Montag, 31.07.2017
So geht's: Mit Kommunikation und klaren Regeln kann das Mitbringen eines Bürohundes klappen - und den Arbeitsalltag bereichern.

Illustration: artisticco/Thinkstock/Getty Images

So geht's: Mit Kommunikation und klaren Regeln kann das Mitbringen eines Bürohundes klappen - und den Arbeitsalltag bereichern.

Recht & Steuern
Was ist erlaubt?

Hunde im Büro: Das müssen Sie wissen

Viele Mitarbeiter würden gerne ihre liebsten Vierbeiner mit zur Arbeit bringen. Doch muss der Chef dem zustimmen? Wir geben Tipps, wann Vorgesetzte den Hund im Büro erlauben sollten und was es dabei zu beachten gilt.

Hunde im Büro – ist das überhaupt erlaubt? Haben Hundehalter vielleicht sogar ein Recht darauf?

Rechtsanwältin Franziska Klug

Foto: Fotostudio Elke Schöps

Rechtsanwältin Franziska Klug

Einen gesetzlichen Anspruch auf das Mitbringen von Tieren ins Büro haben Mitarbeiter nicht. Ein Geschäftsführer darf das Mitbringen von Hunden und anderen Tieren aber erlauben, sagt Rechtsanwältin Franziska Klug von der Kanzlei Betz, Rakete, Dombek in Berlin, eine Pflicht dazu besteht freilich nicht. „Die Entscheidung beruht auf dem sogenannten Direktionsrecht“, formuliert Klug. Grundsätzlich müssten verschiedene Rechtsgüter und Interessen beachtet und gegeneinander abgewogen werden – sowohl die der Hundehalter als auch die des Arbeitgebers und der übrigen Mitarbeiter. So können der Erlaubnis, neben grundsätzlichen Erwägungen mit Blick auf eher hundekritisch eingestellte Mitarbeiter, auch das Hygiene- oder Tierschutzrecht entgegenstehen. Grundsätzlich gilt: Ein Hund im Büro ist weniger problematisch als in der Werkstatt oder Produktionshalle.

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Gilt auch beim Tier im Büro: Gleiches Recht für alle?

Im Arbeitsverhältnis ist der Gleichbehandlungsgrundsatz zu beachten. Das heißt: Der Arbeitgeber muss, wenn er etwas neu regelt, Mitarbeiter, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden, grundsätzlich gleich behandeln. Das gilt auch im Hinblick auf die Erlaubnis zum Mitbringen von Hunden. Es sei denn, es gibt sachliche Kriterien, die eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen. Dazu können unterschiedliche Arbeitsorte zählen, erklärt Arbeitsrechtlerin Klug. So kann das Mitbringen von Tieren für Großraumbüros verboten sein, weil dadurch viele Mitarbeiter betroffen sind. Auch am Empfangsbereich könne ein Verbot gerechtfertigt sein – vor allem, weil bei Kunden und anderen Gästen Allergien nicht ausgeschlossen werden können. Weitere Sachgründe können etwa die Größe, die Gefährlichkeit und der Grad der Erziehung des Tieres sein. Auch das Verhalten spielt eine Rolle: Ein Hund, der ständig bellt, könnte den Betriebsablauf stören.

Was hat das Unternehmen davon, Tiere im Büro zu erlauben?

BVBH-Chef Markus Beyer und sein Hund Chester

Foto: Bundesverband Bürohund e.V.

BVBH-Chef Markus Beyer und sein Hund Chester

Wer seinen Hund zur Arbeit mitbringen darf, ist ein zufriedenerer Mitarbeiter, sagt Markus Beyer vom Bundesverband Bürohunde (BVBH). Zufriedene Angestellte arbeiteten potentiell mehr, seien leistungsfähiger – und loyaler gegenüber ihrem Arbeitgeber. Die Kündigungsquote sinke: „Das in sie investierte Kapital bleibt dem Unternehmen dadurch länger erhalten“, argumentiert Beyer. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und zunehmender Schwierigkeiten bei der Personalsuche hält der Tierfreund dies für einen wichtigen Aspekt. Der BVBH ist eine Interessengemeinschaft, die nach eigenen Aussagen „dem dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegenwirken“ will. Hunde seien hier ein besonders probates Mittel, betont Beyer – und zwar auch bei jenen Mitarbeitern, die das Tier nur hin und wieder zu Gesicht bekämen: Studien zeigten, dass beim Streicheln – und sogar schon beim Ansehen – von Hunden vermehrt Oxytocin ausgestoßen werde, ein Hormon, das unter anderem den Blutdruck senkt und das Stresshormon Cortisol abbaut.

Nicht jeder Mitarbeiter allerdings mag Hunde. Wie gehe ich als Chef damit um?

Allergien, etwa gegen Hundehaare, und Phobien im Kollegenkreis sind nach Ansicht von Rechtsanwältin Franziska Klug ebenfalls Sachgründe, die für ein Hundeverbot sprechen. Daher sollten, bevor eine Erlaubnis erteilt werde, in jedem Fall die Kollegen danach befragt werden. Dazu rät auch Markus Beyer. Denn häufig ließen sich Vorbehalte der „Hundegegner“ durch Gespräche lösen. 

Was ist, wenn doch mal etwas passiert?

Hunde lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad erziehen und kontrollieren. Wenn der Hund beißt oder sonst einen Schaden anrichtet, haftet grundsätzlich der Halter, nicht der Arbeitgeber. Juristin Klug spricht von einer sogenannten Gefährdungshaftung. 

Wie sollte ein Geschäftsführer vorgehen, wenn er das Mitbringen von Tieren regeln will?

Verfügt das Unternehmen über einen Betriebsrat, besitzt dieser ein Mitbestimmungsrecht und ist zwingend bei der Regelung zu beteiligen. Insgesamt sei Transparenz wichtig, betont Rechtsanwältin Klug. Alle Beteiligten sollten vor der Entscheidung angehört werden, sagt die Arbeitsrechtlerin. Ist man danach immer noch unsicher, könne man eine Art Probezeit vereinbaren. Im Übrigen gilt: „Eine Genehmigung ist nicht unwiderruflich – es sei denn, sie ist im Arbeitsvertrag festgehalten“, sagt Klug. So hat vor einigen Jahren das Arbeitsgericht Düsseldorf entschieden, dass einer Mitarbeiterin die Erlaubnis zum Mitbringen des Hundes nach mehreren Jahren wieder entzogen werden durfte, nachdem dieser angefangen hatte, regelmäßig laut zu knurren – wodurch sich Kollegen belästigt und bedroht fühlten.

Info

Ob Rauchen im Büro, die Geburtstagsfeier mit Kollegen oder der Hund unter dem Schreibtisch – Millionen Arbeitnehmer in Deutschland fragen sich: Was darf ich rechtlich, und was nicht? Markt und Mittelstand klärt auf, was am Arbeitsplatz erlaubt ist und was Chefs regeln dürfen – und sollten.

Hier finden Sie unsere Übersicht.