Donnerstag, 17.05.2012

Aktuelle Ausgabe

Frontbericht aus der Solarbranche

weitere Themen u.a.

  • Wie Sie im Notfall die Kontrolle behalten
  • Erfolge und Misserfolge bei Mittelstandsanleihen
  • Sonderthema: Trends in der Verpackungstechnik
  • Spezial Transport und Logistik: Retourenmanagement verbessern
  • Neue Produkte launchen - So begeistern Sie den Markt
  • Schwerpunkt E-Procurement: Drei Firmen zeigen, wie sie E-Procurement einsetzen

Alle Ausgaben im Überblick

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05/12

Erratische Politik

 

Eigentlich klingt es absurd, wenn sich Unternehmer über die Unvorhersehbarkeit politischer Entscheidungen beschweren. „Mangelnde Planungssicherheit“ lautet der Vorwurf, der in den vergangenen Jahren besonders von Gesundheits- und Energieunternehmen zu hören war. Ja, politische Entscheidungen sind – häufig nach einer Wahl, aber nicht nur – immer wieder überraschend. Doch sind Märkte, in denen die nicht Politik reinredet, das nicht auch? Unternehmen wie Nokia, Sony oder Myspace haben erlebt, wie schnell sich Kunden abwenden, wenn neue Technologien oder schickere Produkte auf den Markt kommen. Nur haben sie niemanden, über den sie sich beschweren können. Höchstens über ihr rausgeworfenes Management.

 

Nun erleben wir im Zeitraffer Aufstieg und Fall der Solarbranche. Das ist hart für die Betroffenen (Einblicke in die Branche und ihren Überlebenskampf gibt Joachim Kary ab Seite 12). Es entschuldigt aber nicht, dass viele deutsche Solarunternehmen unzureichend für den Ernstfall vorgesorgt haben. Sie haben sich auf Konstanz und Verlässlichkeit der Politik verlassen. Das Ende der Berechenbarkeit mag man bedauern – aber warum sollte es den Solarfirmen besser gehen als Unternehmen, die allein vom Markt abhängig sind? Politik ist in den vergangenen Jahren immer unberechenbarer, kurzatmiger geworden. Sie nähert sich unwissentlich an den echten, erratischen Markt an. Das hat über kurz oder lang Konsequenzen, weil sich Unternehmer, Investoren und Mitarbeiter vor den Negativfolgen schützen wollen. Sie werden vorsichtiger investieren, sich ihren Karriereweg genauer überlegen. Wenn die Politik mit ihrem Verhalten quasi Markt simuliert und damit entsprechende Konsequenzen provoziert – wofür braucht es die Politik überhaupt? Dann überlässt man es besser gleich dem Markt. Es gibt in bestimmten Bereichen, bei der Entwicklung neuer Technologien zum Beispiel, gute Gründe, dass sich die Politik einmischt und Marktregeln aussetzt. Aber dann muss sie dabei auch verlässlich und berechenbar sein, sonst geht es nicht.

 

Boris Karkowski

04/12

China, Phase 3

 

Chinas Erfolgsformel funktioniert nicht mehr. Die Löhne sind nicht mehr billig, sondern werden, wenn sie so weiterwachsen wie in den vergangenen Jahren, bald westliches Niveau erreichen. Die schwierige Wirtschaftslage in vielen Exportmärkten wie Europa oder USA drosselt die Exportmaschine. Das Land steht vor einer gewaltigen Herausforderung, so groß wie zu Beginn von Deng Xiaopings Reformen: Den Sprung von der Werkbank und Exportnation zum High-Tech-Champion mit starker Binnenkonjunktur. Der aktuelle Masterplan wurde Ende vergangenen Jahres verabschiedet. China will unter anderem die Investitionen in Forschung und Entwicklung in sieben Feldern (siehe unsere Titelgeschichte ab Seite 12) deutlich erhöhen und damit zu den entwickelten Staaten aufschließen. Wer die Entwicklung der Solarbranche und vor allem der Preise beobachtet hat, erkennt, welche Zerstörungskraft darin für einige deutsche Branchen liegen könnte (mehr dazu ab Seite 42).

 

Bislang ist es erst ein Plan. Ob er aufgeht, ist ungewiss. Die Gefahr ist groß, dass China in der „Middle-Income“-Falle hängen bleibt, wie so viele andere Länder zuvor. Von 101 Ländern, die in den sechziger und siebziger Jahren mittlere Pro-Kopf-Einkommen hatten, haben es bislang nur 13 geschafft, ganz nach oben aufzuschließen. Darunter Griechenland – mit fragwürdiger Bilanz. Immobilienblase, Umweltverschmutzung und politische Faktoren, vor allem aber ein Missverhältnis von Produktivität und Kosten, könnten leicht dazu führen, dass auch China in der Mitte strandet. Allerdings ist die Bilanz der Fünfjahrespläne, derzeit ist Nr. 12 dran, beeindruckend: In den meisten Fällen sind sie übererfüllt worden.

 

Deutsche Unternehmen, die sich bislang dank Technologievorsprung sicher wähnten, sollten darum nicht zu sehr auf die Mittel-Falle vertrauen.

 

Boris Karkowski

03/12

Bauch oder Zahl?

 

Unternehmer bilden sich ziemlich viel auf ihr Bauchgefühl ein. Wo der Konzernmensch umfassende Marktstudien erstellen lässt, bevor er ein neues Produkt lanciert, macht der Unternehmer einfach mal. Manches glückt, anderes eben nicht.

 

So weit das Klischee. Im Kern wahr, doch eigentlich schon lange überholt. Das liegt an zwei Entwicklungen: Zum einen treten immer häufiger studierte Betriebswirte die Nachfolge der Gründer – Ingenieure, Naturwissenschaftler, Tüftler – an. Und die gehen deutlich zahlenorientierter vor als ihre Vorgänger. Zum anderen verlangen Banken heute ein schnelleres und umfassenderes Controlling als in der Vergangenheit.

 

Höchste Zeit, sich damit zu befassen, mit welchen Zahlen Unternehmer heute Joachim Kary und Stefanie Senfter haben für unsere Titelgeschichte bei den Unternehmern nachgefragt, welche Kennzahlen sie zur unternehmerischen Steuerung benutzen.

 

Bemerkenswert: Die Zahlen-Auswahl ist mitnichten standardisiert, hängt aber auch nicht nur von individuellen Vorlieben ab – sondern von der strategischen Situation des Unternehmens.

Der Qualitätssteigerer schaut auf ganz andere Anzeigen im Cockpit als der Marktfelderoberer. Wir sagen Ihnen ab Seite 12, bei welcher Wachstumsstrategie Sie welche Kennzahlen besonders im Blick haben sollten.

 

Beruhigend: Bei aller „Ver-Kennzahlung“ des Mittelstands haben echte Unternehmer nicht vergessen, dass das Bauchgefühl nicht ausgeblendet werden darf. Ihr Bauch ist nur etwas klüger geworden.

 

Boris Karkowski

02/12

Schöpfen, zerstören, schöpfen

Unternehmer werden häufig für ihren Mut gelobt: Da traut sich jemand etwas ganz Neues, verlässt die Sicherheit der ausgetretenen Pfade. Dabei braucht es gar nicht einmal so viel Mut, ein Unternehmen zu gründen. Denn der Preis des Scheiterns ist meist überschaubar, weil noch keine Familie zu versorgen ist und kein gutes Einkommen riskiert wird. Die revolutionärsten Unternehmen werden darum fast immer von jungen Menschen gegründet, die noch nicht viel zu verlieren haben.

Ältere Gründer hingegen - lassen wir einmal durch Arbeitslosigkeit in die Gründung "gezwungene" Unternehmer außen vor - tendieren dazu, ihr bestehendes Know-how, das sie vorher als Angestellte in Unternehmen oder Forschungseinrichtungen angewandt haben, weiter zu perfektionieren. Das Risiko ist dabei überschaubar. denn sie setzen häufig ein persönlich erprobtes Erfolgsmodell in der Selbständigkeit um.

