Dienstag, 08.03.2016
Der demografische Wandel ist in vollem Gange, der Mittelstand muss noch stärker um Young Professionals kämpfen. Beim Recruiting lohnt sich der Blick in Richtung Hochschulen, um die jungen Talente abzufangen, noch bevor sie sich für Großkonzerne bewerben.

Bildquelle: Purestock/Thinkstock/Getty Images

Der demografische Wandel ist in vollem Gange, der Mittelstand muss noch stärker um Young Professionals kämpfen. Beim Recruiting lohnt sich der Blick in Richtung Hochschulen, um die jungen Talente abzufangen, noch bevor sie sich für Großkonzerne bewerben.

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War for Talent auch im Mittelstand

Young Professionals im Mittelstand: Tipps fürs Recruiting

Mittelständler haben es nicht leicht im Wettbewerb um die begehrten Young Professionals. Doch wer es richtig angeht, kann bei den Absolventen punkten.

In Zeiten von Fachkräftemangel ist dieses Problem vielen Mittelständlern nur allzu vertraut: Ihre geringe Bekanntheit erschwert ihnen oft die Suche nach den so genannten „Young Professionals“, den begehrten Hochschulabsolventen aus stark nachgefragten Fachrichtungen.  Jörg Kasten, Chef der Personalberatung Boyden Global Executive Search, bringt ein Kernproblem des Mittelstands auf den Punkt: „Auf Jobanzeigen kleiner und mittelgroßer Unternehmen stoßen potentielle Bewerber seltener als auf Anzeigen von Großkonzernen.“ Ein moderner Onlineauftritt ist deswegen essentiell für ein funktionierendes Personalmarketing, rät der Experte.

Um eben jenes beim Softwareanbieter Medatixx auszubauen, wurde Nico Gerhold eingestellt. Die Managerin für Recruiting und Personalmarketing arbeitet gerade an der Modernisierung der Karrierewebsite des Unternehmens. „Eine moderne Karriereplattform ist die Grundlage für alle weiteren Aktivitäten des Personalmarketings“, sagt Gerhold. „Eine Drive-to-Web-Strategie kann nur dann funktionieren, wenn potentielle Bewerber nicht durch den Internetauftritt abgeschreckt werden.“ „Drive to Web“ – das bedeutet, potentielle Bewerber über alle anderen Aktivitäten des Personalmarketings,  beispielsweise Stellenanzeigen oder Messestände, am Ende stets auf die eigene Website zu lenken, wo das Unternehmen die wichtigsten Informationen für Bewerber attraktiv aufbereitet bereithält.

Mitarbeiter werben um Young Professionals

Um an die passenden Wunschkandidaten zu kommen, ist es deswegen gerade als Mittelständler wichtig, schon früh das eigene Profil zu schärfen und sich so bei Bewerbern positionieren. Personalberater Kasten rät dazu, auf bestehende Netzwerke zurückzugreifen, um die Bekanntheit zu erhöhen: „Gerade Unternehmen, die kein oder nur ein geringes Budget für Personalmarketing haben, sollten für ihr Recruiting den kurzen Dienstweg nutzen.“

Und der findet sich in der eigenen Firma – die eigenen Mitarbeiter betreiben oftmals das beste Personalmarketing. „Für mittelständische Unternehmen kann es viel effektiver sein, wenn beispielsweise der eigene Produktionsleiter bei seiner Alma Mater anruft und für das Unternehmen wirbt, als eine Anzeige zu schalten.“

Hochschulmarketing als Recruiting-Werkzeug

Die Freudenberg-Gruppe setzt außerdem auf aktives Hochschulmarketing. „An ausgewählten Hochschulen und Lehrstühlen versuchen wir uns aktiv, beispielsweise auf Karriereevents, als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren“, sagt Personalchef Hartmuth Posner.

Das kann sich als kluger Schachzug erweisen, findet Kasten, denn „Hochschulmarketing lässt sich schon mit recht einfachen Mitteln betreiben“.. Der Personalberater rät dazu, aktiv auf Universitäten und Hochschulen zuzugehen. So könnten Mittelständler beispielsweise Abschlussarbeiten im Unternehmen vergeben und sich gezielt bei Lehrstühlen mit gefragten Fachrichtungen engagieren. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Bekanntheit direkt in der für sie interessanten Zielgruppe erhöhen.

So finanzierte beispielsweise der Verbindungstechnikspezialist Norma einen Lehrstuhl für „Manufacturing“ an der privaten Business-Hochschule Frankfurt School of Finance & Management, um deren begehrte Absolventen auf den potentiellen Arbeitgeber vor den Toren Frankfurts aufmerksam zu machen.

Für Young Professionals zählt nicht nur das Gehalt

Personalberater Kasten rät außerdem dazu, Stärken des eigenen Unternehmens gezielt zu kommunizieren: „Für die Generation Y zählt nicht mehr nur das Gehalt. Kurze Entscheidungswege, familiäre Kultur, schnelle Verantwortungsübernahme – das sind die Vorteile des Mittelstands.“

Denn Fakt ist: Längst nicht jeder Berufseinsteiger fühlt sich in den Strukturen eines Großkonzerns wohl, es sind sogar weniger als früher. Darin liegt die große Chance für den Mittelstand, im Rennen um die Fachkräfte an den Großkonzernen vorbeizuziehen.

Info

Tipps für das Recruiting von Young Professionals im Mittelstand:

  • Online-Auftritt aktualisieren und modernisieren, Bewerberportal entwickeln
  • „Drive to Web“-Strategie in Erwägung ziehen, Recruitingaktionen vom Ende her denken
  • Auf bestehende Netzwerke zurückgreifen, zum Beispiel Mitarbeiter werben Mitarbeiter
  • Hochschulmarketing betreiben (zum Beispiel Vergabe von Abschlussarbeiten oder Stiften von Lehrstühlen)
  • Spezielle Stärken des Unternehmens kommunizieren (Firmenkultur, Karrieremöglichkeiten, Internationalität)