Donnerstag, 01.10.2015
Eine große PV-Anlage auf den Dächern des Gebäudes des Sitzmöbelherstellers Köhl sichert die Eigenstromerzeugung des Mittelständlers.

Bildquelle: Köhl GmbH

Eine große PV-Anlage auf den Dächern des Gebäudes des Sitzmöbelherstellers Köhl sichert die Eigenstromerzeugung des Mittelständlers.

PV-Anlagen als Stromlieferant

Eigenstromerzeugung im Mittelstand: Praxisbeispiel Solarstromanlage

Der Sitzmöbelhersteller Köhl versorgt sich mit Energie aus eigenen Quellen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach produziert Eigenstrom. Durch die Eigenstromerzeugung spart die Firma viel Geld.

Die Strompreise sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Vor allem kleine bis mittlere Unternehmen sind davon maßgeblich betroffen. Ein Grund für die Erhöhungen ist in erster Linie der Netzausbau für den von der Politik forcierten Ausbau der Stromautobahnen für Offshore-Windenergieanlagen. Um sich davon unabhängig zu machen, gehen immer mehr Unternehmen den Weg der Eigenstromversorgung. So auch der Sitzmöbelhersteller Köhl. Über 3.700 Quadratmeter erstreckt sich die Photovoltaikanlage auf dem Firmendach der Firma Köhl. Pro Jahr produziert das Unternehmen damit 182.000 Kilowattstunden Strom. Damit deckt das Unternehmen seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. „Gleichzeitig beziehen wir von einem Stromanbieter auch noch Ökostrom“, sagt Geschäftsführer Thomas Köhl.

Eigenstromerzeugung im Mittelstand - Vorteil Nr.1. : Kosten

Für die Heizung und Kühlung in den Firmengebäuden wird viel Energie benötigt. „Daher ist es für uns sehr wichtig, den Strom ressourcenschonend und kostengünstig zu produzieren“, begründet Köhl seine Entscheidung für die Eigenproduktion von Solarstrom. Da die Marktpreise für Energie zudem stetig steigen und ein ressourcenschonender Umgang mit Strom und Gas wirtschaftlich sinnvoll ist, fiel die Entscheidung noch leichter. Als dann auch noch die Neuanschaffung der Heizanlage anstand, entschied Köhl sich für eine radikale Lösung. „Wir hatten uns überlegt, wie wir die ideale Kombination aus Heizwärme und Stromversorgung verwirklichen können“, erinnert er sich. Das ist mit einem Verbund aus Solarstrom und einem nachhaltigen Heizsystem zur kompletten Selbstversorgung seit Mai 2012 gelungen. Dabei erzeugt die Photovoltaikanlage Strom aus Sonneneinstrahlung. 2010 hat Köhl mit der Planung und Umsetzung des Projektes begonnen und die Ergebnisse waren schnell zu sehen. „Die CO2-Entlastungen sind enorm und die Stromkosten sind dadurch deutlich nach unten gegangen“, sagt Köhl. Die Solaranlage als solche bedurfte einer Investition in Höhe von rund 500.000 Euro. Zusätzlich zu dem Photovoltaiksystem hat das Unternehmen noch eine Luft-Wasser-Wärme-Pumpe installiert, die ebenfalls noch einmal eine halbe Millionen Euro kostete. „Das hat sich aber bereits gerechnet. Erst einmal muss man Kapital in die Hand nehmen. Aber langfristig lohnt sich das auf jeden Fall“, erzählt der Geschäftsführer. Natürlich gehöre dazu aber eine Portion Mut.

Bei der Umsetzung hätte es für Köhl theoretisch einige Möglichkeiten der Subvention gegeben. Diese hat das Unternehmen jedoch nicht wahrgenommen. „Wir haben keine Subventionen in Anspruch genommen, weil wir sehr schnell und ohne großen Bürokratieaufwand handeln wollten. Außerdem habe ich erst hinterher von den Fördermitteln erfahren, da waren wir schon voll in der Umsetzung“, erklärt der Geschäftsführer. Das ärgere ihm Nachhinein auch nicht. „Es war damals wichtig, dass wir das Ganze zügig durchsetzen“, erinnert er sich. Damit dies gelingen konnte, nahm Köhl sich einen Energieexperten mit ins Boot, der das Vorhaben genau durchrechnete und die Frage beantwortete, ob beziehungsweise wann  diese Maßnahme rentabel ist. „Wichtig war zudem, dass wir unsere Kapazitäten genau überprüften. In der Installationsphase brauchte ich nämlich Mitarbeiter, die das Projekt realisieren können“, hebt Köhl hervor. Heute bedarf es zwei bis drei Tagen an Pflege im Jahr für die Anlage.
Technisch ist die Anlage recht schnell und einfach erklärt. Der von dem Photovoltaiksystem erzeugte Strom wird an die Luft-Wasser-Wärmepumpe weitergegeben, die zusammen mit einer Pelletheizung die Gebäude auf dem 14.800 Quadratmeter großen Firmenareal mit Wärme versorgt. Sie ersetzt eine kostenintensive Ölheizung, die im Jahr durchschnittlich 43.000 Liter Heizöl verbraucht hatte. „Mit der Pelletanlage sparen wir nochmals rund 40 Prozent im Vergleich zu einer Erdölheizung“, rechnet Köhl vor. Die gesamte Energie, die das Unternehmen braucht, kommt somit also aus eigenen Quellen. „Wir sind energetisch autark“, sagt Köhl. Falls die Sonnenenergie einmal doch nicht für die komplette Versorgung ausreichen sollte, ist die Energieversorgung mit einer Gasheizung abgesichert.

Eigenstromerzeugung im Mittelstand - Vorteil Nr.2. : Sicherheit

Das Unternehmen versorgt sich mit dieser Anlage nicht nur selbst, sondern kann gleichzeitig auch Strom, der zu viel produziert wurde, in das Stromnetz einspeisen. „Für diese Einspeisung erhalten wir von der Bundesnetzagentur eine Vergütung“, erklärt Köhl. Sein Unternehmen ist somit also Abnehmer als auch Produzent von Ökostrom. Bisher war es für viele Unternehmen rentabel, den durch Photovoltaik produzierten Eigenstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen und durch die gesetzlich geregelte Einspeisevergütung zu profitieren, da diese über dem gängigen Strompreis lag. Dadurch, dass die Einspeisevergütung ständig sinkt, parallel die Strompreise aber steigen, wird der Eigenverbrauch des produzierten Photovoltaikstroms für Mittelständler finanziell immer interessanter. Damit am Jahresende sowohl für das Unternehmen als auch für den Energieversorger ersichtlich ist, wie viel Eigen- und wie viel Fremdstrom verbraucht wurde, ist eine spezielle Anordnung der Stromzähler erforderlich. Die Stromzähler erfassen nämlich einerseits den Netzbezug und die Netzeinspeisung, andererseits aber natürlich auch den eigenen produzierten Strom. Der Eigenverbrauch kann einfach berechnet werden, indem die eingespeiste Energie vom Einspeisezähler von der erzeugten Energie (PV-Zähler) abgezogen wird.