Bürgschaft für Drogeriekette
Schlecker systemrelevant?
In der Krise 2008 wie auch jetzt wurden die Bürgschaften für deutsche Banken heiß diskutiert. Angesichts der enormen Summen gab es laute Aufrufe, die Bürgschaften zu verweigern. Schließlich hatten die Banken keinen unerheblichen Anteil an ihrer misslichen Schieflage. Argumentative Allzweckwaffe war die vermeintliche „Systemrelevanz“ der Banken. Mit dieser beschworen Politiker die Furcht vor einem Kollaps der Weltwirtschaft, sollten die Finanzhäuser zusammenbrechen. Und genau diese Angst galt als Argument, die Gelder der Steuerzahler als Bürgschaften zu hinterlegen.
Nun steht Schlecker vor dem Aus. Nach jahrelanger Misswirtschaft trifft das Unternehmen aus Ehningen die volle Härte der Marktwirtschaft. Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid reagierte darauf mit dem Angebot einer Bürgschaft an potentielle Schlecker-Investoren – nicht zuletzt getragen von den Steuerzahlern. Fragt sich, ob diese freimütige Offerte tatsächlich auch Anklang bei den Bürgern findet. Ein Blick in die leeren Gänge der Drogeriemärkte lässt daran zweifeln. Haben doch nach Analysen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in den letzten fünf Jahren sechs Millionen Steuerzahler Schlecker die Kundschaft gekündigt. Systemrelevant ist Schlecker sicher nicht.
Hinter der Insolvenz steckt vielmehr ein normaler Konsolidierungsprozess. Die Kunden haben sich gegen Schlecker entschieden. Und das Unternehmen hat nun die Konsequenzen der Marktentscheidung zu tragen - allein und ohne Eingreifen des Staates.
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