Erst nach Subventionen zu schreien, und diese dann zu verteufeln wenn man den Karren an die Wand gefahren hat, ist sicher nicht die feine Art. Den schwarzen Peter müssen sich alle Beteiligten aber gemeinsam anziehen. Die unzähligen Lobbyisten, die nur ihre Einzelinteressen im Blick haben und den Rachen nie voll genug bekommen, ebenso wie die Politiker, die den Forderungen immer wieder nachgeben, weil auch bei ihnen persönliche und parteipolitische Interessen im Vordergrund stehen.
Auch wenn der Patient den Finger nicht selbst in die Wunde halten sollte, darf die Diagnose nicht ungehört bleiben: Nicht zu wenig Geld ist das Kernproblem, sondern zu viel Geld. Zu viel Geld, das über Subventionen und billige Zinsen seit Jahren in den Markt gepumpt wird. Angela Merkel wird sich über die indirekte Unterstützung ihrer umstrittenen Sparpolitik sicher freuen. Die Herkunft des Zuspruchs dürfte aber auch die Kanzlerin überrascht haben.
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