Donnerstag, 25.07.2013
Personal
Anforderungsprofil Führungskräfte

Führungskräfte-Skills im Check

Die klassischen Führungskräfte mit starkem Willen und gut ausgebildetem Fachwissen sind heute deutlich weniger gefragt, sagen auch führende Mittelständler. Vielmehr wollen sie offene und sensible Führungskräfte – sagt eine Studie. Ein Mythos oder sind wir mitten im Wandel, wir fragen Expertinnen für den Mittelstand.

Für Unternehmen rückt die Persönlichkeit ihrer Führungskräfte immer mehr in den Vordergrund. Das ergab die Boyden-Studie „Recruiting 2020“, die 673 Führungskräfte aus verschiedenen Branchen befragt hat, mit dabei waren auch führende Mittelständler. 87 Prozent der Befragten gaben an, dass sie von Führungskräften Soft-Skills wie Offenheit und Sensibilität erwarten, 82 Prozent war Anpassungsfähigkeit wichtig. Lediglich 56 Prozent erwarteten eine internationale Erfahrung, trotz Exportorientierung. Vielmehr wurde erwartet, dass sich Führungskräfte an die Gegebenheiten im Ausland anpassen können.

 

Das sagen die Expertinnen

„Soft-Skills sind viel wichtiger geworden als früher“, erzählt Judith Röder, stellvertretende Geschäftsführerin des Mittelstandverbunds. Die Führungskräfte im Mittelstand müssen mehr Anreize schaffen, es gibt Fachkräftemangel und Konkurrenz, also muss Motivation für den Job geschaffen werden, dabei ist  die Kommunikation mit und das Einbinden der Mitarbeiter essentiell. Und auch das Positionieren in und das Interesse an der Region sei wichtig: „Dazu gehört heute eben auch, dass der Bäckermeister der Kindergartengruppe die Bäckerstube zeigt.“

In der Frage nach zunehmenden Anforderungen von Soft-Skills bei Führungskräften gehen die Expertenmeinungen allerdings auseinander. „Das ist ein Mythos“, sagt Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung. „Die Bedeutungszunahme der Soft-Skills hört sich schön an“, hebt Kay hervor, „aber im Großen in der Praxis gibt es doch kaum Hinweise dafür. Das Führungsverhalten hat sich nicht nennenswert geändert, und letzten Endes werden die Führungskräfte immer noch an den erwirtschafteten Zahlen gemessen.“

 

Anreize für Führungskräfte

Die Studie untersuchte zudem die Anreize für Fach- und Führungskräfte für ihre Berufswahl. 75 Prozent der Teilnehmer waren der Meinung, dass vor allem die Aufstiegschancen für talentierte Führungskräfte bedeutend sind, für 66 Prozent muss die Work-Life Balance stimmen und für 57 Prozent sind Vergütungspakete wichtig.

 

Die Expertinnen sagen: All das ist auch im Mittelstand von elementarer Bedeutung. Röder und Kay betonen, dass die Aufstiegschancen im Mittelstand angesichts der flachen Hierarchie weniger gegeben sind. Kay hebt hervor, dass bei kleineren und mittleren Unternehmen die Zuständigkeiten häufig weiter reichen und damit die Einflussmöglichkeit höher sei. Der Mittelstand könnte natürlich nicht Vergütungsprogramme vergleichbar zu größeren Konzernen anbieten, aber die hohe Verantwortung und der große Kompetenzenbereich könnten auch als wirksamer Anreiz verstanden werden.

 

Frauen in Spitzenpositionen

Frauen als Führungskräfte sind eine Rarität, das bestätigte auch die Boyden-Studie. Fünf Prozent der Unternehmen würden heute eine 40-Prozentige Frauenquote auf erster Führungsebene erfüllen. Auf der zweiten Ebene sind es sieben Prozent. Hier gibt es großen Handlungsbedarf, auch im Mittelstand. Um Frauen bessere Perspektiven zu ermöglichen, müssten Unternehmen flexible Arbeitszeit-Modelle bieten, sagen 71 Prozent und die Unterstützung bei Kinderbetreuung fordern 70 Prozent. Außerdem wird von 49 Prozent die Möglichkeit erwartet, zuhause arbeiten zu können (Home-Office).

 

Das schlagen Expertinnen und Befragte vor

In diesem Punkt sind sich alle einig, die Führungskräfte sind hauptsächlich männlich. Kay betont, dass man hier aber differenzieren muss, es sei branchenabhängig. Im Dienstleistungsbereich fänden sich relativ viele Frauen in Führungspositionen, im Bau oder im verarbeitenden Gewerbe hingegen deutlich weniger. Aber sicher sei, unterstreicht Röder, solange in vielen Haushalten die Familienarbeit vor allem Frauensache sei, könne sich da im Mittelstand nichts bewegen. Den Grund für die wenigen weiblichen Führungskräfte sehen auch die Befragten in den Rahmenbedingungen, die verbesserungsbedürftig seien und an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf.