Dienstag, 05.09.2017
Zueinander gefunden – und dann? Das bayerische Innenministerium macht Mittelständlern und Flüchtlingen bewusst das Leben schwer.

Foto: Minerva Studio/Thinkstock/Getty Images

Zueinander gefunden – und dann? Das bayerische Innenministerium macht Mittelständlern und Flüchtlingen bewusst das Leben schwer.

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Azubi-Mangel in Bayern: Eine Lose-lose-Situation

Die bayerische Landesregierung macht es Betrieben und Flüchtlingen bewusst schwer, auf dem Arbeitsmarkt zusammenzufinden. Das ist nicht nur unsolidarisch, sondern schadet auch der Wirtschaft. Ein Kommentar von Matthias Schmidt.

Auch nach Beginn des Ausbildungsjahres sind noch Zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Suche nach einem Azubi kann aus mehreren Gründen scheitern: Manche Jobs haben bei jungen Menschen keinen guten Ruf. Und manche jungen Menschen sind trotz Schulabschluss nicht wirklich reif für eine Ausbildung.

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Manchmal liegt es aber auch an der Politik, dass Betriebe und potentielle Azubis nicht zusammenfinden. So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) von mehreren Fällen in Bayern, in denen Unternehmen Flüchtlinge als Auszubildende einstellen wollten. Junge Menschen, die sich integrieren wollen, die Deutsch sprechen und im örtlichen Fußballverein spielen. Die gern arbeiten würden, es aber nicht dürfen – und die deshalb vom Staat (und damit vom Steuerzahler) versorgt werden müssen.

Weltfremd

Wollen Unternehmen Asylbewerber einstellen, muss in den meisten Fällen erst einmal eine Genehmigung eingeholt werden. Wie oft diese erteilt wird (oder eben nicht), darüber gibt es keine Statistiken. Dass die Unternehmen in ganz Deutschland oft lange warten müssen, zeigen nicht nur die SZ-Recherchen, sondern auch ein Fall aus Hamburg, über den „Markt und Mittelstand“ Ende vergangenen Jahres berichtete. Auch dort konnte ein junger Flüchtling nur aufgrund der Hartnäckigkeit seines Chefs eine Ausbildung anfangen.

Laut SZ macht Bayern es den Unternehmen und den Flüchtlingen allerdings besonders schwer – und zwar mit voller Absicht. Das Innenministerium wolle abschrecken, um keinen „Pull-Faktor“ zu schaffen, schreibt die Zeitung. Innenminister Herrmann wolle verhindern, dass die Aussicht auf Arbeit mehr Asylbewerber in den Freistaat lockt.

Eine solche Einstellung ist nicht nur unsolidarisch gegenüber anderen Bundesländern. Sie ist auch weltfremd – und schadet der einheimischen Wirtschaft. Die wenigsten Flüchtlinge werden nach Bayern ziehen, ohne sicher zu sein, dort auch arbeiten zu können. Viele dürfen das Bundesland, in dem sie untergebracht sind, ohnehin nicht verlassen – behördliche „Wohnsitzauflagen“ verhindern dies. Das Ergebnis: vom Staat zur Untätigkeit verdammte Flüchtlinge auf der einen und Unternehmen auf der vergeblichen Suche nach Auszubildenden auf der anderen Seite. Kurz: Eine Lose-lose-Situation.

Info

Was zu beachten ist, wenn man Flüchtlinge einstellen möchte, treibt derzeit viele Unternehmer um. Wir haben die wichtigsten Infos gesammelt - und berichten, wie sich Theorie und Praxis unterscheiden. Hier finden Sie eine Übersicht über unseren Themenschwerpunkt "Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt".