Dienstag, 16.05.2017

Foto: bpb, Tobias Vollmer

Migration und Arbeitsmarkt: Teilnehmer einer Salafismus-Tagung diskutieren im Collegium Leoninum in Bonn.

Personal
TNS Emnid-Studie mit „Wer liefert was“

Migration nutzt nichts beim Fachkräftemangel

Zuwanderung ist für die Hälfte der befragten Geschäftsführer und Manager keine Lösung für die unbesetzten Stellen in Deutschland.

Knapp eine Million unbesetzte Stellen in Deutschland gab es 2016, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meldete. Für rund zwei Drittel der Stellen ist eine Berufsausbildung erforderlich, in 16 Prozent der Fälle sogar ein akademischer Abschluss. Jede fünfte Stelle kommt auch für Ungelernte in Frage. Die meisten offenen Stellen stellt der Mittelstand.

Kann der deutsche Mittelstand vom Zustrom der Flüchtlinge profitieren? Sind die Migranten in der Lage, diese Vakanzen zu schließen? Mit diesen Fragen setzt sich eine Studie von TNS Emnid unter 1.000 Geschäftsführern und Managern deutscher KMU im Auftrag des B2B-Marktplatzes „Wer liefert was“ auseinander.

Die Geschäftsführer und Manager deutscher KMU sind eher skeptisch: 52 Prozent der Befragten bezweifeln, dass die Migration imstande sei, den Fachkräftemangel zu beheben. 

Nur 10 Prozent Migranten in festem Arbeitsverhältnis

Auch der Blick auf die Zahlen bietet - zumindest derzeit - keinen Anlass für besonderen Optimismus. Bislang sind laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lediglich zehn Prozent der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Menschen in einem festen Arbeitsverhältnis. Ein Großteil der Jobs besteht zudem aus unbezahlten Praktika oder geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Die Flüchtlinge konnten offensichtlich noch nicht für eine Entlastung des Arbeitsmarktes sorgen.

Allerdings prognostiziert das Institut, dass binnen der nächsten fünf Jahre jeder zweite Einwanderer, der seit 2015 nach Deutschland kam, Fuß auf dem Arbeitsmarkt gefasst haben werde. Immerhin 39 Prozent der Geschäftsführer deutscher KMU teilen die Einschätzung des Instituts. Sie sehen in der Zuwanderung eher großes Potenzial für den Ausgleich des Fachkräftemangels und für die Besetzung geringqualifizierter Stellen. Allerdings ist über die Hälfte der Befragten gegenteiliger Auffassung.

Peter F. Schmid, Geschäftsführer von "Wer liefert was", sagt: "Die Untersuchung deckt einen eklatanten Widerspruch auf: Einerseits sehen KMU den Vorteil, dass durch die Einwanderung ausländischer Fachkräfte die offenen Stellen besetzt werden könnten. Andererseits sind die Migranten noch nicht in der Arbeitswelt des deutschen Mittelstands angekommen. Ausbildungs- und Sprachbarrieren verhindern aktuell eine schnellere und erfolgreiche Integration. Hier sind Staat und Unternehmen gleichermaßen gefordert, entsprechende Fördermaßnahmen zu schaffen."

Im Osten sind die Bedenken größer

Die Ergebnisse der Umfrage von Emnid und „Wer liefert was“ zeigen regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands auf. Mehr als die Hälfte der Geschäftsführer der KMU aus dem Osten der Republik (56 Prozent) sehen in der Zuwanderung wenig Potenzial, den in der Bundesrepublik herrschenden Fachkräftemangel zu kompensieren. Lediglich 40 Prozent betrachten die Migration als mögliche Lösung. Damit sind die Vorbehalte im Osten gegenüber Migration als potenzieller Lösung für den Fachkräftemangel am stärksten ausgeprägt: Der Norden Deutschlands hat die optimistischste Haltung, 48 Prozent meinen, die Migration böte große Chancen. Der Westen und der Süden Deutschlands unterscheiden sich minimal – 46 Prozent – von der Einschätzung der Geschäftsführer im Norden.


Die unterschiedliche Bewertung zieht sich auch durch die Branchen der befragten Geschäftsführer. Das Dienstleistungsgewerbe ist geteilter Meinung: Je 48 Prozent sehen in der Einwanderung Chancen sowie Risiken. Bei Industrie und Handel sind die Vorbehalte am stärksten ausgeprägt. In beiden Branchen sieht mehr als die Hälfte – 53 Prozent – eher geringe bis gar keine Chancen, dem Fachkräftemangel mittels Migration Herr zu werden. 44 Prozent (Industrie) und 45 (Handel) stehen dem mit einer positiven Einschätzung gegenüber.