Freitag, 03.01.2014
Die Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit ist für junge Akademiker das Top-Karriereziel.

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Die Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit ist für junge Akademiker das Top-Karriereziel.

Personal
Mittelständische Arbeitgeber können punkten

Arbeitgeberwahl: Work-Life-Balance wird immer wichtiger

Junge Akademiker fordern von ihrem Arbeitgeber Jobsicherheit und die Respektierung ihrer arbeitsfreien Zeit. Mittelständler können punkten, wenn sie ihr Unternehmen besser vermarkten.

Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit hat für junge Beschäftigte oberste Priorität. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Universum Communications. Wichtig ist jungen Akademikern, Young Professionals, außerdem ein attraktives Grundgehalt, eine sichere Anstellung und ein freundliches Arbeitsumfeld. Auch der Anspruch ihrer Tätigkeit und die Vielfalt der damit verbundenen Aufgaben spielen für sie bei der Wahl ihres Arbeitgebers eine zentrale Rolle. Auf die Anerkennung für ihre Leistungen wollen sie nicht verzichten. Welcher Wunsch bei den jungen Beschäftigten im Vordergrund steht, hängt von der Fachrichtung ihrer Ausbildung ab.

Work-Life-Balance unter Naturwissenschaftlern besonders gefragt

Unter den Befragten mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund ist der Wunsch nach dem Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, der Work-Life-Balance, besonders groß. 72 Prozent nannten sie als eines ihrer drei wichtigsten Karriereziele. Auch unter jungen Akademikern aus den Bereichen Wirtschaft und Ingenieurwesen sowie unter den IT-lern hat die Work-Life-Balance Priorität.
Arbeitgeber, die diesen Wunsch der jungen Arbeitnehmer ignorieren, machen laut Stefan Lake von Universum Communications einen großen Fehler. „Anrufen oder Mailen während der Freizeit sollte nur dann stattfinden, wenn es wirklich notwendig ist”, rät er Arbeitgebern. Die Störungen würden in diesem Fall von Angestellten durchaus toleriert. Sich die Work-Life-Balance nur  auf die Fahne zu schreiben, reiche dagegen nicht.

Mittelstandsverbund gegen ständige Erreichbarkeit

Der Mittelstandsverbund kritisiert die pausenlose Erreichbarkeit des Arbeitnehmers. Ein Sprecher des Verbundes betonte hinsichtlich der Nutzung von Smartphones im Unternehmen aber auch: „Auf der anderen Seite machen sie eine flexible Gestaltung von Arbeit, zum Beispiel das Home Office, erst möglich.“ Unternehmer und Mitarbeiter sollten mit den Möglichkeiten, die Smartphones und ähnliche mobile Endgeräte böten, verantwortungsvoll umgehen. „Das bedeutet, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern notwendige Ruhezeiten einräumen. Jedes Handy hat auch einen Knopf zum Ausschalten.“
Die Bedeutung der Work-Life-Balance hat unter jungen Berufstätigen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Im Jahr 2009 war sie für 48 Prozent der Befragten der Studien von Universum Communications Top-Karriereziel. 2010 waren es 52 Prozent, 60 Prozent in 2012 und 63 Prozent im Jahr 2013. Unter Studierenden ist die Entwicklung der Ergebnisse ähnlich, jedoch auf einem niedrigeren Niveau als bei den jungen Berufstätigen (51 Prozent). Eine mögliche Erklärung sieht Unternehmensberater Lake in der „Familiengründung“. Dieses Thema rücke erst im Alter von rund 30 Jahren ins Visier der jungen Angestellten. „Dann wird für sie die Frage immer drängender, wie sich Familie oder Freizeit mit dem Beruf vereinbaren lassen.“

Unternehmensberater: Mittelstand bietet höhere Jobsicherheit

Der Wunsch nach Jobsicherheit und -konstanz wird für junge akademische Berufstätige immer wichtiger. Für 51 Prozent hat dieser Aspekt Priorität bei der Arbeitgeberwahl. „Hier zeigt sich, dass die Finanzkrise die jungen Talente nachhaltig erschüttert hat”, erklärte Unternehmensberater Lake. Die jungen Akademiker fürchteten Massenentlassungen im eigenen Betrieb.
Im Mittelstand hat es diese laut Lake kaum gegeben. „Die jungen Talente honorieren diese Sicherheit und sind heute durchaus bereit, auch mal weniger attraktive Standorte in Kauf zu nehmen.” Davon können Mittelständler profitieren. Gebrauch machten sie davon jedoch kaum. Den Grund dafür sieht Lake darin, dass die Maxime „Mitarbeiterhalten” für mittelständische Arbeitgeber zum Unternehmenscredo gehöre. „Dabei ist dies keineswegs selbstverständlich.”

Wunsch nach Home-Office wird überbewertet

Volles Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist Grundvoraussetzung für den Erfolg vom Home Office.

Volles Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist Grundvoraussetzung für den Erfolg vom Home Office.

