Dienstag, 06.12.2011
Ratingagentur S&P

Meinung: Dem Druck von S&P standhalten

Die Ratingagentur Standard & Poor`s hat gestern Deutschland – wie auch weiteren 14 Ländern der Eurozone – mit der Herabstufung gedroht. Bleibt zu hoffen, dass Merkel und Sarkozy dem Druck standhalten und sich von der Verunsicherung beim EU-Gipfel nicht einnehmen lassen, meint Markt und Mittelstand-Redakteurin Stefanie Senfter.

 

Die Ratingagentur Standard & Poor`s hat gestern Deutschland – wie auch weiteren 14 Ländern der Eurozone – mit der Herabstufung gedroht. Bleibt zu hoffen, dass Merkel und Sarkozy dem Druck standhalten und sich von der Verunsicherung beim EU-Gipfel nicht einnehmen lassen, meint Markt und Mittelstand-Redakteurin Stefanie Senfter.

15 von 17 Ländern der Eurozone droht Standard & Poor`s mit der Herabstufung ihrer Bonität – darunter auch Deutschland und Frankreich. Die Politik rast, dass diese Drohung jetzt veröffentlicht werden musste. Fast alle Euro-Staaten mit einem negativen Ausblick zu versehen sei eine „unfaire“ und „komplett exzessive“ Entscheidung, sagte Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premierminister und Chef der Euro-Gruppe, im Deutschlandfunk. Die Drohung sei ein K.O.-Schlag für die Staaten, die sich bemühen, ihre Haushaltsdefizite zu senken.

Der Zeitpunkt der Androhung ist es, der Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in die Bredouille bringt. Ein paar Stunden nach dem Treffen der beiden, hatte S & P die Überprüfung der Bonität veröffentlicht. Donnerstag und Freitag findet der EU-Gipfel statt. Es ist ein Warnschuss. „Der Zeitpunkt ist nicht zufällig“, sagt auch ein S & P- Analyst bei n-tv. Aber er entfernt sich klar davon, der Politik Berater sein zu wollen. „Unsere Aufgabe ist es Investoren und Markteilnehmer über Risiken zu informieren.“ Doch: Mit der Drohung zu diesem Zeitpunkt stellt sich die Rating-Agentur genau auf die Stufe eines Politikberaters.

Die Agentur drängt auf eine Entscheidung für die Eurozone, um die Eurokrise endlich in den Griff zu bekommen. Der Warnschuss ist richtig, aber mit der Androhung der Herabstufung gerade zu diesem Zeitpunkt könnte genau das Gegenteil passieren. Die Politik schäumt und konzentriert sich auf das eigene Land oder denkt über eine Verschärfung der Regeln für Rating-Agenturen nach. Die Anleger sind noch verunsicherter. Das kann der EU-Gipfel nicht brauchen.

Bleibt zu hoffen, dass sich Merkel und Sarkozy davon nicht beeindrucken lassen und die Reaktion auf die Androhung auf nach dem EU-Gipfel verschieben. „Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur“, sagte Merkel in einer Pressekonferenz am Dienstag. „Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten und damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone leisten.“ Noch drei Tage heißt es dem Druck standhalten.