Den größeren Mut verlangt es deshalb, etwas ganz Neues zu wagen, wenn sehr viel auf dem Spiel steht. An so viel Mut mangelt es aber auch vielen erfolgreichen Unternehmern, die etwas Großes geschaffen haben. Anton Schlecker ist für seinen Gründermut reich belohnt worden - doch verließ ihn der Mut, rechtzeitig das Konzept seiner Drogeriemärkte zu verändern. Dafür zahlt er nun einen hohen Preis. Andere zahlen ihren Preis weniger öffentlich: Sie werden einfach von der Spitze verdrängt.

Mutige Gründer schätze ich, mutige Veränderer, die schon viel erreicht haben, bewundere ich. Vor vielen Jahren warb eine Unternehmensberatung mit einem Slogan, der in etwa so lautete: Ihr Unternehmen hat Erfolg? Dann sollten Sie jetzt etwas verändern. Eine Regel, die dauerhaft erfolgreiche Unternehmer verinnerlicht haben. Darum finden Sie auch in diesem Heft wieder viele Anregungen, wie Sie Ihr Unternehmen verändern und verbessern können.

Boris Karkowski

PS: Auch wir haben uns verändert: Unser Layout haben wir moderner und leserfreundlicher gestaltet - und wir haben auch unsere Homepage www.marktundmittelstand.de komplett überarbeitet. Freuen Sie sich auf viele spannende Inhalte, wir freuen uns auf Ihren Besuch. Und schreiben Sie uns, wie Ihnen die Veränderungen gefallen.http://www.marktundmittelstand.de

Boris Karkowski

 

12/11

Das Ende der Zinsen?

Im trüben November kommen wir besonders leicht auf düstere Gedanken. Die Angst, dass unser Geld nicht mehr sicher ist, weil weltweit die Notenpressen heiß laufen, geht wieder um. Auch wenn sich kaum noch jemand persönlich erinnert, so sind die Bilder der Währungsreform 1923, als Geldbündel wertloses Kinderspielzeug wurden, tief im Bewusstsein der Deutschen verankert.

Als Steinbrück und Merkel in der Lehman-Krise verkündeten, die Einlagen seien sicher, hat das noch alle beruhigt. Heule sind nicht einmal die Staaten sicher; wie soll man da in sie vertrauen können? Bislang stemmt sich Deutschland gegen die Aufweichung der definierten EZB-Aufgaben, doch in modernen Ländern wird das zunehmend als Akt deutscher Aggression aufgefasst. Es scheint weniger eine Frage des ob, sondern vielmehr des wann die Kanzlerin nachgeben wird. Dann hätte auch die EZB die Schleusentore weit geöffnet, wie schon Japan und die USA seit Jahren. Niedrige Zinsen, viel Geld - das eigentliche Wunder ist, dass die viel erwartete Inflation noch nicht gekommen ist.

Doch die Chancen stehen schlecht, schreibt Andre Hülsbömer in unserer Titelgeschichte ab Seite 12, dass es so bleibt: Wie lange hält unser Geld? Derzeit leben wir in einer Welt mit überschaubarer Inflation, in der die Zinsen quasi abgeschafft sind. Häuslebauer und Sparer wissen, was das heißt. Für viele Unternehmer wird die Rede vom Ende der Zinsen aber hohl klingen. Denn die neuen Kapitalvorhalteregeln, die auf die Banken zukommen, werden die Kosten von Unternehmenskrediten ordentlich hochtreiben. Ein niedriger Euribor als Basis dämpft zwar die Gesamtzinsbelastung, doch die Zinsschere zwischen guten und schlechten Bonitäten wird weit auseinanderklaffen. Sollte unser Geld nicht mehr lange halten, werden wir uns nach solchen Sorgen zurücksehnen.


Boris Karkowski

11/11

Keine Panik

 

Eigentlich waren es nur ein paar Lappalien, die Michael Douglas seinerzeit als William Foster in dem Kinoerfolg „Falling Down" einen folgenschweren Nervenzusammenbruch erleiden ließen: Stresstest nicht bestanden. Ja, jetzt haben auch wir das Wort „Krise" auf dem Titel. Eigentlich reichte uns schon, dass allenthalben in den Medien vom „Gelduntergang" (Spiegel), „Banken- Beben" (Handelsblatt) oder der „finanziellen Kernschmelze" (Bild) die Rede war; man kann eine Krise schließlich auch mit der Lust am Untergang herbeireden.

Keine Frage. die Euroländer haben ebenso wie die USA und Japan ein großes Schuldenproblem. Das kann sich in eine Währungs- und Bankenkrise auswachsen, die die Realwirtschaft infiziert. Darum stemmen sich die Regierungen mit neuen Rettungsschirmen dagegen. Der Ausgang ist ungewiss. Trotz monatelangen medialen Krisendauerfeuers hält sich die deutsche Wirtschaft wacker. Sie wächst. Zugegeben, der "Aufschwung XXL" ist auf Größe S geschrumpft, aber eine Abschwächung war nach der Aufholjagd auch zu erwarten. Selbst der Euro pendelt weiter ziemlich genau in der Mitte des Korridors der vergangenen fünf Jahre. Von Beben, Untergang oder Kernschmelze ist unsere Realwirtschaft bislang verschont geblieben. Die Chancen, dass Unternehmen in Deutschland glimpflich davon kommen, stehen besser als in vielen anderen Ländern. Schließlich haben die Unternehmen aus der jüngsten Krise gelernt und wenig Zeit gehabt, Fett umzusetzen. Und trotz absurdem Verschuldungsstand ist der deutsche Staatshaushalt vergleichsweise solide.

Und doch bleibt die Sorge: Was, wenn die Politik die Eurokrise nicht in den Griffbekommt? Wenn auch Frankreich ins Rutschen gerät? Anders als vor drei Jahren wird es den hoch verschuldeten öffentlichen Haushalten deutlich schwerer fallen, große Konjunkturprogramme aufzusetzen. Deutschland mit seiner starken Exportwirtschaft bleibt dann keine Insel der Glückseligen. Wir wollen - siehe oben - die Krise nicht herbeireden. Aber sollte sie kommen, sollten wir vorbereitet sein. Sind Sie es? Wir haben exklusiv für mittelständische Unternehmen mit erfahrenen Beratern, Bankern und Unternehmern einen „Stresstest" entwickelt. Testen Sie ab Seite 12, wie krisenfest Ihr Unternehmen in den wichtigsten Bereichen ist. Wir hoffen fest, dass Sie stressresistenter sind als unser Cover-Mann William Foster.

Boris Karkowski   

10/11

Sinn und Unsinn der Gewerkschaften

Ihr historisches Vermächtnis ist unbestritten. Doch das hilft nicht: Längst sind die Gewerkschaften nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Automatisierung hat die Arbeiterklasse schrumpfen lassen; der weltweite Lohnwettbewerb der Globalisierungshebel! die nationalen Gewerkschaften JUS.

Mehr noch: Die Gewinner dieser Entwicklung, also qualifizierte Fachkräfte, die händeringend gesucht werden, benötigen die Unterstützung der Gewerkschaften nicht mehr. Man muss den deutschen Gewerkschaften anrechnen, dass sie diese Realitäten anerkennen und keine destruktiven Rückzugsgefechte initiieren. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist auch ihrer Lohnzurückhaltung zu verdanken; ihrer Einsicht, dass Lohnsteigerungen nur Arbeitsplatzabbau und -verlagerung beschleunigt hätten. Doch so viel Vernunft hat die Gewerkschaften nicht attraktiver gemacht - warum sollten Arbeiter hohe Beiträge zahlen, wenn am Ende ein Reallohnminus herauskommt? Ganz ohne Widerwehr können die Gewerkschaften daher ihrem Schrumpfen nicht zuschauen.

