Freitag, 04.05.2012
Handelsbilanz vs. Steuerbilanz

Rückstellung ist nicht gleich Rückstellung

Die Vorschriften bei Handels- und Steuerbilanz weichen teilweise mit gravierenden Folgen für die Rückstellungsvolumina voneinander ab.

Unterschiede zwischen Rückstellungen in der Handelsbilanz und in der Steuerbilanz ergeben sich vor allem bei deren Bewertung und der Abzinsung der Erfüllungsbeträge.

Bewertungsunterschiede bei Rückstellungen

Während bei der Steuerbilanz die Bewertung von Rückstellungen nach dem Stichtagsprinzip erfolgt, finden bei der Ermittlung des Erfüllungsbetrages nach dem Handelsgesetzbuch (HGB)  künftige Preis- und Kostensteigerung Berücksichtigung. Denn Ziel der Handelsbilanz ist eine realistische Abbildung der Vermögenswerte.

Am Beispiel von Rückstellungen für Renovierungsarbeiten lassen sich die Effekte der unterschiedlichen Bewertungsansätze skizzieren. So pachtet ein Unternehmer im Jahr 2012 ein Grundstück samt Gebäude für zehn Jahre und verpflichtet sich dabei gleichzeitig die Immobilie beim Auszug zu renovieren. Für die Arbeiten werden bei Vertragsschluss Kosten von rund 20.000 Euro veranschlagt. Nach dem HGB müssen Steigerung von Lohn- und Materialkosten geschätzt und in den Rückstellungen berücksichtigt werden. Liegt die Kostensteigerung jährlichen bei 2,5 Prozent, ergibt sich hochgerechnet auf zehn Jahre eine Erhöhung des finalen Erfüllungsbetrags im Jahr 2022 auf 25.602. Das Steuerrecht hingegen setzt den Wert zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung und somit 20.000 Euro an. Preis- und Kostensteigerung finden keinen Eingang.

Abzinsungsmethoden bei Rückstellungen

Ein weiterer Unterschied sind die Abzinsungsmethoden bei Handelsbilanz und Steuerbilanz. Eine Abzinsung ist bei Rückstellungen erst ab einer Laufzeit von über einem Jahr erforderlich. Für die Handelsbilanz gibt die Deutsche Bundesbank die aktuellen Abzinsungssätze bekannt. So beträgt bei einer Rückstellung aus Oktober 2011 mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren der aktuelle Zinssatz 4,85 Prozent. Demgegenüber setzt das Steuerrecht pauschal einen Zinssatz von 5,5 Prozent an. Folglich fallen die Rückstellungen in der Steuerbilanz im Vergleich zur Handelsbilanz kleiner und der Gewinn somit größer aus. Über den dadurch gewonnen Steuereffekt freut sich das Finanzamt.