Mittwoch, 17.07.2013
LED-Technik: Aus 6-Zoll-Wafer werden LED-Chips hergestellt.

Foto: Osram

LED-Technik: Aus 6-Zoll-Wafer werden LED-Chips hergestellt.

LED-Technik

LED-Technik: Umstieg macht Probleme

Der Einsatz von LED-Technologie spart Geld. Unternehmen sollten beim Umstieg auf verlässliche Qualität achten.

Welche Chancen haben Unternehmen, die etwa in Werkshallen auf gute Beleuchtung angewiesen sind, die kostspieligen Stromfresser durch preiswerteres Licht zu ersetzen? Ein aussichtsreicher Kandidat sind Leuchtdioden (LED). Diese Technik verbraucht bei gleicher Leuchtkraft wie herkömmliche Leuchtmittel nur ein Bruchteil an Energie. Allzu große Spar-Erwartungen sollte man sich aber nicht machen. Wenn Hersteller etwa versprechen, dass LED die EEG-Umlage aushebeln, ist das zwar „im Prinzip richtig, aber zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen oft Welten“, warnt Peter Dächert, Energie-Experte der Expense Reduction Analysts vor übertriebenen Hoffnungen an die LED-Technik. Sie senkt die Ausgaben für Energie-deutlich. Aber bei der Entscheidung für ein System ist Vorsicht geboten, weil nicht jeder Hersteller hohe Qualität bietet.

Unternehmen: Sparen mit LED-Technik

Bereit für den Wechsel sind in Deutschland rund 500 Millionen Leuchtstoffröhren. Um diesen Markt der Installationen kämpfen Elektro-Unternehmen mit kundenindividuellen Lösungen. Zwar sinken bei LED allmählich die Preise, aber auch die Qualitäten. So kommen viele LED-Produkte aus Billiglohnländern. Im harten Preiskampf werden oft sehr preiswerte Bauteile wie unspezifizierte Kondensatoren und schlecht verarbeitete LED mit geringer Energie-Effizienz verwendet. Trotzdem setzen viele Unternehmen auf den Boom.Allein in der chinesischen LED-Hochburg Shenzhen sind in den letzten Jahren mehrere hundert LED-Firmen entstanden. Davon profitieren Importeure, die sehr kostengünstig einkaufen und deutsche Installationsfirmen, um mit Dumpingangeboten ins Geschäft zu kommen. Sogar Elektroschrott kann montiert werden, wenn er die CE-Kennzeichnung der EU – eine Selbstdeklaration des Herstellers - trägt. Es gibt aber weitergehende Qualitäts-und Sicherheitsstandards, zum Beispiel der Schutz vor Kurzschlüssen, Spannungsspitzen oder Funkstörungen, die durch VDE- oder TÜV-Zertifizierungen ausgewiesen sind. Für den LED-Bereich gibt es noch keine gültige DIN-Norm, an der sich die Kunden orientieren können.

Auf Garantiedauer achten

Zudem gibt es erhebliche Unterschiede bei der Gewährleistungs- und Garantiedauer. Bei einigen Herstellern beträgt sie je nach Produktgruppe bis zu zehn Jahre, bei anderen nur ein Jahr, was der gesetzlichen Mindestanforderung entspricht. Einige Anbieter übernehmen die Garantie für das gesamte Produkt, andere wiederum schließen einzelne Komponenten, etwa Netzteile, davon aus. Rohde: „Der Markt ist völlig intransparent; nur Wenige haben noch den Überblick.“ Fest steht, dass die Bedeutung von LED zunehmen wird.
Schon 2014 soll sich nach den Berechnungen des Marktforschers Yale Development der Markt gegenüber 2010 auf 7 Millionen Dollar verdoppeln. Bis 2020 wird die LED-Technologie nach einer Studie von McKinsey einen Weltmarktanteil von 60 Prozent ausmachen. Eine Hauptrolle werden Asiatische Unternehmen spielen, die mit dieser Technologie einen Marktanteil von 45 Prozent erzielen sollen.

Finanzierung ohne Risiko

Ein geringes Risiko geht ein, wer bei der Finanzierung Contracting wählt. Der Contractor erstellt die Beleuchtungsanlage zunächst auf eigene Kosten und profitiert anschließend in einem vorher festgelegten Zeitraum selbst von den Einsparungen. Zum anderen ist er von einem langfristigen Gelingen des Modells ebenso abhängig wie der Auftraggeber selbst. Zudem entfallen für ihn die Investitionen zu Beginn des Projektes.
Ein absolutes ‚Muss‘ bei der LED-Planung ist die vorsorgliche Berücksichtigung von Nutzungsänderungen. In einer Fabrikhalle wird möglicherweise eines Tages mehr Licht benötigt. Dann sind zusätzliche oder stärkere Lampen erforderlich. Deshalb sollten die Betriebsgeräte von vornherein auf eine spätere Erhöhung der Lasten ausgerichtet werden. Allerdings warnt Dächert vor Insellösungen. LED-Technik müsse als Teil eines integrierten Energie-Konzeptes, basierend auf einem integrierten Energie-Management-System, gesehen werden. Mit ihm ließen sich Energie-Daten analysieren, Einsparpotenziale sichtbar machen und im industriellen Bereich Stromsteuerermäßigungen absichern. Bisher verfügten nur rund 28 Prozent der Unternehmen in Deutschland? über ein Energie-Management- oder Umweltmanagement-System, selbst bei den stromintensiven Unternehmen sind es gerade mal 45 Prozent.

LED-Technik: Je mehr Leistung, desto besser

Zu den wichtigsten Merkmalen einer LED-Lampe gehören die in ‚Lumen pro Watt‘ (Lm/W) gemessene Lichtausbeute und die sich daraus ergebende Beleuchtungsstärke (lux). In jedem Anwendungsbereich müssen Mindestwerte beachtet werden. In einem Logistiklager beträgt dieser Wert beispielsweise 200 lux. Eine Lampe hält bis zu 50.000 Stunden durch (Energiesparlampen schaffen nur 15.000 Stunden).
Ein weiteres Kriterium ist der ‚CRI-Index‘. Je höher er ausfällt, desto besser gibt das Licht Originalfarben wieder. In Druckereien zum Beispiel kommt es auf nuancierte Farbeinstellungen an; hier sollte der CRI-Index mindestens 90 betragen. Bei der Beschaffung der Leuchtmittel gilt es auf die Sortierung – das Color Binning - zu achten. In Chargen mit hoher Qualität gibt es kaum Abweichungen bei der Lichtfarbe. Diese Leuchtmittel sind reproduzierbar und können nachgekauft werden. „Bei vielen Billigangeboten ist nicht sichergestellt, dass man in einigen Jahren Ersatz mit der gleichen Lichtfarbe und Farbwidergabe bekommt“, so Michael Rohde.