Mittwoch, 09.04.2014
Immer erreichbar: digitaler Arbeitsschutz soll Arbeitnehmer vor Dauerbelastung bewahren.

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Immer erreichbar: digitaler Arbeitsschutz soll Arbeitnehmer vor Dauerbelastung bewahren.

Personal
Gesunder Medieneinsatz gefordert

Digitaler Arbeitsschutz

Welcher Personalverantwortliche kennt es nicht? Immer öfter melden sich Mitarbeiter wegen psychischer Erkrankungen krank. Oft heißt die Diagnose Burn-out, die Ursache Stress – verursacht auch durch die ständige Erreichbarkeit. Für die Unternehmen bedeutet das oft lange Fehlzeiten.

„Digitaler Arbeitsschutz“ heißt das Rezept, das Heilung verspricht. Es geht dabei darum, den digitalen Medieneinsatz zwar zu nutzen, aber auch zu hinterfragen. Der wachsende Einsatz von Smart Phones lässt die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben schwinden. Die ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern auch durch Vorgesetzte und Kollegen verursacht Druck und Stress.

Konzept für digitalen Arbeitsschutz

Wo es dem einzelnen Arbeitnehmer aber nicht gelingt, sich abzugrenzen, wo Vorgesetzte die ständige Erreichbarkeit einfordern, scheint es ohne Regulierung nicht zu gehen. In diesem Sinne haben der TÜV Rheinland und das Slow Media Institut das Prüfzeichen „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ um eine wesentliche Komponente ergänzt. Geprüft und zertifiziert wird nun auch der digitale Arbeitsschutz.

Die Anforderungen sind hoch – ein Umdenken ist erforderlich: Denn Lippenbekenntnisse reichen nicht. Es bedarf stattdessen eines Konzepts für den „gesunden Medieneinsatz“ und das muss auch gelebt werden. Klare und dokumentierte Regeln zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit müssen vorhanden sein. Ein grundsätzliches Verbot der Erreichbarkeit per Email oder Handy am Wochenende etwa, verbunden mit klar definierten Ausnahmeregelungen und einem entsprechenden Zeitausgleich,  können Bausteine eines solchen Konzepts sein.

Verantwortung der Unternehmensführung

Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung eines Konzepts für digitalen Arbeitsschutz ist die Einbindung von Führung und Mitarbeitern. Denn oft setzt die gefühlte Abhängigkeit von Vorgesetzten Mitarbeiter besonders unter Druck, wenn nach Dienstschluss Emails eintreffen. Das Slow Media Institut, das interdisziplinäre Forschung und Beratung zum digitalen Wandel betreibt, identifiziert drei Ebenen, deren konstruktives Zusammenspiel erforderlich ist, um eine verantwortliche Mediennutzer-Haltung zu erreichen. Das individuelle Nutzungsverhalten ist der erste Ansatzpunkt; die Stichworte lauten Filtern, Auswählen und Fokussieren. Im Team ist die Organisation der Arbeitsabläufe entscheidend für eine verantwortliche Nutzung der digitalen Medien.

Drittens schließlich ist die Unternehmensführung gefragt. Sie sollte Rahmenbedingungen schaffen, die den Arbeitnehmern – und natürlich der Unternehmensführung selbst – ermöglicht, verantwortungsvoll mit den digitalen Medien umzugehen.

Das Thema digitaler Arbeitsschutz ist in diesem Sinne auch Teil der Fürsorgepflicht der Unternehmen ihren Mitarbeitern gegenüber – eine Verantwortung, die oft dem Mittelstand in besonderer Form zugeschrieben wird.