Darum haben sie den Mittelstand entdeckt: in Gewerkschaftsfragen recht unerfahren, heimat- und arbeitsplatzverbundener als ein Konzern. $0 machen - siehe unsere Titelgeschichte ab Seite 12 - mehr Unternehmer unliebsamen Kontakt mit den Funktionären. Das bringt Unruhe, stört schnell den Betriebsfrieden und kostet wertvolle Zeit für Wichtigeres. Trotzdem gibt es auch Momente, da möchte sie mancher Mittelständler nicht mehr missen: In Krisenzeiten ist der (meist von der Gewerkschaft initiierte) Betriebsrat ein wichtiger Partner, der Verhandlungen mit den Mitarbeitern bündeln hilft. Dadurch gewinnt der Unternehmer Zeit für wichtige andere Aufgaben. Auch das sollte bei allem Ärger über den Störfaktor Gewerkschaft nicht ganz vergessen werden.

Boris Karkowski    

09/11

Deppen der Nation

Wenn Jürgen Hingsen drei Fehlstarts hintereinander hinlegt, ist er der Depp der Nation. Wenn die Politik jedoch einen juristischen Fehlstart nach dem anderen hinlegt, sind die betroffenen Unternehmen die Deppen. Jüngstes Beispiel: ELENA. Der elektronische Einkommensnachweis sollte erst zum Jahreswechsel 2012 kommen, dann 2014, nun ist er ganz gekippt. Seit Anfang 2010 allerdings mussten die Arbeitgeber schon doppelte Arbeit leisten- 18 Monate Mehrarbeit für ein Gesetz, das nie kommt.

Auch an anderer Stelle hat die Politik Murks gemacht: Die Einführung von EIQ mit den massiven Auswirkungen auf die mittelständische Mineralölindustrie oder die Zertifikate, um sichere Lieferketten zu gewährleisten, sind weitere aktuelle Beispiele unserer Titelgeschichte ab Seite 12. Nun droht die Einführung der E-Bilanz (ab Seite 32) zur Posse zu werden.
Wenn sich die Fakten ändern, soll man auch seine Meinung ändern; das handhaben nicht nur Unternehmer so, sondern auch Politiker. Fehlstarts wie ELENA oder EIO sind eben nicht unvorhersehbaren Ereignissen geschuldet, sondern nicht sauber konzipiert und kommuniziert worden. Es ist ärgerlich, mit welcher Sorglosigkeit die Politik Unternehmen Mehrkosten aufbürdet, die sich als völlig überflüssig entpuppen.

Der politische Schaden solchen Murks' bleibt erstaunlich überschaubar, weil sich die Öffentlichkeit kaum interessiert und sich kaum ein Thema länger als eine Woche in den Medien halten kann. Ausbaden müssen die Fehler also Sie als Unternehmer. Wie Sie sich dagegen wehren können, zeigen wir Ihnen auf (S.18) - leicht ist es aber leider nicht. Als Rot-Grün regierte, waren „handwerkliche Fehler« einer der Lieblingsvorwürfe der Opposition. Schade, dass die damalige Opposition ihr Handwerk offenbar nicht besser versteht. Ein wenig mehr Ruhe in Dingen, die vielen anderen Arbeit und Kosten bereiten, würde guttun. Zumal, wenn es nicht um Hunderstelsekunden geht.

Boris Karkowski  

08/11

Herr Rossi oder das Glück des Unternehmers

Der arme Herr Rossi. Der Held der italienischen Siebzigerjahre-Trickfilme "Herr Rossi sucht das Glück" (siehe unser Cover) wollte es so gut haben wie ein Chef: ein großes Auto, ein großes Haus und Champagner statt Milch. Doch wo er auch suchte - das Glück fand er nicht. Am Ende war er jedes Mal froh, in sein vertrautes Heim zurückzukehren. Ob sein Chef, der Unternehmer, glücklicher ist, erfahren Wir nicht. Geld hat er im Überfluss - doch wie wichtig ist das tatsächlich zum Glück?

Was macht sonst Unternehmer glücklich? Wir haben nachgefragt (ab S. 14), bei Forschern und natürlich Unternehmern selbst. So individuell die Antworten auch sind, so lässt sich die Antwort doch zusammenfassen: Mein Unternehmen ist mein größtes Glück. Es verleiht die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen, etwas Eigenes zu schaffen. Und es gibt auch die finanzielle Freiheit. unbesorgt leben zu können.

Aber das ist, anders als Herr Rossi glaubt, nicht der wichtigste Teil der Antwort. Unversehens kann das größte Glück des Unternehmers sein größtes Unglück werden. Wenn die Dinge schlecht laufen, ist es mit der Freiheit schnell vorbei. Für Adolf Merckle wog dieser Verlust schwerer als alles, was Familie und Freunde hätten dagegen halten können. Merckle ist zwar eine Ausnahme geblieben. Doch wie wenig beispielsweise familiäres Glück unternehmerische Sorgen überwiegen, haben Ehepartner oder Kinder von Unternehmern schon häufig frustriert erfahren müssen.

Es wäre ein Leichtes, Unternehmern den klugen Rat zu geben, sich stärker auf „Glücksalternativen" außerhalb des Unternehmens einzulassen. Doch das wird nicht funktionieren: Wer auch in anderen Dingen solch ein Maß an Glück findet, wird immer seltener die Lust und die Energie aufbringen wollen, für das eigene Glück im Unternehmen jeden Tag hart zu arbeiten. Er wäre dann kein Unternehmer mehr.

Boris Karkowski  

06/11

Zwischen Hinterzimmer und Bühne

Für unsere Titelgeschichte haben wir einen erfahrenen Lobbyisten gefragt, wer die erfolgreichste Lobbyarbeit mache. Seine spontane Antwort: „Die Umweltschützer. Die haben sogar eine eigene Partei gegründet." Man muss diese Meinung nicht teilen - aber sie demonstriert, wie verzerrt die Wahrnehmung von Lobbyarbeit in der deutschen Öffentlichkeit ist: Im Hinterzimmer setzt der Konzernvertreter seine Forderungen und Ausnahmeregelungen durch. Siehe Hotelsteuersenkung.

Auch der Mittelstand hat sich von diesem Klischee anstecken lassen: Er überlässt die Arbeit meist Verbänden und wer selbst erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet hat, möchte seinen Namen lieber nicht in der Presse lesen. Dabei ist Lobbyismus eine Form der aktiven Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess. Und auch wenn Sie nicht mitmachen wollen, Ihr Opponent ist wahrscheinlich längst aktiv.

Es gibt zahlreiche kleine Unternehmen, die sehr erfolgreich politische Weichen in ihrem Sinne gestellt haben. Gerade unter EU-Parlamentariern herrscht eine große Offenheit gegenüber den Belangen der mittelständischen Unternehmen - so dass mancher Konzern jetzt schon den Mittelstand als Partner sucht, um erfolgreicher antichambrieren zu können. Der Mittelstand ist, anders als er gerne klagt, keinesfalls ungehört in Berlin und Brüssel.

Über „die in Berlin" oder „die in Brüssel" kann man sich leicht beschweren - sorgen Sie dafür, dass Ihre Argumente gehört werden. Dazu reicht es selten, wie immer mehr Mittelständler erkennen, sich auf die Arbeit der Verbände mit ihrer heterogenen Mitgliederschaft zu verlassen. Machen Sie sich auf in die Niederungen der Politik (oder engagieren dafür einen Spezialisten)! Wie erfolgreiche Lobbyarbeit auch für Mittelständler funktioniert, lesen Sie ab Seite 12. Sie werden merken: Es ist einfacher und wirkungsvoller als Sie denken. Solange Sie sich nicht für ein einfacheres Steuersystem einsetzen, zumindest.

Boris Karkowski  

05/11

Versorgungssicherheit

Eines der wichtigsten Industrieländer der Welt wird von einer dreifachen Katastrophe heimgesucht - doch die Weltwirtschaft zeigt sich weitgehend unbeeindruckt. Die politischen Implikationen von Fukushima sind hierzulande riesig, wirtschaftlich scheint sich jedoch der Stillstand von Teilen Japans wenig auszuwirken. Der Schein trügt - die Auswirkungen werden wir aber zeitverzögert erst im Sommer zu spüren bekommen. Denn bislang erreichen uns häutig noch die Frachter, die vor Beben, Tsunami und Atomkatastrophe gestartet waren. Was dann?

