Freitag, 03.02.2012
Finanzspritze für den Mittelstand

EU-Forschungsförderung für KMUs

Für kleine und mittlere Unternehmen führt die EU ihre Forschungsförderung ab 2014 in dem Programm Horizont 2020 fort. Das Budget beläuft sich auf rund 80 Milliarden Euro.

Die EU-Mittelstandsförderung läutet eine neue Runde ein. Unter dem Dach von „Horizont 2020“ werden alle bisherigen Forschungsprogramme der Europäischen Kommission für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gebündelt. Das Programm umfasst ein Budget in Höhe von 80 Milliarden Euro für Investitionen in Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Die Förderprogramme laufen von 2014 bis 2020. Ende 2013 starten die ersten Ausschreibungen.
Zusammengefasst werden in dem Programm Horizont 2020 das bisherige Forschungsrahmenprogramm, die forschungsrelevanten Teile des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) sowie das Europäische Technologieinstitut (EIT). Die Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, Maire Geoghegan-Quinn, bescheinigt dem Neustart gute Qualitäten: „‘Horizont 2020‘ bietet direkte Anreize für die Wirtschaft und sichert unsere Wissenschafts- und Technologiebasis sowie die industrielle Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft. Zudem schafft das Programm die Voraussetzungen für eine intelligentere, nachhaltigere und stärker integrierte Gesellschaft“.

2,5 Milliarden zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Das bisherige Programm CIP wird ab 2014 von COSME (Programm für Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und für KMU) abgelöst. Es verfügt über ein Budget von 2,5 Milliarden Euro. Das Programm soll den Zugang von KMU zu Finanzierungen in Form von Beteiligungen und Krediten verbessern. Für Investitionen in der Wachstumsphase steht eine Eigenkapital-Fazilität bereit. Darüber hinaus erhalten KMU eine Kreditfazilität. Desweiteren bietet das Programm Unterstützung beim Zugang zu neuen Märkten und für unternehmerische Initiativen.
Bisher galten EU-Programme als schwergängig. Zwischen Antragstellung und Projektbeginn konnte schon mal ein Jahr verstreichen. Das neue Programm startet auch mit einem guten Vorsatz. Angepeilt ist die Verkürzung der Zeitspanne vom Tag der Antragstellung bis zum Eingang der Fördermittel um rund 100 Tage. Außerdem sind ein vereinfachter Programmaufbau, einheitliche Regeln und ein geringerer Verwaltungsaufbau vorgesehen. Konkret soll ein neuer einheitlicher Pauschalsatz für die indirekten Kosten eine deutlich vereinfachte Kostenerstattung bewirken.

Auf dem Weg in die Innovationsunion
Drei Förderschwerpunkte sind in dem neuen Programm Horizont 2020 abgesteckt worden: exzellente Wissenschaft, industrielle Führungsrolle, gesellschaftliche Herausforderungen. Der letzte Punkt umfasst Themen wie Gesundheit, demographischer Wandel, Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit oder Energie. Horizont 2020 soll ein wichtiger Pfeiler der Innovationsunion, einer Leitinitiative der Strategie Europa 2020, darstellen.
Anlaufstellen für die Antragsteller sind im „Enterprise Europe Network“ zu finden. Dabei handelt es sich um ein internationales Netzwerk mit über 500 Trägerorganisationen und 4.000 Experten in den 27 Ländern der EU und 23 Partnerländern. „Das Enterprise Europe Network ist das größte Unterstützungsnetzwerk für Unternehmen in Europa. Es bietet Informationen über die EU, vermittelt grenzübergreifend Geschäftspartner und berät zu EU-Förderprogrammen“, erklärt Nina Gibbert vom Enterprise Europe Network Hessen, der EU-Beratungsstelle für mittelständische Unternehmen der HA Hessen Agentur GmbH in Wiesbaden. Jedes Bundesland bietet solche Beratungsstellen an.
Ein Grundgedanke der Forschungsförderung auch ist die internationale Zusammenarbeit. Die Projektverbünde umfassen in der Regel mehrere europäische Partner. Das soll die Unternehmen aber nicht abschrecken. Denn: „Wir helfen jedem Unternehmen dabei, die richtigen Partner zu finden“, versichert Gibbert. Bisher haben bereits über 360.000 kleine und mittlere Unternehmen das Instrument der Forschungsförderung in Europa genutzt. Das kann sich lohnen: Der Zuschuss kann bis zu 75 Prozent der gesamten Projektsumme betragen.