Donnerstag, 20.09.2012
Fördermittel

Energieeffizienz passgenau finanzieren

Mittelständler wollen in Energieeffizienz investieren. Mit den richtigen Fördermittel-Instrumenten lässt sich viel Geld sparen.

Zwei Drittel der Mittelständler rechnen in den kommenden fünf Jahren mit steigenden Investitionen in Energieeffizienz, und jeder dritte Mittelständler will bereits in den kommenden zwölf Monaten in Energieeffizienz-Maßnahmen investieren. Zur Finanzierung stehen den Unternehmen umfangreiche Fördermittel von Bund und Ländern zur Verfügung. Das Angebot ist so groß, dass Kathrin Ostertag von der IHK Lübeck zu Beginn der Entwicklung negative Effekte durch die starke Subventionierung befürchtete. Mittlerweile überwiegen für die Energieexpertin aber die positiven Aspekte. Doch „nur gut 50 Prozent der Mittelständler nutzen Fördermittel“, sagt Rudolf Spitzmüller, Geschäftsführer der gleichnamigen technischen Unternehmensberatung. Dafür gibt es mehrere Gründe: Viele Mittelständler verzweifeln angesichts der Auswahl unterschiedlicher Programme. Sich durch den Förderdschungel zu kämpfen, kostet Zeit, ebenso wie der Prozess von der Antragstellung bis zum Mittelzufluss. Außerdem ist die Praxis der Abwicklung über die Hausbanken strittig. „Die Hausbanken versuchen, sich zunehmend als Klimaschutzpartner zu positionieren und bieten eigene Programme an“, sagt Ostertag. Der Anreiz, öffentliche Fördermittel anzupreisen, ist entsprechend gering.

Zuschüsse nutzen

Viele Unternehmen versuchen deshalb, Energieeffizienz-Maßnahmen über Eigenmittel zu finanzieren. Und verpassen dabei gute Chancen. Denn die Suche nach dem richtigen Programm lohnt sich. „Die Ersparnis ist riesig, hier geht es um richtig viel Geld“, sagt Bernhard Müller, Fördermittelexperte von der Beratungsgesellschaft Ecovis. Dabei gilt: Je spezieller die Anforderungen, desto mehr rentiert sich die Suche nach dem richtigen Programm. „Unternehmen mit hochinnovativen Projekten können den Bedarf an Eigenmitteln durch geeignete Fördermittel drastisch reduzieren“, bestätigt Ostertag. Das liegt daran, dass es für echte Innovationen mit Demonstrationscharakter direkte Tilgungszuschüsse gibt. Bei manchen Programmen bis zu 30 Prozent des gesamten Investitionsbetrags. Spitzmüller rät Unternehmen, auch Zuschüsse über die Strukturförderung in Betracht zu ziehen. In den neuen Bundesländern werden darüber bis zu 50 Prozent der Investitionssumme bezuschusst. Im ländlichen Raum der alten Bundesländer sind es immerhin noch bis zu 10 Prozent. Häufig wird es versäumt Struktur- und Technologieförderung zu kombinieren“, sagt der Berater.

Doch Zuschüsse sind nur der kleinere Teil des Förderangebots. Bei den meisten Maßnahmen machen zinsgünstige Darlehen den Löwenanteil der Fördermittel aus. Beispielsweise aus dem Energieeffizienz-Programm der KfW. Schon ab 1 Prozent Jahreszins können Mittelständler dort langfristige Mittel erhalten – den Zinssenkungen der EZB sei Dank. Für viele Unternehmen ein Grund, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, glaubt Ostertag. Nichtförderbanken können da schwer mithalten. Allerdings werden auch für Fördermittel bankübliche Sicherheiten verlangt und bei einigen Programmen müssen die erwarteten Energieeinsparungen bereits im Vorfeld belegt werden. Auch die Haftungsstruktur unterscheidet sich von Programm zu Programm. Das ERP-Investitionsdarlehen ermöglicht beispielsweise eine weitreichende Haftungsbegrenzung. „Für viele Mittelständler ist das ein wichtiges Kriterium, für das sie teilweise auch höhere Zinsen in Kauf nehmen“, sagt Spitzmüller.

Kosteneinsparungen erleichtern Finanzierung

„Zinseinsparungen sind nicht alles“, sagt auch Dirk Sterner, bei Siemens Finance&Leasing für die Betreuung in Deutschland zuständig. Er setzt auf Kosteneinsparungen durch technische Lösungen: „Komplexe Sanierungen amortisieren sich manchmal erst nach 10 Jahren, eine Investition in Kraft-Wärme-Kopplung nach 2-7 Jahren und einfache Beleuchtungsmaßnahmen vielleicht schon nach 1 Jahr.“ Im besten Fall finanziert sich ein Projekt vollständig aus der Energieeinsparung. „Bei den meisten Anlagen kann das funktionieren“, bestätigt Sterner. „Dann wird die Investition zum Selbstzweck.“ Spitzmüller ist da skeptischer. „Reine Energieeinsparung wird nicht funktionieren“, glaubt der Berater. Die notwendigen Mittel für den Kapitaldienst müssten weiterhin aus Umsatzrentabilität und freiem Cashflow bereitgestellt werden.“ Bei der Finanzierungsdauer sollten sich Mittelständler nicht verführen lassen. Nicht immer ist die längere Laufzeit ratsam. „Es ergibt zum Beispiel keinen Sinn, Komponenten einer ausgefeilten Gebäudesteuerung über 10 Jahre zu finanzieren. Dafür ändert sich die Technik, wie etwa integrierte Rechner oder Software zu schnell“, sagt Sterner. Die Laufzeit der Finanzierung sollte deshalb nicht länger sein als der Innovationszyklus der Technik, rät der Experte.

Ob kurze oder lange Laufzeit, die Förderbanken freuen sich über jeden Antrag - je größer, desto besser. Denn die Institute tun sich bislang schwer, ihre Programme in dem von der Politik geforderten Umfang an den Mann zu bringen. Dabei sind die meisten Unternehmen von der Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen überzeugt. Rund die Hälfte der Mittelständler geht davon aus, dass Investitionen in Energieeffizienz die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens verbessern.