Hektisch sind die betroffenen Unternehmen dabei, Alternativen zu prüfen. Allerdings mussten unsere Kollegen Michael Dörner und Stefanie Gcrdsmeier für ihre Titelgeschichte "Wenn Lieferketten reißen" (ab Seite 56) lange suchen, bis ein Unternehmer Tacheles redet: Gerade in der Automobilbranche erwischt „Japan“ die Zulieferer auf dem falschen Fuß. Wichtige Teile fehlen, die für das Funktionieren des Ganzen unerlässlich sind. Japan zeigt: Trotz internationalen Sourcings sind unsere Lieferkelten immer fragiler geworden. Just in Time Produktion, knallharter Margendruck und technisch höchste Anforderungen haben die Auswahl derer, die zuliefern, radikal ausgedünnt. Das machte sich in der Krise bemerkbar, als die OEMs ihren finanzschwachen Zulieferern mit verkürzten Zahlungszielen oder besseren Preisen unter die Arme greifen mussten.

Doch es zeigt sich auch jetzt, da die Zulieferer der Nachfrage nicht mehr gerecht werden können. Händeringend suchen die Auto-Großen nach Alternativen. Das Thema geht auch andere Branchen an - muss man sich nicht mit einem "Was soll ich schon groß dagegen machen können?" oder "Wird schon gutgehen" zufrieden geben? Unsere Titelgeschichte zeigt: Mittelständler benötigen dringend ein professionelles Risikomanagement beim Thema Lieferanten. Das hilft nicht in jeder Krise. Aber ist dennoch eine große Hilfe.

Boris Karkowski

PS Schlussspurt zur WACHSEN!2011 am 7. und 8. Juni in Köln. Verpassen Sie nicht Deutschlands wichtigstes Mittelstands-Treffen mit über 40 Praxisvorträgen von Unternehmern für Unternehmer. Alle Infos unter www.marktundmitte/stand.de/ wachsen. Wir freuen uns auf Sie!   

04/11

Deutscher Alleingang

"Kein deutscher Alleingang!", fordern nun die Besitzstandswahrer der Atomenergie. Tatsächlich erscheint ein Abschalten von Kernkraftwerken, wenn nebenan in Frankreich oder Tschechien mindestens ebenso gefährliche Meiler weiterbetrieben werden, erst einmal fragwürdig. Von den steigenden Kosten und einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit - für die Energiekonzerne und die industriellen Verbraucher ganz abgesehen.

Doch Alleingänge sind wichtig. Wer auf die anderen wartet, kommt nur langsam vorwärts. Unternehmer wissen das und treiben notwendige Innovationen ständig voran: Da wird nicht nach den Pferdekutschenbetreibern geschaut, sondern Zeit und Geld in eine zukunftsfähige Technologie investiert. Die Investition in einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien wird sich lohnen, auch wenn er teuer und aufwendig ist; es führt kein Weg daran vorbei. Der Energiebedarf steigt, die Ressourcen sinken, doch die Atomenergie ist keine Antwort: Fukushima wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später in China, Indien, Brasilien oder an irgendeinem anderen Ort wiederholen. Dann werden sich auch Länder von der Kernkraft lossagen, die Deutschland jetzt Panik vorwerfen. Nein, der Weg ist unausweichlich. Wer ihn zuerst und schneller als andere geh t, wird eher am Ziel sein.

Vor allem aber kann er seine Erfahrungen und sein Wissen gewinnbringend einsetzen. Während die französische Wirtschaft dann weiterhin das unattraktive Auslaufmodell Atom international vermarkten muss, können deutsche Unternehmen mit Smart Grids, Kleinkraftwerken, Solartechnologie, Energiespeichersystemen und energieeffizienter Produktion punkten. Alles Know-how und Produkte, di e in Zukunft heiß begehrt sein werden. (Mehr dazu in unserer Titelgeschichte ab Sei te 12.) Das Zicl - schnellerer Aufbau alternativer Energie lohnt sich. Und bietet Deutschland die Chance, rund 140 Jahre nach Erfindung des Automobils technologisch wieder ganz vorne mitzuspielen.

Boris Karkowski  

03/11

Abstrus

Liebe Leserinnen und Leser. diese Ausgabe Markt und Mittelstand ist in mühevoller Kleinarbeit über viele Tage entstanden, während die Redaktion schwer mit den Programm-Schlussarbeiten für unsere WACHSEN!2011 beschäftigt war und abends noch die Familie versorgen musste. Wir können nicht ausschließen, dass sich in diesem Heft mancher Fehler eingeschlichen hat. Es sind immerhin 100 Seiten!

Darum möchten wir uns hier bei allen entschuldigen. die wir mit unserem Blödsinn (zu dem wir weiterhin stehen, obwohl er nicht immer von uns stammt) enttäuscht oder verletzt haben. Aber auch wenn auf bis zu 70 Prozent unserer Seiten schludrig anderswo abgepinnt wurde, werden Sie unserer Meinung sein: Es gibt nun wirklich Wichtigeres als Ehrlichkeit, Originalität und Sorgfalt. zum Beispiel das Superwahljahr 2011.

Wenn es Ihnen zu bunt wird, schicken Sie uns das Heft einfach zurück. Bitte ausreichend frankieren. Ja, endlich hat das anstrengende Selberdenken und Selbermachen ein Ende. Denn wir haben von der Regierung gelernt: Diebstahl geistigen Eigentums ist eine Lappalie. Seien Sie also nachsichtig, wenn Sie auf der nächsten Messe Ihre Produkte am chinesischen Stand entdecken.

Boris Karkowski

 

P.S.: Verzeihen Sie mir den Sarkasmus oben - aber so ganz mag ich noch nicht glauben, welche Signale die Regierung derzeit an die Tüftler und Denker unseres Landes aussendet.  

02/11

Schwer vermittelbar

Viel ist zu lesen, hören und sehen, wie es Arbeitslosen auf dem Amt ergeht. Für niemanden ist der Gang zum Arbeitsamt einfach, oft endet er mit einer frustrierenden Absage. Doch auch viele  Arbeitgeber sind unglücklich über die amtlichen Arbeitsvermittler. Die gesuchten Arbeitskräfte finden sie fast nie. Dabei liegt es seltener an unwilligen oder unfähigen Vermittlern, wie man sie aus den Medien kennt.

Das Problem ist vielmehr strukturell: Die begehrtesten Arbeitskräfte tauchen gar nicht erst in den Datenbanken der Agentur auf. weil sie noch während ihrer Kündigungsfrist eine neue Anstellung finden. Oder die Suchkriterien der Datenbanken entsprechen nicht den Ansprüchen der potentiellen Arbeitgeber. Außerdem werden, wie Joachim Kary und Stefanie Gerdsmeier für unsere Titelgeschichte ab Seite 12 aufgedeckt haben, Arbeitslose "krankgemeldet", damit die Statistik geschönt wird. Allerdings sind dies meist eh die Fälle. die schwer vermittelbar sind. Denn auch wenn es nicht opportun ist: Viele Unternehmer kritisieren, dass das Niveau der durch die Arbeitsagentur vermittelten Bewerber niedrig ist.

Das liegt sicher auch daran, dass die aktiven, attraktiven Bewerber nicht erst auf die Aufforderung durch das Amt warten, sondern selbst rasch aktiv werden. Den „Bewerbungen vom Amt" hingegen sieht man zu häufig an, dass sie vor allem deshalb verfasst wurden, um Leistungskürzungen zu vermeiden. Es gibt keine grundsätzliche Abneigung der Unternehmer gegen das Arbeitsamt. Beim Thema Kurzarbeit waren die Arbeitgeber sehr zufrieden mit der Agentur für Arbeit. Doch bei der Vermittlung setzen viele Unternehmer gar nicht erst auf das Arbeitsamt, sondern begeben sich auf eigene Suchpfade. Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, eine der wichtigsten Herausforderungen im wirtschaftswachsenden Deutschland, wird dadurch leider nicht leichter.  

