Montag, 06.08.2012
Energieeffizienz

Industrie bei Energieeffizienz nur Mittelmaß

Energieeffizienz ist ein entscheidender Faktor im internationalen Wettbewerb. Deutschland unternimmt viel dafür, liefert aber noch keine entsprechenden Ergebnisse, zeigt ein internationaler Vergleich.

Energieeffizienz wird immer mehr zum globalen Wettbewerbsfaktor. Wer mit weniger Energie gleiche oder bessere Ergebnisse erzielt, schont nicht nur die Umwelt, sondern spart vor allem Kosten. Mehr als die Hälfte der deutschen Mittelständler (53 Prozent) plant deshalb, in den nächsten fünf Jahren verstärkt Ausrüstungsinvestitionen in Energieeffizienz zu tätigen. Insgesamt wird der Faktor Energieeffizienz für die Unternehmen bei künftigen Investitionsentscheidungen eine größere Rolle spielen. Knapp zwei Drittel messen der Energieeffizienz eine „sehr große“ (23 Prozent) oder „eher große“ Rolle (39 Prozent) bei.

Energieeffizienz in der Produktion: Nur Platz 5 von 12

Doch nicht nur deutsche Unternehmen arbeiten an der Energieeffizienz – und sind dabei offenbar erfolgreicher.  Der American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) hat in einer aktuellen Studie die Energieeffizienz der 12 wirtschaftlich stärksten Länder der Welt verglichen.  Beurteilt wurden die Bereiche Industrie, Gebäude und Verkehr sowie die übergeordneten nationalen Anstrengungen der einzelnen Volkswirtschaften.  Aus deutscher Sicht zeigt die Studie zweierlei: Mit einem Ergebnis von 66 von 100 möglichen Punkten belegt Deutschland hinter Großbritannien (67 Punkte) zwar den zweiten Platz, doch der niedrige Gesamtwert verdeutlicht den großen Spielraum für künftige Verbesserungen. Allerdings schneidet Deutschland – und das ist die zweite wichtige Erkenntnis -  im Industriebereich unter den vier Teilbereichen am schlechtesten ab: In der Industrie liegt die deutsche Energieeffizienz nur auf Rang 5. Mit lediglich 16 von 24 an gängigen Best-Practice-Standards gemessenen möglichen Punkten liegt Deutschland knapp hinter Großbritannien (18 Punkte), Frankreich, Italien und Japan (jeweils 17 Punkte).

Bindende Regelungen für Unternehmen fehlen

Ein Grund dafür ist, dass ausgerechnet in Deutschland, dem international oft Ordnungswahn und Regulierungswut unterstellt werden, vieles auf Freiwilligkeit basiert. Erst vergangene Woche wurden im Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Besteuerung energieintensiver Betriebe die in einer ersten Fassung festgelegten Ziele zur Verbesserung der Energieintensität zugunsten einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Unternehmen zurückgenommen. Folgerichtig erzielt Deutschland in der ACEEE-Studie unter dem Punkt freiwillige Vereinbarungen im Industriesektor die volle Punktzahl. Bindende Regelungen wie eine für Firmen verpflichtende Einsetzung eines Energiemanagers - wie in China, Italien und Japan - oder verbindliche Energie-Audits  wie sie beispielsweise in Australien, Frankreich oder Russland durchgeführt werden, gibt es in Deutschland hingegen nicht.

Deutsche Industrie mit bester Energieintensität

Potenzial für mehr Energieeffizienz sieht die Studie außerdem in der industriellen Nutzung kombinierter Heiz- und Stromsysteme. Bislang werden lediglich rund 13 Prozent der industriell genutzten Elektrizität über solche Systeme erzeugt. In Großbritannien ist der Anteil hingegen mehr als  doppelt so groß (27 Prozent). Kombinierten Systemen wird eine wesentlich höhere Effizienz zugerechnet, weil Hitze, die bei konventioneller Stromerzeugung verloren geht, dort zu Heizzwecken wiederverwertet werden kann. Diese Kritik soll aber nicht überdecken, dass die deutsche Industrie unter den betrachteten Ländern in Relation zum BIP den geringsten Energieverbrauch aufweist. Den Spitzenplatz in punkto Energieintensität haben die deutschen Unternehmen auch hohen Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen zu verdanken (wieder gemessen im Verhältnis zum BIP). Jährliche Ausgaben in Höhe von 1,7 Prozent bedeuten Rang 2 hinter Japan.

Bemühungen alleine reichen nicht

Von dieser Entwicklungsbereitschaft könnte sich der nichtgewerbliche Sektor in Deutschland durchaus eine Scheibe abschneiden. Zwar investiert Deutschland mit durchschnittlich knapp 156 Dollar pro Kopf hinter Australien am meisten Geld in Energieeffizienz, doch nur 1,76 Dollar pro Kopf fließen in Forschung und Entwicklung. Lediglich in Russland und Brasilien sind die Zahlen noch geringer.  Grund zur Besorgnis besteht zudem darin, dass Deutschland ausgerechnet in der Kategorie „National Efforts“ international führend ist. Nicht von ungefähr ist die Floskel „war stets bemüht“ in Zeugnissen stets ein Zeichen für grundlegende Defizite. Bemühungen sind erst dann effektiv, wenn sich die entsprechenden Erfolge einstellen. Genau daran hapert es in Deutschland aber seit der überstürzten Energiewende. Exemplarisch dafür steht die letztwöchige Statusmeldung der Bundesnetzagentur zum Fortschritt des Netzausbaus: Bei 15 der 24 wichtigsten Projekte gibt es teils deutliche Verzögerungen. Lediglich 214 von insgesamt 1.834 Kilometern geplanten Leitungskilometern sind bisher realisiert.