Die allgemein angenommene zunehmende Beliebtheit der Arbeit von zu Hause im Home-Offices wird laut den Studienergebnissen überbewertet. “Der Wunsch nach dem Arbeiten im Home Office ist zwar vorhanden, aber es ist kein zentraler Wunsch”, erklärte Lake. “Unternehmen sollten hier nicht aufs falsche Pferd setzen, sondern sich genau ansehen, was für die Mitarbeiter wirklich wichtig ist.”
Laut Mittelstandsverbund bietet sich die Arbeit im Home-Office nur in längeren Beschäftigungsverhältnissen an. „Wenn ein Mitarbeiter neu in ein Unternehmen einsteigt, ist eine Home-Office-Tätigkeit für beide Seiten nicht zu empfehlen“, teilte ein Sprecher mit. „Unternehmen und Mitarbeiter müssen sich erst einmal kennenlernen.“ Wenn ein Mitarbeiter bereits längere Zeit in einem Unternehmen tätig gewesen sei und etwa wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Flexibilisierung fordere, sollten Unternehmen diesem Wunsch aber entgegen kommen.

Home-Office verlangt klare Absprachen

Die Erfolgsaussichten für die berufliche Arbeit zu Hause hängen auch von der Branche des Betriebs ab. „Es gibt bestimmte Berufe, bei denen die Arbeit aus dem Home-Office schwer zu realisieren ist“, argumentierte der Mittelstandverbund. „Tätigkeiten im Bereich Produktion oder Logistik sind beispielsweise wenig geeignet. Für Beschäftigungen mit einem Verwaltungs- oder Büroanteil kann das Home-Office hingegen eine Option sein.“
Eine klare Absprache zwischen Arbeitgeber und Angestellten sei Grundvoraussetzung. „Der Arbeitsplatz im Home-Office muss zudem bestimmten Anforderungen genügen“, sagte ein Sprecher des Mittelstandsverbunds. Dazu zähle nicht nur, dass der Arbeitsplatz zu Hause tatsächlich vorhanden sei, sondern dass er auch die entsprechende technische Einrichtung habe und der Mitarbeiter erreichbar sei. Datenschutzrechtliche Fragen und der Umgang mit Unternehmensinterna müssten geklärt sein.

Informatiker setzen auf Karriere im Mittelstand

Mittelständler sollten sich genau ansehen, bei welchen Zielgruppen sie die besten Chancen als Arbeitgeber haben. Eine wichtige Erkenntnis: Bei Frauen ist der Mittelstand besonders gefragt. Interessante Unterschiede bezüglich der favorisierten Unternehmensgröße gibt es auch zwischen den verschiedenen Studienrichtungen. Während angehende Ökonomen und Ingenieure laut Studien von Universum Communications großen Unternehmen den Vorzug geben, setzen Informatiker, Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler und Juristen auf eine Karriere im Mittelstand. Letztere seien es auch, denen das angenehme Arbeitsumfeld wichtiger ist als ein möglichst hohes Gehalt.

Employer Branding: Zielgruppen direkt ansprechen

Mittelständler müssen die Vermarktung ihres eigenen Betriebes gegenüber potenziellen Arbeitnehmern genau auf ihre Zielgruppe zuschneiden. Ihr Employer Branding kann sich etwa gezielt an Frauen oder auf Absolventen bisher kaum beachteter Studiengänge richten. Noch fehlendes Wissen könnten Mittelständler jungen Beschäftigten in einem Trainee-Programm vermitteln, riet Lake.

Mittelständler brauchen besseres Selbstmarketing

Arbeitgeberwahl: Mittelständler müssen sich besser verkaufen.

Arbeitgeberwahl: Mittelständler müssen sich besser verkaufen.

Mittelständlern fällt es laut Unternehmensberater Lake oft schwer, junge Akademiker auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. Oft ist es mittelständischen Unternehmern auch zu aufwendig oder sie halten es für aussichtslos, sich gegenüber großen Konzernen behaupten zu können. „Sie denken, der Aufbau einer echten Arbeitgebermarke würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, zu viel kosten", argumentierte Lake. "Dabei ist es gerade für mittelständische Unternehmen wichtig, eine starke Positionierung als Arbeitgeber zu haben, wenn sie Talente ansprechen und halten wollen."
Diese Ansicht teilt der Mittelstandsverbund. In gefragten Fachbereichen könnten Fachkräfte mittlerweile unter zahlreichen Arbeitgebern wählen. „Deswegen ist es auch für mittelständische Unternehmen essentiell, als potentieller Arbeitgeber interessant zu sein und gute Mitarbeiter zu halten“, teilte der Zentralverband mit. „Ein wichtiger Aspekt, warum eine Tätigkeit in mittelständischen Unternehmen für junge Akademiker spannend ist, ist die Möglichkeit schnell Verantwortung zu übernehmen und aktiv gestalten zu können.“
Hinsichtlich der geforderten Jobsicherheit junger Beschäftigter äußerte sich der Verband skeptischer als Unternehmensberater Lake. „Der Grad der Sicherheit eines Arbeitsplatzes hängt nicht von der Größe des Unternehmens ab“, lautete die Einschätzung.