Donnerstag, 17.05.2012
17.02.12 16:47

Das Scheitern von Wulff und Ostendorf

Kein Entkommen

Von Boris Karkowski

Bundespräsident Christian Wulff ist heute zurückgetreten, Müller-Brot-Eigentümer Klaus Ostendorf musste gestern Insolvenz anmelden. Beide sind über den Umgang mit eigenen Fehlern gestürzt – auch, weil sie die Geschwindigkeit der öffentlichen Kommunikation unterschätzt haben. Es kommentiert Boris Karkowski.

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Kein Entkommen

Nicht das Vergehen selbst, der Umgang mit der Krise entscheidet über das Überleben. Dieser Satz wurde – als Kritik formuliert – in den vergangenen Wochen häufig im Zusammenhang mit Christian Wulff und seinen zahlreichen „Fehlern“ aus seiner Zeit als Ministerpräsident geäußert. Seit 2009 hatte die Großbäckerei Müller-Brot Auseinandersetzungen mit den Lebensmittelkontrolleuren wegen mangelnder Hygiene. Wulff und Müller-Brot-Eigentümer Ostendorf ist gemein, dass sie immer erst auf Fehler reagiert haben, als ihre Aufdeckung nicht mehr zu verhindern war. Vor allem aber haben sie die Außenwirkung – und dabei insbesondere die Rolle der Medien – unterschätzt. Heute kann selbst ein mittelständisches Unternehmen mit 115 Millionen Euro Umsatz in den Fokus kritischer Berichterstattung geraten – Fehltritte des Staatsoberhaupts erst recht. Wer verzögern, aussitzen oder vertuschen will, hat immer weniger Aussicht auf Erfolg. Wulff ist durch ein scheinbares Perpetuum Mobile insbesondere der Online-Medien nie aus dem „News-Cycle“ herausgekommen: Online berichtet über Talkshow berichtet über Kommentare berichtet über Neuigkeit usw. Oder beim Brotunternehmer: Medien berichten über Lebensmittelskandal berichten über Kundenabsprung berichten über Schwierigkeiten usw. User-Kommentare, die kein Redakteur mehr steuert, heizen die Hysterie weiter an.

Es gibt heute nur noch eine einzige Art, wie man in Deutschland mit eigenem Fehlverhalten umgehen kann, ob in der Politik oder in der Wirtschaft: Volle Transparenz und harte Konsequenzen entweder in Prozessen oder in Personalfragen. Alles andere verschlimmert die Leiden nur, heilt aber nicht. Kohl und Koch hätten heute keine Chance mehr durchzukommen.


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