Boris Karkowski

12/10

Ein Ziel, zwei Motive

Im Unternehmerland Baden-Württemberg könnte der März eine kleine Revolution bringen: Die Grünen könnten, glaubt man den aktuellen Umfragen, die nächste Regierung bilden. Längst sind sie im Bürgertum angekommen. Grünen- Wähler verdienen im Durchschnitt mehr als FDP-Wähler, obwohl die Partei Besserverdienenden gerne ans Portemonnaie geht.

Nur die Unternehmer fremdeln noch: Zu oft geht ihnen bei den Grünen der Umweltschutz auf Kosten der Wirtschaft. Warum werden unternehmerischer Erfolg und Umweltschutz immer noch als Gegensatz wahrgenommen? Beide profitieren voneinander. Angesichts steigender Rohstoffkosten (siehe dazu unsere Titelgeschichte ab Seite 40) sind Ressourcen schonen und Recycling keine öko-Spinnerei, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.

„Der Gewinn liegt im Einkauf" - wer weniger für teure Rohstoffe ausgibt, kann diese Vorteile an den Kunden weitergeben und hat die Nase im Wettbewerb vorne. In Zukunft wird der Vorteil noch größer sein, wenn Rohstoffe wertvoller werden. Da liegen wir gegenüber anderen, beispielsweise aus China, schon vorne. Die Grünen strecken mit ihrem „Green New Deal" dem Mittelstand die Hand entgegen: "Der Umweltschutz soll von eurem Ideenreichtum profitieren, wir fördern dafür umweltfreundliche Technologien."

Das könnte doch der Beginn einer Freundschaft sein. Ist es aber nicht - zu unterschiedlich sind beide Herangehensweisen. Dort die staatsdirigistischen Grünen, hier die Unternehmer mit dem Vertrauen auf den Markt. Auch gibt es außerhalb des Themas Umwelt zu viele Unterschiede. So werden die meisten Unternehmer im März aufatmen, wenn am Wahltag die heiße Luft aus den Umfragen herausgelassen wird.

Boris Karkowski

 

PS Unsere Titelseite "Die Andersmacher" aus dem November hat so stark polarisiert wie nie. Den Titel bewusst auf den Kopf zu stellen, gegen alle Konventionen zu verstoßen, ohne das Ganze aufzulösen - das hatte es noch nicht gegeben ... Ihr habt einen Fehldruck", wiesen uns einige Leser hin. "Das war eine nette Idee", schrieben uns andere. Wir wissen jetzt, was „Andersmacher“ erleben. Aber auch, wie wichtig gute Kommunikation beim Andersrnachen ist.  

11/10

Rechnung ohne Gast

Blenden wir einmal den grundsätzlich ausländerfeindlichen Teil des Meinungsspektrums aus, dann hat die jetzige Migrationsdebatte wenigstens einen Konsens gefunden: Wir brauchen alle sehr gut ausgebildete Migranten. Nur: Wollen die überhaupt zu uns? Wenn Seehofer stammtischlert, dann bleibt das zum Beispiel auch in Indien nicht unbemerkt.

In Online-Leserkommentaren indischer Zeitungen wie The Times of India geht daraufhin das Nazigespenst um. Will die gesuchte Fachkraft ausgerechnet dahin einwandern? Zum Glück (?) zeigte bereits eine Untersuchung des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) aus dem Jahr 2003, dass ausländerfeindliche Töne die Entscheidung, wo frischgebackene indische IT-Akademiker leben und arbeiten wollen, relativ wenig beeinflussen. Allerdings hat dieselbe Studie auch ergeben, dass diese begehrten Immigranten (im Durchschnitt) eigentlich gerne in Indien bleiben möchten. Deutschland liegt im Ranking, wo es die IT-Fachleute hinzieht. auf dem vorletzten Platz.

Die Chancen stehen schlecht, dass Deutschland für Top-Migranten attraktiver wird. Das liegt zum einen daran, dass Länder wie Indien dank eines hohen Wirtschaftswachstums attraktiver für ihre Arbeitselite geworden sind. Zwar liegen die Verdienstmöglichkeiten - das wichtigste Kriterium für die Entscheidung, wohin migriert wird - im Ausland oft noch höher. Doch der IT-Profi ist in Indien relativ gesehen reicher als in Deutschland. Auch im Vergleich zu anderen Migrationskonkurrenten wie die USA können die deutschen Netto-Löhne selten überzeugen.

Und natürlich ist auch unsere Sprache ein Nachteil. Das alles ist nicht leicht abzustellen. Aber auch, was sich nicht verbessern ließe, wurde unterlassen. Beispiel ausländische Universitäten: Nur 16.000 studieren an deutschen Universität(slehrgäng)en im Ausland, davon die Hälfte in Kairo. An angelsächsischen Unis sind es 15 -mal so viele. Unterrichtssprache: englisch. Deutschland wird sich anstrengen müssen, um für qualifizierte Migranten attraktiver zu werden. Gerade einmal 129 der begehrten Fachkräfte, die mehr als 60.000 Euro im Jahr verdienen, sind 2009 nach Deutschland eingewandert. Deutschland hat erkannt: Unsere Ansprüche an Migranten sollten steigen. Doch klar sein muss auch: Wer die Besten will, muss auch ihren Anforderungen genügen.

Boris Karkowski

10/10

Her mit den Arbeitern!

Glaubt eigentlich irgendjemand ernsthaft, dass die Sarrazin-Debatte in eine sachliche Diskussion um das Thema Immigration münden wird? Die aktuelle Debatte zeigt einmal mehr, wie ideologisch Immigrationspolitik in Deutschland war und ist. Ich bezweifle, dass Thesen wie „Immigranten machen Deutschland dümmer" das Bewusstsein dafür scharfen, dass unser Wohlstand künftig mehr als zuvor von Immigration abhängt. Dass wir qualifizierten Immigranten einen roten Teppich ausrollen müssen.

Denn genau darum geht es: Deutschland als Arbeitsmarkt für Ausländer genauso attraktiv zu machen, wie es unsere Produkte schon sind. Doch aus der Politik höre ich dieses klare Bekenntnis zur Arbeitsimmigration nicht, noch immer hallt Rüttgers' unsäglich platte Polemik nach. Wenn junge Fachkräfte rar sind, weil Kinder und Inder fehlen, dann müssen eben die älteren länger arbeiten. Tatsächlich tut sich da in Deutschland einiges: Die Zahl der über 60· Jährigen, die im vergangenen Jahr noch gearbeitet haben, hat sich seit 1999 verdoppelt. Allerdings liegt sie noch immer bei nur rund 40 Prozent - die Mehrheit privatiert schon fünf Jahre vor dem offiziellen Rentenbeginn. Doch die Mehrheitsverhältnisse dürften sich bald umkehren.

Die Abschaffung der Frühverrentung, das Ende des Senioritätsprinzips (die Löhne steigen automatisch mit dem Alter), und Weiterbildungsmaßnahmen werden helfen, die Schere zwischen Lohn und Produktivität zu verkleinern. Doch um sie ganz zu schließen, wird es in vielen Bereichen keine Alternative zu Gehaltskürzungen im Alter geben (siehe unsere Titelgeschichte: Die Zukunft ist grau, ab S. 12 ). Davor scheuen jedoch noch alle zurück. Man darf gespannt sein, wo zuerst Zugeständnisse gemacht werden: Bei der Immigration, bei der Entlohnung älterer Arbeitnehmer - oder beim Wirtschaftswachstum?

Boris Karkowski

09/10

Wer dümpelt hier?

„Deutschland, Dümpelland" hatten wir noch Anfang März. dieses Jahres getitelt. Unsere These: Der Export wird als bisher zuverlässiger Wachstumsmotor in den nächsten Jahren schwächeln, weil vormals starke Importmärkte kriseln werden. Impulse kämen zwar aus den Schwellenländern, doch diese hätten engere Bindungen zu Exporteuren wie China, die billiger produzieren. "Deutschland, Dynamikland" wäre der treffendere Titel gewesen.

