Jahresrückblick 2011
Fachkräftemangel
30 Milliarden Euro gehen mittelständischen Unternehmen wegen des Fachkräftemangels verloren, meldete die Unternehmensberatung Ernst & Young mit dem Mittelstandsbarometer im Januar. Bereits drei von vier Unternehmen hätten demnach Schwierigkeiten offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen. „Der aktuelle Mangel an Fachkräften ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir in zehn Jahren erleben werden“, sagte Ernst & Young-Mittelstandexperte Peter Englisch. Er warnt davor das Problem zu unterschätzen.
Problem noch nicht angekommen?
Tatsächlich schien das Problem in der Mitte des Jahres im Mittelstand noch nicht angekommen zu sein. Die Studienergebnisse häuften sich, dass der Fachkräftemangel bei mittelständischen Unternehmen die die schwerwiegendste Herausforderung sei. Nur 1 Prozent der der mittelständischen Unternehmen sehen die Deckung des Fachkräftebedarfs bis 2012 als zentrale unternehmerische Herausforderung an und planen Maßnahmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse auf Basis des KfW-Mittelstandspanels.
Zwar ein Viertel der Mittelständler erwarten in den Jahren 2010 bis 2012 Stellenbesetzungsschwierigkeiten, aber das Problem übt nur bei einem sehr geringen Teil der Unternehmen Druck aus. Selbst bei Unternehmen, die explizit angeben, Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften zu haben, beträgt dieser Anteil nur 3 Prozent.
Mittel gegen Fachkräftemangel
Unternehmen können dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem sie systematisch ihre vorhandenen Fachkräfte ausschöpfen. Bis zum Jahr 2025 könnten durch eine höhere Frauenquote und die längere Arbeitszeit von älteren Mitarbeitern 3,2 Millionen Fachkräfte gewonnen werden. Durch Zuwanderung ließe sich die Lücke um weitere 800.000 Fachkräfte verkleinern.
Die Unternehmen haben 2011 fleißig Personal gesucht. Über die Hälfte aller Unternehmen waren bereit Mitarbeiter einzustellen, wie eine Studie von Kienbaum ergab. 2010 hatte gerade einmal ein Viertel der befragten Unternehmen angegeben, ihre Beschäftigungszahl erhöhen zu wollen. Grund hierfür war die positive Geschäftsentwicklung vieler Firmen in Deutschland.
Mehr als zwei Drittel der Unternehmen können jedoch bis zu 25 Prozent der Wunschkandidaten aus dem Fachkräftenachwuchs nicht für sich gewinnen. Das ergab die Studie High Potentials 2010/2011 von Kienbaum. Um im Kampf um die Spitzenkräfte die Nase vorn zu haben, bieten Unternehmen dem Top-Nachwuchs Vorzüge: 71 Prozent der Firmen bieten interne Weiterbildungsmöglichkeiten an, 68 Prozent wollen High Potentials mit Fachtrainings bekommen.
Lösung 1: Weiterbildung, um Fachkräfte und geeignete Auszubildende zu finden und ältere Arbeitnehmer länger zu halten
Weiterbildungsmaßnahmen sind eine gute Taktik Stammpersonal zu halten. 62 Prozent der Arbeitnehmer geben an, dass die Anforderungen in ihrem Job im vergangenen Jahr zugenommen haben. Das ergab eine Umfrage für das Randstad Arbeitsbarometer. 18 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich überfordert.
Die Erwartungen an Arbeitnehmer steigen. 58 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Tätigkeit jetzt mehr Qualifizierung und Training erfordert als je zuvor. Arbeitnehmer sind grundsätzlich bereit sich dafür weiterzubilden. „Aber nur 60 Prozent fühlen sich dabei in ausreichendem Maße vom Arbeitgeber unterstützt”, sagte Petra Timm, Sprecherin von Randstad Deutschland
Lösung 2: Arbeitskräfte aus dem Ausland
Am 1. Mai 2011 startete die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Seit diesem Tag haben Staatsbürger Estlands, Lettlands, Litauens, Polens, der Slowakei, Sloweniens, der Tschechischen Republik und Ungarns freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Die Hoffnungen der Unternehmer waren groß, aber schon im April dämpften Experten die Erwartungen: „Der Massenansturm aus osteuropäischen Ländern werde ausbleiben“, sagte Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), gegenüber der Nachrichtenagentur dapd. Die Marktöffnung wird nicht das Problem des Fachkräftemangels in Deutschland lösen. Und so war es auch, auch wenn einige Unternehmer noch an Pilotprojekten hängen, um Arbeitskräfte aus Osteuropa einzubinden .
Lösung 3: Frauen integrieren
2011 war das Jahr der Diskussion um die Frauenquote. Mittelständler sind dabei schon weiter als Dax-Konzerne: Bei fast jedem fünften mittelständischen Unternehmen in Deutschland (18,9 Prozent) sitzt mindestens eine Frau in der Chefetage. Das zeigt eine Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung. In Dax-Unternehmen sind es nur 10 Prozent, in Unternehmen mit der Bilanzsumme von über 1 Milliarde Euro 13,9 Prozent. Dennoch kommt die Diskussion um die Frauenquote auch in mittelständischen Unternehmen immer wieder hoch.
Lösung 4: Ausbildungsplätze
Unternehmen fällt es immer schwerer ihre Lehrstellen zu besetzen. Der DIHK rechnet über alle Wirtschaftsbereiche hinweg damit, dass zum Jahresende 75.000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Die Auswirkungen der Demografie zeigen sich besonders deutlich in Ostdeutschland. Dort hätten 2011 rund 8 Prozent weniger Jugendliche die Schulen verlassen als 2010. Ergebnis: Ein Rückgang der aktuellen Vertragszahlen um gut 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau.Die Lösung: Unternehmen müssen zusätzliche Anreize, wie zum Beispiel extra Führerschein, extra Lehrgänge, schaffen, um geeignete Azubis zu bekommen.
Die Lage ist ernst. „Uns geht nicht die Arbeit aus, sondern die Arbeitskräfte“, sagte Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen. 6,5 Millionen Arbeitskräfte werden einer Berechnung des Beratungshauses McKinsey zufolge dem deutschen Arbeitsmarkt bis 2025 fehlen.
Bildquelle: Paul-Georg Meister GmbH