Montag, 08.02.2016
Die Verunsicherung im Mittelstand ist groß: Die Commerzbank erhebt nun offenbar Strafzinsen für Mittelständler.

Fotoquelle: Commerzbank

Die Verunsicherung im Mittelstand ist groß: Die Commerzbank erhebt nun offenbar Strafzinsen für Mittelständler.

Reaktion auf EZB-Entscheid

Commerzbank weitet Strafzinsen auf den Mittelstand aus

Die Commerzbank weitet ihre Strafgebühren für große Einlagen offenbar auch auf Mittelstandskunden aus. Die Geschäftsführer im Mittelstand sollen in andere Anlageklassen investieren. Doch die haben ihre eigenen Strategien, die Strafzinsen zu umgehen.

Die Commerzbank verlangt jetzt auch von mittelgroßen Unternehmen Strafzinsen, die sie in Form von Gebühren bei großen Einlagekunden erhebt. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Die Bank sei mit Gebührenerhebungen in den vergangenen Monaten verstärkt auf Unternehmen zugegangen, die hohe Geldbeträge auf ihren Konten ansammeln, die nicht für den Zahlungsverkehr benötigt werden.

Commerzbank reagiert auf niedrigen Einlagenzins der EZB

Bislang waren von den Strafzinsen nur Konzerne, größere Mittelständler und institutionelle sowie öffentliche Kunden betroffen. Durch die Ausweitung auf den Mittelstand gibt die Commerzbank den Druck, der durch das anhaltende Niedrigzinsniveau entsteht, an die Unternehmenskunden weiter. Erst Anfang Dezember hatte die EZB den Einlagenzins von minus 0,2 auf minus 0,3 Prozent gesenkt.

Medienberichten zufolge will die Bank in der Praxis versuchen, möglichst von keinem Kunden Strafzinsen zu verlangen. Anstatt Gebühren für hohe Barreserven zu nehmen, will das Institut für die Kunden alternative Anlagestrategien entwickeln. Hierzu zählen etwa Anlagen in alternative Produkte sowie längere Anlagehorizonte. Als alternative Anlageprodukte zählen etwa Aktien, Optionen bei Fremdwährungsanlagen oder auch Immobilieninvestments. Nach dieser Strategie sollen individuelle Portfoliostrukturen erstellt werden. Strafzinsen sollen aber nur fällig werden, wenn Unternehmen nicht auf die Angebote der Bank eingehen.

Mittelständische Firmenchefs drohen mit Wechsel

Die Commerzbank ist nicht die erste Bank, die Strafzinsen bei Firmenkunden einführt. Neben der Hypovereinsbank erhebt auch die WGZ-Bank bereits Strafzinsen. Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen stehen alternativen Finanzierungsprodukten kritisch gegenüber. Verfügt der kleinere Mittelstand doch nur sehr selten über eine eigene Treasury-Abteilung.

Zwar drohen Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen immer wieder mit einem Bankenwechsel, sollten sie mit Strafzinsen belegt werden, gleichzeitig gelten sie jedoch als bankentreu. Ein Unternehmer, der nur anonym zitiert werden möchte, sagt: „Ich drohe immer, aber ein Wechsel wäre doch zu aufwendig“. Bislang musste er deswegen keine Strafzinsen bezahlen. Mit diesem Vorgehen ist er nicht allein.

"Wir hatten erst kürzlich unser Jahresgespräch mit der Commerzbank und bekamen Einblick in das aktuelle Zinsdilemma", sagt Sven Lindig, Geschäftsführer von Lindig Fördertechnik, ein Dienstleister für den Bereich Gabelstapler, Lagertechnik und Arbeitsbühnen. Er habe aber nicht den Eindruck, dass nun mit harter Hand Kunden verprellt würden." Wir haben immer einen ausreichenden Grundstock an Liquidität, um größere Aufträge abzuwickeln, Gelegenheiten im Markt zu nutzen und vor allem unser starkes Wachstum zu finanzieren", hebt Lindig hervor. Er glaubt nicht, dass sein Unternehmen dafür bestraft würde, anderenfalls würde Lindig aber auch die Umschichtung auf andere Kreditinstitute prüfen.

In welche Anlageklassen die Commerzbank die Mittelständler treiben will, erfahren Sie bei der MuM-Schwesterpublikation FINANCE.