Es ist vor allem der Export, der uns Wachstumsraten beschert, wie wir sie lange nicht halten. Lagen wir also mit unserer Prognose da neben? Ja: Wir haben die Flexibilität der deutschen Unternehmen unterschätzt. Zielsicher erschließen sie neue Märkte. Das Festhalten an Fachkräften auch in der Krise, Zurückhaltung bei den Löhnen und konsequentes Hochfahren der Vertriebsaktivitäten machen sich bezahlt.

Ja: Wir haben die Anpassungsgeschwindigkeit der Möchte-gern -Exporteure im Ausland überschätzt. Spanien, Griechenland, Italien, Frankreich, aber auch die USA haben noch einen langen Weg vor sich. Ob sie die Kraft haben, ihn konsequent zu gehen?

Ja: Wir haben die Attraktivität von Made in Germany unterschätzt. Ob „ PisaDebatte", „Service-Wüste", „Technologieverliebtheit" - wir sind gut darin, uns selbst kleinzureden. Unser Ruf ist im Ausland aber viel besser als Binnendebatten vermuten lassen. Darum sind unsere Produkte und Leistungen, auch wenn sie teurer als chinesische sind, in vielen Ländern begehrt. Freuen wir uns, dass wir nicht Recht hatten. Überhören wir die Einwände und Erklärungen wie „Euroschwäche", „gigantisches staatliches Konjunkturprogramm" oder „Starkes Wachstum auf schwacher Basis - wir sind noch weit entfernt von 2007". Blenden wir aus, dass viele Dümpel-Deutschland-Argumente weiter Bestand haben. Es tut gut, dass es jetzt brummt.

Viel Spaß beim Wachsen- wünscht Boris Karkowski - Die nächste WACHSEN! findet am 7. und 8. Juni 2011 statt - ich freue mich wieder auf Sie!  

08/10

Mut; klein und groß

Unser neuer Bundespräsident ist Schirmherr einer Aktion, die sich „Mutmacher der Nation" nennt und „mutige" Unternehmer auszeichnet. Es wäre schön gewesen, die Wahlfrauen und -männer hätten bei ihrer Präsidentenwahl den Mut besessen, den besseren Kandidaten zu wählen, unabhängig von koalitionspolitischem Kalkül (denn nicht die Koalition stand zur Wahl). Doch am 30. Juni siegen wie so oft Kleinmut, Machterhalt, Pöstchensicherheit. Wenn es einer politischen Klasse so offenkundig an Mut mangelt, wie unvorstellbar muss ihr dann erst die Existenz von Großmut sein.

Anders ist schwer zu erklären, wieso Mehrbelastungen der Bestverdienenden vom Sparpaket ausgenommen sind. Traut man den Großverdienern so wenig Großmut zu? Auch wenn die Belastung der Leistungseliten hoch ist: In den vergangenen Jahren profitierten die Reichsten Überproportional von Änderungen wje der Senkung des Spitzensteuersatzes oder der Aussetzung der Vermögenssteuer. Zwar ist der Einkommenssteueranteil der Spitzenverdiener weiterhin sehr hoch - doch dabei wird unterschlagen, dass 2009 nur noch 40,9 Prozent des Gesamtsteueraufkommens (ohne Gemeindesteuern) durch die Einkommenssteuer erhoben werden. Einkommens- und vermögensunabhängige Steuern wie Umsatzsteuer oder Alkoholsteuer tragen den Großteil bei.

Dass jetzt der Wirtschaftsflügel der CDU sagte: Wenn alle ihr Scherflein zur Haushaltskonsolidierung beisteuern sollen, dann nehmt uns nicht aus - das macht Mut. Dürfen wir hoffen, dass auch Gewerkschafter und alle anderen Lobbyisten mit Spar- und Hilfsideen bei sich selbst anfangen? Wie schön wäre es, wenn alle nur noch sagen, was SIE dafür tun, damit die Konsolidierung vorankommt. Doch dazu braucht es Mut und Vertrauen - weil Entgegenkommen ausgenutzt werden könnte.

Und wer soll uns das beibringen, wenn es uns die Politiker am wenigsten vormachen? Genau: Die "Mutmacher der Nation". Oder unser frisch gekürter "Macher des Jahres 20 I 0", LiquiMoly- Unternehmer Ernst Prost ( Porträt ab Seite 10). Er zeigt. was man mit Mut, mit Vertrauen, als Vorbild alles erreichen kann, auch wenn die Zeiten schwierig sind.

Boris Karkowski  

06/10

Ausbildung, Bildungsaus

Roland Koch wird der Politik fehlen. Er war immer für einen Stimmungsmacher gut: Aufreger, gut. So auch sein "Sparvorschlag" bei der Bildung. Jeder Unternehmer weiß, dass mehr Geld nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Und nichts spricht dagegen zu prüfen, ob in der Bildung das Maximumprinzip schon erfüllt wird. Bei der Ausbildung der Pädagogen ließe sich sicher manches verbessern.

Nur: Schon bevor die Steuerschätzungen nach unten korrigiert werden mussten, hätte nichts gegen mehr Effizienz in der Bildung gesprochen . Warum haben das die Ministerpräsidenten, die jetzt plötzlich "weniger ist mehr" propagieren, nicht viel früher umgesetzt und sich entsprechend an den Ergebnissen messen lassen? Vielleicht, weil offenkundig ist, dass bessere Bildung zu einem Großteil „Handarbeit" ist? Intensivere Betreuung in kleinen Klassen und speziellen Lerngruppen - wie es notwendig ist. um zum Beispiel Migranten zu qualifizieren - kostet nun mal. Das Spiel mit der Demographie - lieber bei den Jungen als bei den alten Wählern kümmern - ist brandgefahrlieh.

Schon jetzt leiden Unternehmen unter den Mängeln im Bildungssystem. Mit hohem Aufwand müssen sie nachqualifizieren, um die Defizite auszugleichen. (Wie das geht, erfahren Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 14.) Wer die Bildung vernachlässigt, drängt die Unternehmen bewusst ins Ausland, wo an jungen, motivierten Nachwuchskräften kein Manget herrscht. Denn mit unterqualifizierten Mitarbeitern lässt sich bei der hiesigen Kostensituation kein Unternehmen erhalten.

Wer aber die Zukunft der Arbeitsplätze gefährdet, riskiert, dass das bestehende Sozialsystem vollends zusammenbricht. Das trifft kaum die über SO-Jährigen. die an den Wahlurnen das Sagen haben. Und Politiker denken meist nur bis zur nächsten Wahl. Doch noch stellt sich eine klare Mehrheit der Wähler gegen Streichungen in der Bildung, weil sie um die Notwendigkeit weiß. Was aber, wenn Steuererhöhungen gegen Bildungskürzungen zur Wahl stehen? Wie zukunftsbewusst sind die Wähler dann noch? Denn nicht jeder ist Unternehmer und weiß: Ohne qualifizierte Mitarbeiter gibt es kein Unternehmen. ergo keinen Steuerzahler.   

 

Boris Karkowski

05/10

Die Ohnmacht der 5.000

Mindestens 16-mal hat der Lebensmitte1einzelhandel seit Anfang vergangenen Jahres schon an der Preisschraube gedreht. Meist hat Aldi begonnen, die Konkurrenz  ist stets schnell nachgezogen. Die Lebensmittelhersteller können offenbar nur tatenlos zugucken, wie ihre Margen weiter gedrückt werden. 5.000 Hersteller im Griff VOn 5 Händlern: Das klingt nach einer "Die armen Kleinen gegen die bösen Großen"·Geschichte. Nüchterner betrachtet ist es aber vor allem die Geschichte einer Branche, die zu spät die Zeichen der Zeit erkannt hat (siehe unsere Titelgeschichte ab Seite 14).

Mit tausenden Herstellern allein in Deutschland ist offenkundig, dass die Branche in fast allen Segmenten vollkommen unterkonsolidiert ist. Es gibt kaum einen deutschen Lebensminelherstel1er, der es international in die Top 10 seines Segments schafft; während Konkurrenten aus den USA, Niederlande oder auch Dänemark längst internationale Konzerne und Marken errichtet haben. Das fehlt den allermeisten deutschen Herstellern. Sie sind zu klein und austauschbar, um dem Preisdruck des Handels etwas entgegensetzen zu können.

