Freitag, 19.07.2013
Energiewende

Energiewende: Deutschland auf Isolationskurs

Die EU setzt weiterhin auf die Atomenergie zur Energieversorgung. Damit steht Deutschland mit seiner Energiewende in Europa allein auf weiter Flur.

Die EU will den Ausbau der Atomkraft auch weiterhin fördern. Ein Entwurf für eine neue Beihilferichtlinie von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia macht den Ausbau der Kernenergie zum erklärten Ziel der EU – von Energiewende also keine Spur. Das bestätigt ein Bericht der Süddeutschen Zeitung.

Keine Energiewende in Frankreich und Großbritannien

Während also in Deutschland bis 2022 alle Atomkraftwerke den Betrieb einstellen sollen, will die Europäische Union den Bau neuer Atomkraftwerke sogar durch staatliche Finanzhilfen forcieren. Almunia möchte derartige Finanzstützen in einem Regelwerk festlegen, unterstützt wird er dabei von Frankreich, Großbritannien, Litauen und Tschechien. Die Bundesregierung hat die Pläne jedoch bereits abgelehnt.

Deutsche Unternehmer und Energie-Versorger sind nun besorgt über Deutschlands neue Alleinstellung: „Es wird keine deutsche Energiewende geben, wenn sie nicht eingebettet ist in eine vorwärtsweisende europäische Energiepolitik.“, so Hildegard Müller, Vorsitzende des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW. Auch die europäischen Unternehmen fürchten, dass derartige Divergenzen bei der Energiewende zu ausbleibenden Investitionen in den Energiesektor führen könnten. Dabei könne ein integrierter europäischer Energiebinnenmarkt sogar einen Wohlfahrtsgewinn von 150 Millionen Euro pro Jahr schaffen, bestätigt Jean-François Conil-Lacoste, Chef der europäischen Energiebörse EPEX.

EU unterschätzt die Kosten für Atom-Energie

Eine neue Studie des DIW legt allerdings nahe, dass vor allem die EU ihre Energie-Strategie überdenken muss. Demnach lege die EU in ihrem Grünbuch Energie veraltete Daten zugrunde bei der Berechnung der Kosten für Atomenergie und erneuerbare Energien. Der rapide Kostenverfall beim Thema Erneuerbare Energie werde kaum berücksichtigt, dagegen unterschätze man die Kosten, die durch Atomenergie entstehen. Bestes Beispiel ist der Neubau eines Atomkraftwerkes im französischen Flamanville. 2006 sei man noch von geschätzen 1.500 Euro Kosten pro Kilowattstunde ausgegangen. Aufgrund der enorm gestiegenen Baukosten kalkuliere man seit Dezember 2012 bereits mit 5.100 Euro pro Kilowattstunde. Die Studie fordert daher eine Aktualisierung der europäischen Daten und deren „nachvollziehbare Veröffentlichung“.