Keine Angst vorm Börsengang
Amerikanische Unternehmen sammeln an der Börse Milliarden ein, während deutsche Firmen sich nicht aufs Parkett trauen. Gerade einmal 15 Börsengänge waren es in Deutschland innerhalb der ersten drei Quartale dieses Jahres. Über dem großen Teich wagten allein im November 13 Unternehmen diesen Schritt. Aktuell erregt der geplante Facebook-Börsengang die Phantasie der Märkte. Auf rund 100 Milliarden Dollar wird der Börsenwert des Unternehmens teilweise geschätzt.
Am wirtschaftlichen Umfeld kann es nicht liegen. Zwar beherrscht die Eurokrise seit Monaten die Schlagzeilen, doch während die USA in Doppel-Defizit, Arbeitslosigkeit und drohender Rezession gefangen sind, ist der Motor der deutschen Wirtschaft bislang nicht ins Stocken geraten. Unternehmen könnten daraus Kapital schlagen – Eigenkapital. Doch sie tun es nicht. Zumindest nicht an der Börse. Und dass, obwohl allen klar ist, dass der Kampf um Fremdkapital mit den verschärften Eigenkapitalrichtlinien für Banken nicht leichter wird.
Woran liegt es also, dass solide wirtschaftende Betriebe wie Evonik oder Siemens-Tochter Osram ihre geplanten Börsengänge verschieben, während US-Firmen Kurs halten? Eine ausgeprägte Risikoscheu steht hierzulande dem Glauben an den American Dream gegenüber. Neben der Phantasie fehlt auch eine fest verankerte Eigenkapitalkultur. Doch in der sich verändernden Finanzierungslandschaft müssen deutsche Unternehmen sich umstellen: Auch Mittelständler müssen sich noch stärker mit dem Kapitalmarkt beschäftigen. Ein gesundes Maß an Vorsicht ist zwar gute Kaufmannsart, doch Angst vor der Börse müssen deutsche Mittelständler nicht haben. Auch nicht um ihre Unabhängigkeit. Schließlich ist Börsenkapital nicht an Beteiligungsverträge gebunden.
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