So ist weniger die derzeitige Klage der Produzenten bemerkenswert, sondern dass sich diese Branchenstruktur so lange behaupten konnte. Das liegt sicherlich daran, dass die Hersteller schon seit langem an einen harten Handelsmarkt - den Discounter Aldi gibt es seit knapp 50 Jahren - bei hohen Qualitätsanforderungen gewöhnt sind. Sie haben ihre Unternehmen und Prozesse laufend optimiert. So günstig bei so guter Qualität wie in Deutschland gibt es Lebensmittel wohl in keinem anderen Industrieland zu kaufen.

Doch die mittelständischen Unternehmen stoßen an Grenzen. Sie können keine Skaleneffekte für sich nutzen, verfügen sehen über starke Marken und Kapital. Nun müssen sie zusehen, wie ausländische Konzerne das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Jetzt müssen auch sie erkennen: Man kann eine Marktkonsolidierung verlangsamen, doch sie ist nicht aufzuhalten. Aber man kann zu den Gewinnern der Konsolidierung gehören - wie das geht, steht auch ab S. 14.

Boris Karkowski

04/10

Punktlandung

 

"Unerwarteter Rückschlag für die deutschen Exporteure", schrieben Zeitungen und Onlinemedien Anfang März. Unerwartet? Nur für die, die die Markt und Mittelstand vom März nicht gelesen hatten. Just einen Wochentag nach Erscheinen unserer Titelgeschichte "Warum uns der Export diesmal nicht reitet" berichtete das Statistische Bundesamt, dass die Januar-Exporte im Vergleich zum Vormonat um 6,3 Prozent geschrumpft sind. Analysten hatten mit einem leichten Plus gerechnet.

Der Export, schwante plötzlich einigen Volkswirten (etwa nach hastiger Lektüre der MuM), werde unsere deutsche Wirtschaft wohl doch nicht aus dem Tal ziehen. Die Politik leider auch nicht. Wer so wenig regiert wie SchwarzGelb, muss sich nicht wundern, wenn sich die Öffentlichkeit vor allem für die Zusammenstellung von Reisegruppen interessiert. Offenbar sind die Koalitionäre vollauf damit beschäftigt, auf jeden neuen Vorschlag aus den Reihen der Anderen einzudreschen.

Besonders die CSU senkt den Daumen über allem, was von der FDP kommt. Die wiederum versteht die Welt nicht mehr - schließlich waren ihre Forderungen auch schon beim Schmieden der „Wunschkoalition" bestens bekannt. Nun hat sich die Koalition verständigt, ihre Dissonanzen nicht mehr öffentlich werden zu lassen. Dennoch geht es nur ganz langsam voran. Mit den Jahren werden Menschen unbeweglicher.

Gilt das auch für Unternehmen? Wir haben bei Firmen, die heuer 100 werden, nachgefragt (ab Seite 14 ). Von Stillstand ist da keine Spur: Sie sind auch deshalb so alt geworden, weil sie stets auf der Höhe der Zeit sind. Nur in Finanzierungsfragen sind sie ganz konservativ: Eine Eigenkapitalquote gut nördlich von 70 Prozent ist keine Seltenheit. Denn wie fanden Forscher heraus: Menschen sterben am Tod, Unternehmen am Kapitalmangel.

 

Boris Karkowski

03/10

Unter Exporteuren

Ein Blick über den nationalen Tellerrand, das wissen wir im Land des Exportvizeweltmeisters, ist nie verkehrt. So offenbart der Blick in angelsächsische Wirtschaftsmedien, dass sich Ökonomen über Deutschland gerade die Haart' raufen: "Deutschland muss endlich anfangen zu konsumieren, um Europa aus der Flaute zu holen. Schwört dem Export ab, verschuldet Euch stärker", fordern sie.

Ein Volkswirt ist kein Kulturanthropologe, darum seien den Kommentatoren solch weltfremde Forderungen verziehen. Denn das können sie nun wirklich nicht von uns verlangen. Haben wir nicht gerade am Beispiel USA gelernt, wohin maßloser Konsum führt? Sehen Wir nicht in Griechenland und Spanien die Folgen ausufernder Staatsverschuldung? So dumm sind wir natürlich nicht. Dabei ist es eigentlich nicht verkehrt, was die Ökonomen fordern. Schließlich muss jemand das importieren, was wir exportieren. Weil aber die bisherigen Oberkonsumenten in Europa und den USA "ausfallen" und selber exportieren wollen, müssen neue Nettoimporteure her.

In Deutschland schwächelt die Binnenkonjunktur seit langem, eine Belebung täte auch uns gut. Und weil der Export - siehe unsere Titelgeschichte ab Seite 14 - für deutsche Unternehmen in den nächsten Jahren schwieriger und unserem Wachstum weniger helfen wird, wäre eine Binnenbelebung sehr erwünscht. Es wird nicht passieren. Wir sind überaltert und haben keinen Raum für Verschuldung und Steuersenkungen. Besser, ein junger, relativ schuldenfreier Staat mit einem gigantischen Binnenmarktpotential, der seit Jahren Handelsüberschüsse anhäuft wie kein zweiter - soll der doch von Export auf Import umschwenken. Er könnte einfach damit anfangen, seine Währung nicht mehr zu manipulieren. Davon hätte die Weltwirtschaft wirklich was. Und wir wären wieder Exportweltmeister.

Boris Karkowski  

02/10

Die Anderen

Es sind nicht nur die Gewerkschaften, die noch immer die Rivalitäten der Vergangenheit beschwören. Auch mancher Unternehmer will nicht glauben, dass das Gefalle zwischen Kapitalist und Arbeiter kaum noch existiert. Doch wie in der Frühphase des Kapitalismus fürchten Schlecker, Lid! & Co eine mündige Belegschaft mehr als den Leibhaftigen.

„Betriebsratsversucht" ist zu Recht das Unwort des Jahres 2009 - so ein Denken passt nicht mehr in die Zeit. Betriebsräte und Manager im Mittelstand haben sich, das wurde gerade in der Wirtschaftskrise deutlich, in den allermeisten Fällen pragmatisch und kompromissbereit gezeigt. Denn sie hatten ein gemeinsames Ziel: den Erhalt des Unternehmens. also den Erhalt von Unternehmerkapital und Arbeitsplätzen. Nur, wo sich Medien und damit oft auch die Politik einmischten, wurde es schnell kompliziert. Siehe Opel. Erfolgreiche Unternehmen hingegen wissen längst: Wenn sie wachsen wollen, müssen Führung und Belegschaft an einem St rang ziehen. Qualifizierte Bewerber werden in Deutschland rar, zugleich steigen die Anforderungen an die Arbeitsqualität. Wer gut ist, kann sich jetzt schon aussuchen, wo er arbeiten möchte. In Zukunft noch mehr.

Lidl hat kaum darunter gelitten, wenn Kassiererinnen unglücklich sind; den Kunden interessiert das letztlieh kaum. Aber welche Führungskraft möchte schon in einem solchen Haus arbeiten? Wer eine miese Unternehmenskultur hat, muss mit Ober-Löhnen lockenwelch ein Wettbewerbsnachteil. Schlecker kämpft mit Problemen, während die dm-Drogerien weiter wachsen. Es gibt Unternehmen, die haben trotz Despotismus, miesem Image und hoher Fluktuation Erfolg. Doch das zu schaffen, ist sooooo viel anstrengender.   

 

Boris Karkowski

12/09

Die Saat des Bösen

Ja, Herrschaftszeiten, haben die denn gar nichts dazugelernt? Es ist mal wieder Bonussaison in den Banken, und wieder geht es um Abermillionen. Wann wird da eine Grenze gezogen? Es geht nicht allein um die Frage nach „moralischen" Einkommen oder dem Nexus von Chance und Risiko. Mit ihren derzeitigen Anreizsystemen säen Banken die nächste Finanzkrise.

