Dienstag, 06.09.2016
Vom Hopfen bis in die Flasche: Biermanufakturen brauchen dafür teure Maschinen, die sie durch Förderprogramme und Förderdarlehen finanzieren können.

Fotoquelle: svedoliver/Thinkstock/Getty Images

Vom Hopfen bis in die Flasche: Biermanufakturen brauchen dafür teure Maschinen, die sie durch Förderprogramme und Förderdarlehen finanzieren können.

Finanzspritzen für Mittelstand

Investitionen geplant: Förderprogramme im Check

Tausende Förderprogramme stellen EU, Bund und Länder derzeit für Unternehmen bereit. Gerade bei Investitionen lohnen sie die Finanzspritzen. Ein Überblick über die wichtigsten Förderprogramme.

Mehr als 3.000 verschiedene Förderprogramme stehen deutschen Unternehmen zur Verfügung, ausgeschrieben von EU, Bund und Ländern. Viele Unternehmer wissen daher gar nicht, wo sie anfangen sollen, das für ihre Firma passende Programm zu finden. „Geht man strukturiert an die Auswahl heran, bleibt allerdings am Ende nur etwa ein Dutzend Programme, die sich überhaupt für ein Unternehmen mit einem bestimmten Vorhaben rechnen“, sagt Michael Wandt, Leiter der Fördermittelberatung Wabeco Subventionslotse der Valea Unternehmensberatung BDU. Oft ist die Auswahl schon dadurch beschränkt, dass viele Förderungen ans Bundesland und damit an den Standort gebunden sind.

Unternehmen sollten für ihr Vorhaben immer drei bis sechs Programme in Kombination beantragen, so Wandt. „Es gibt in der Regel nicht das eine Förderprogramm, mit dem sich gleich alle Kosten abdecken lassen. Förderprogramme beziehen sich immer nur auf Teile der Investition, die bei anderen Programmen ausgeschlossen sein können.“ Grundsätzlich sei eine Förderung dann optimal, wenn die Bemessungsgrundlage möglichst groß und der Fördersatz möglichst hoch sei. „Beides ist gestalt- und zum Teil verhandelbar“, sagt Wandt. Dazu sei es sinnvoll, für die Beratung anfangs zu einem unabhängigen Ansprechpartner zu gehen und nicht allein zu einem einzigen Förderinstitut oder der Hausbank. Förderinstitute hätten zwar genaue Kenntnis über ihre Programme, nicht aber über die anderer Anbieter, so Wandt.

Im Folgenden hat Markt und Mittelstand fünf Förderprogramme zusammengestellt, deren Beantragung sich für Mittelständler lohnt. Nähere Infos zu Fördersumme, Fristen und Kontaktdaten können Sie im Folgenden entnehmen.

KfW-Unternehmerkredit

Was wird gefördert?
Der KfW-Unternehmerkredit dient größeren Mittelständlern zur Finanzierung von Projekten im In- und Ausland. „Das betrifft alle Investitionen, die einer mittel- und langfristigen Mittelbereitstellung bedürfen und einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen“, sagt Kai Schimmelfeder von der Fördermittelberatung Feder Consulting. Darunter fallen Errichtungs-, Sicherungs- und Erweiterungsinvestitionen sowie Beteiligungs- und Übernahmefinanzierungen, der Erwerb von Vermögenswerten aus anderen Unternehmen einschließlich Übernahmen, Warenlager- und Betriebsmittelfinanzierungen sowie Leasing.

Weshalb gerade für den Mittelstand relevant?

Der KfW-Unternehmerkredit ist eines der am häufigsten genutzten Förderdarlehen. Er kann für jeden Fall der Investitionsfinanzierung eingesetzt werden. Für Mittelständler ist besonders die Tilgungsfreiheit zu Beginn des Darlehens interessant. Das Unternehmen bleibt so für andere Vorhaben liquide.

Voraussetzungen:
Die Antragsteller sind seit mindestens fünf Jahren am Markt aktiv (Aufnahme der Geschäftstätigkeit) und verfügen über eine ausreichende Bonität. Der Vorjahresumsatz beläuft sich auf maximal 500 Millionen Euro.

Förderung:
Das Darlehen beträgt maximal 25 Millionen Euro, 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten und Betriebsmittel können damit gedeckt werden. Der Zinssatz liegt zwischen 1,0 und 8,0 Prozent pro Jahr und wird unter anderem entsprechend der Bonität des Kreditnehmers festgelegt.

Laufzeit:
Das Darlehen wird für 2 bis 20 Jahre vergeben, maximal die ersten drei Jahre sind je nach Investitionsvorhaben tilgungsfrei.

Bewerbung:
Die Antragsstellung erfolgt vor Beginn der Investition bei der KfW, sonst ist ein Zusatzantrag zur Fristwahrung notwendig.

ZIM Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand

Was wird gefördert?
Forschungs- und Entwicklungsprojekte für innovative Produkte, Verfahren oder technische Dienstleistungen. Die Projekte können von Unternehmen selbst oder in Kooperation mit anderen Firmen und Forschungseinrichtungen umgesetzt werden. Gefördert werden Einzelprojekte, Kooperationsprojekte und Projekte von Kooperationsnetzwerken.

Weshalb gerade für den Mittelstand relevant?
Wie der Name schon sagt, wurde das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand extra für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt, um deren Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Es gilt mittlerweile als das meistgenutzte Zuschussprogramm für Innovationen in Deutschland.

Voraussetzungen:
Weniger als 500 Mitarbeiter, weniger als 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme. Das Projekt muss in Deutschland umgesetzt werden.