Denn systematisch werden Egoismus, Selbstbereicherung, Maßlosigkeit honoriert. Alles Eigenschaften, die Psychopathen auszeichnen. Gemeint sind nicht die Axtschwinger aus dem Horrorfilm, sondern die "smarten" Psychopathen. Die mit ihrem Charme, ihrer Gefühlskälte, ihrem Streben nach ganz oben genau die Richtigen zu sein scheinen in einem immer härteren Wettbewerb und in Unternehmen, die sich stets neu erfinden müssen. Die aber mit ihrer grenzenlosen Eigennutzmaximierung am Ende das Ganze ruinieren können. Weil sie, wissen Psychologen, nicht an die Konsequenzen für andere denken; weil ihre Gier keine Grenzen kennt; weil sie unfähig sind, eigene Fehler zu erkennen. Mancher Top-Manager erscheint durch irritierende Aussagen dem Rest der Bevölkerung entschwebt.

Wahr ist: Er hatte wohl nie Bodenhaftung. Psychos werden Empathie bestenfalls simulieren können. Gut zureden hilft nicht, bestrafen auch nicht. Man sollte darum versuchen, sie von Verantwortung fernzuhalten. Indem Unternehmen und Banken Anreizsysteme schaffen, die Psychopathen nicht anziehen. Dazu gehören: Nachhaltigkeit und Teamarbeit honorieren. Nicht-monetäre Anreize schaffen, die gute Leute anziehen. Feedback-Systeme einführen. Denn das alles interessiert Psychopathen nicht. Sie wollen vor allem Macht und Geld - kurz: Millionenboni. Es geht nicht darum, Gehälter zu deckeln oder gute Leute mit schönen Worten zu entlohnen, sondern Top-Leute zu holen, die dem Unternehmen weiterhelfen und es nicht zerstören.

Wer jetzt glaubt, Psychopathen seien nur ein Problem der Finanzbranche, irrt. Gerade junge, dynamische Wachstumsunternehmen ziehen Psychos an. Darum sagen wir Ihnen in unserer aktuellen Titelgeschichte ab Seite 14 ganz ausführlich, wie man Psychopathen erkennt, los wird und gar nicht erst anzieht.

Boris Karkowski

PS: Viel Lob, aber auch ein bisschen Kritik haben wir für den MuM-Relaunch bekommen. Herzlichen Dank dafür. Wichtigster Kritikpunkt: Macht doch bitte die Schrift größer. Das haben wir in diesem Heft gleich umgesetzt. Feedback lohnt sich also. Unsere, nein: Ihre MuM wird dadurch nur besser.  

11/09

Auf zu neuen Märkten!

Das nennt man wohl perfektes Timing. Just, als wir mit den Recherchen zu unserer Titelgeschichte „Tschüss, Flaute" begannen, lief die Meldung vom Exportrückgang im dritten Quartal über die Ticker. Mit diesem Rückschlag hatte niemand gerechnet. Das war Wasser auf die Mühlen der Experten und Politiker, die die starke Exportorientierung unserer Wirtschaft schon in den letzten Monaten gegeißelt hatten. Und ausgerechnet jetzt wollen wir eine Geschichte machen: "Steigert Euren Export!"?

Doch, ausgerechnet jetzt. Denn im Export liegt die Zukunft unserer Wirtschaft. Was sollen wir vom Binnenmarkt auch erwarten? Die meisten Märkte sind zwanzig Jahre nach dem Mauerfall gesättigt, die Bevölkerung schrumpft, mehr Geld muss für den Schuldenabbau aufgebracht werden und fehlt für Investitionen. Kein Wunder, dass der deutschen Wirtschaft auf Jahre ein mageres Wachstum prognostiziert wird.

In anderen Märkten - China! Indien! Indonesien! - boomt die Wirtschaft längst weiter/wieder. Die Experten streiten, ob Chinas Wirtschaft aktuell um 9 oder in Wirklichkeit um 11 Prozent gewachsen ist. Da ist Musik drin. Die große Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen bleibt trotzdem hier in der Heimat. Das ist verständlich, weil vielen das Knowhow für fremde Märkte fehlt. Mittelständler, die jedoch neue Wachstumsmärkte im Ausland erschlossen haben, wurden oft mit außerordentlichen Zuwächsen belohnt. Man muss nicht gleich das Wagnis eines Joint Ventures oder einer eigenen Produktion in der Ferne eingehen. um vom Wachstum anderer Märkte zu profitieren.

Wie Sie Ihren Export als Mittelständler steigern, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 70. Oder wollen Sie Ihre Produkte und Leistungen anderen Ländern wirklich vorenthalten.

Boris Karkowski   

10/09

Boris Karkowski, Chefredakteur

Alles neu macht der Oktober

 

Es war ja nicht mehr auszuhalten: In den letzten Monaten verging kein Beratervortrag ohne die Kalenderblattweisheit "In der Krise liegt die Chance~. Tatsächlich war die Krise eine Chance - vor allem für abgehalfterte Berater und Banker. Die verdienten ihr Geld nun als Restrukturierungsberater. Viele von denen wollen nicht glauben, dass das jetzt schon alles gewesen sein könnte mit der Krise. Die Rezession hole nur Luft für einen zweiten Anlauf, versichern sie uns. Doch ihre Argumente werden schwächer, die Zeichen stehen auf Erholung.

Die Krise hat uns kalt erwischt, nun erwischt viele ihr Ende kalt. Die zweite Kältewelle kommt, wenn die Wirtschaft wieder wächst, aber Unternehmen darauf nicht vorbereitet sind. Profis raten daher: Schnell Markt und Mittelstand lesen! Denn wir haben MuM noch besser gemacht, noch näher an der unternehmerischen Praxis. Statt Berater-Könntemüsstesollte finden Sie ganz konkrete Tipps, die Ihr Unternehmen stark machen. Und wo wir gerade dabei waren, haben wir das Layout aufgefrischt lind aufgeräumt. Da kann der Aufschwung kommen.

Boris Karkowski

PS: Schade, dass ich diesen Witz erst heute, einen Monat nach unserer Titelgeschichte mit Märchentante Angela Merkel, gehört habe: Angela Merkel ist gestorben, aber sie hat Glück: ,Du darfst Dir Hölle und Himmel anschauen und dann wählen, wohin Du willst', sagt ein Engel. Sie fahren zur Hölle, und Merkel sieht dort alte Freunde, die sich beim opulenten Mahl oder am Swimmingpool amüsieren. Danach geht 's in den Himmel: Harfenklänge, Entspannung. ,Und“, fragt der Engel 3m nächsten Tag „wohin willst du?“ - ,In die Hölle, da ist mehr los: Sogleich ziehen zwei Arme sie hinein. Doch in der Hölle gibt es nur noch heiße Wüste, alle müssen in Lumpen Dreck aufsammeln. Was ist denn mit Pool und Party passiert?', fragt Merkel. Der Teufel grinst: „Das war vor der Wahl, Angie. Jetzt ist nach der Wahl.“

Hier kommen später Inhalte

...die Seite ist mom. unter Bearbeitung, vielen Dank für das Verständnis.

Restrukturierung 2012

Expertenwissen rund um operative, strategische und finanzielle Restrukturierung, M&A und Krisenkommunikation. Mehr...

Veranstaltung: Die Kraft der Marke

Die Marke ist ein wichtiges Werkzeug für den Geschäftserfolg. Darüber, wie erfolgreiche Markenarbeit funktioniert, herrscht jedoch gerade im Mittelstand große Unsicherheit. Wie Mittelständler Marke erfolgreich einsetzen, erfahren sie am 24. Mai in Berlin beim Forum  "B2B-Marke als Führungsinstrument" des Instituts für Markenkommunikation (IMK). Weitere Infos >>

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Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) ist da. Doch was heißt das für die Beteiligten? Die bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp und Markt und Mittelstand-Research haben die Betroffenen im Rahmen einer Studie befragt: Während Gerichte steigende Anforderungen befürchten, erwarten die Gläubiger eine deutliche Veränderung der Sanierungskultur. Mehr »

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