Förderung:
Unternehmen bekommen einen Zuschuss in Form einer Anteilsfinanzierung von bis zu 45 Prozent des Investitionsvolumens je nach Unternehmensgröße. Die zuwendungsfähigen Kosten beispielsweise für das ZIM-Einzelprojekt betragen maximal 380.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt über die Projektträger in Teilbeträgen, entsprechend der entstandenen Ausgaben.

Fristen:
Die Projektlaufzeit darf maximal 24 Monate betragen. Nach Einreichung und Eingangsbescheid des Antrags kann das Unternehmen auch schon vor der Förderzusage auf eigenes Risiko mit dem Projekt beginnen. Das ZIM-Programm läuft nach aktuellem Stand bis Ende 2019.

Bewerbung:
Anträge können auf Basis mehrerer PDF-Formulare über das Internet ausgefüllt und an einen von drei verschiedenen Projektträgern gesendet werden. Zuständig sind die Gesellschaften Euro Norm (für Einzelprojekte), AiF Projekt (für Kooperationsprojekte und Koope-rationsnetzwerke) und VDI/VDE Innovation + Technik (für Forschungs- und Entwicklungsprojekte).

Einsatz hocheffizienter Querschnittstechnologien

Was wird gefördert?
Der Ersatz oder die Neuanschaffung von einzelnen technischen Teilen wie elektrischen Motoren und Antrieben, Pumpen, Ventilatoren, Druckluftsystemen, Wärmerückgewinnungs- bzw. Abwärmenutzungsanlagen und Beleuchtungsteilen sowie die Verbesserung oder Neuinstallation von kompletten Aggregaten.

Weshalb gerade für den Mittelstand relevant?
Viele Mittelständler verfügen nicht über das Geld, um störanfällige Anlagen auszutauschen. Dank des Zuschusses reicht eine kleine Investition, und die Anlage kann im Einsatz bleiben.

Voraussetzungen:
Mittelständler der gewerblichen Wirtschaft gemäß KMU-Definition der EU, sonstige Unternehmen der gewerblichen und industriellen Wirtschaft bis 500 Beschäftigte.

Förderung:
Der Zuschuss beträgt maximal 30 Prozent der Ausgaben. Bei einzelnen Anlagen sind es höchstens 30.000 Euro pro Vorhaben, bei der Optimierung der Aggregate maximal 100.000 Euro pro Vorhaben. Bei Anträgen mit industriellen Pumpensystemen gibt es bis zu 150.000 Euro.

Fristen:
Der Zeitraum, innerhalb dessen eine neue Anlage betriebsbereit installiert werden muss, beträgt neun Monate.

Bewerbung:
Die Antragstellung erfolgt elektronisch über die Website des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Förderung unternehmerischen Know-hows

Was wird gefördert?
Unternehmen können einen Zuschuss bekommen für die Honorare von Beratern, die für eine Bestandsaufnahme ins Unternehmen geholt wurden und erste Lösungsvorschläge erarbeiten.

Weshalb gerade für den Mittelstand relevant?
„Die Förderung ist vor allem für kleinere Unternehmen gedacht, die zum ersten Mal einen Berater konsultieren wollen und unsicher sind, ob sich der Aufwand lohnt“, sagt Michael Wandt von der Fördermittelberatung Wabeco. Allerdings seien für den Antrag viele Formalia zu beachten. „Jedes Unternehmen sollte daher vorher prüfen, ob dadurch nicht ein ungewollter Zusatzaufwand entsteht, der den Zuschuss wieder auffrisst.“

Voraussetzungen:
Die Beratungsleistung muss von einem akkreditierten Berater erbracht werden.

Förderung:
In den neuen Bundesländern gibt es einen Zuschuss von 80 Prozent der anfallenden Gesamthonorare oder bis zu 3.200 Euro. In den alten Ländern sind es 50 Prozent oder maximal 2.000 Euro. Unternehmen in Schwierigkeiten erhalten bis zu 90 Prozent oder höchstens 2.700 Euro.

Fristen:
Die Beratung darf höchstens drei Monate dauern.

Bewerbung:
Den Antrag müssen Unternehmer direkt beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellen.

Bürgschaft

Was wird gefördert?
Dieses Programm richtet sich an Unternehmen, die einen Kredit aufnehmen möchten, aber keine banküblichen Sicherheiten vorweisen können und auch die weiteren Bonitätsanforderungen von Kreditinstituten nicht erfüllen.

Weshalb gerade für den Mittelstand relevant?
Vor allem kleine Mittelständler verfügen häufig nicht über ausreichend Eigenkapital, um Bonitätsanforderungen zu erfüllen. Die öffentlichen Bürgschaften greifen ihnen dann unter die Arme.

Voraussetzungen:
Das Programm richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufler. Die sich bewerbende Firma sollte höchstens 250 Mitarbeiter haben, weniger als 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme.

Förderung:

Der Verbürgungsgrad beträgt höchstens 80 Prozent bei einem maximalen Darlehensbetrag von 1 Million Euro. Dafür fällt eine einmalige Gebühr von 0,75 bis 2,0 Prozent an; zudem laufende jährliche Gebühren von 0,5 bis 2,0 Prozent je nach Bundesland.

Fristen:
Die Laufzeit richtet sich nach der Abschreibungsdauer der Investitionsgüter. Für bauliche Investitionen beträgt sie maxi¬mal 23 Jahre, bei Betriebsmitteln maximal 8 Jahre.

Bewerbung:
Der Antrag muss vor Finanzierungsbeginn bei der jeweiligen Bürgschaftsbank gestellt werden.