Mittwoch, 17.02.2016
Serienbeschichtung von Oberflächen bei Nanogate: Mit einem Konsortialkredit erhalten Unternehmen mehr finanziellen Spielraum.

Foto: Nanogate

Serienbeschichtung von Oberflächen bei Nanogate: Mit einem Konsortialkredit erhalten Unternehmen mehr finanziellen Spielraum.

Finanzierungsformen für den Mittelstand

Wann sich der Konsortialkredit für den Mittelstand eignet

Ein Konsortialkredit kann gegenüber herkömmlichen bilateralen Krediten deutliche Vorteile für Unternehmen bringen. Mittelständler stehen vor der Wahl. Wann sich ein Konsortialkredit im Mittelstand lohnt.

Im Gegensatz zu bilateralen Krediten wird bei einem Konsortialkredit eine Vereinbarung mit mindestens zwei Banken geschlossen. Wenn ein Konsortialkredit erst einmal abgeschlossen ist, können Unternehmen sich längerfristig viele Einzelverhandlungen mit den Banken sparen.Das Finanzierungsvolumen sollte mehr als 25 Millionen Euro betragen.

Auch die Finanzierungssicherheit steigt mit der Entscheidung für einen Konsortialkredit. Die Vorteile: Die Kreditvereinbarung läuft über fünf Jahre und damit länger als bilaterale Kreditlinien. Außerdem sind die Banken stärker an das Unternehmen gebunden.

Kredit kündigen wird schwieriger

„Im Rahmen eines Konsortialkredits können die Banken nicht mehr allein entscheiden, ob sie einen Kredit kündigen oder nicht“, sagt Ulrich Kittmann, der bei der genossenschaftlichen DZ Bank für syndizierte Kredite zuständig ist. „In einem Konsortium müssen immer zwei Drittel der beteiligten Banken für eine Kündigung stimmen.“ Die Geldgeber können den Kredit nur kündigen, wenn die Financial Covenants, also vorab vereinbarte Bedingungen, vom Unternehmen gebrochen werden.

Ein Nachteil des Konsortialkredits gegenüber bilateralen Krediten ist sein höherer Preis, der mit der aufwendigeren Abstimmung der Banken begründet wird. „Zusätzlich zu den Zinsen müssen die Unternehmen eine Provision zahlen, die je nach Transaktion zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Volumens liegt“, erklärt Kittmann.

Konsortialkredit fordert Aufwand

Die Verträge sind zudem deutlich umfangreicher. „Bilaterale Kreditvereinbarungen beruhen meist auf einer Dokumentation zwischen zwei und zehn Seiten. Ein Konsortialkredit mit 30 bis über 100 Seiten kann schnell abschreckend wirken“, berichtet Andreas Voglis, Finanzierungsexperte bei der Düsseldorfer HSBC.

Durch die umfangreichere Dokumentation kann der Abschluss eines Konsortialkredits deutlich länger als bei einer bilateralen Kreditvereinbarung. Zwischen sechs Wochen und einigen Monaten kann es dauern, sagt Voglis. Der Zeitrahmen hängt auch davon ab, wie genau die Mittelständler wissen, was sie wollen, und wie gut sie das Produkt verstehen.

Langfristige Finanzierung

Im Rahmen des Konsortialkredits ist viel möglich –  ob Auslandslinien, Cash-Linien, endfällige Komponenten oder auch Garantien. Doch gerade die erste Vereinbarung ist deshalb aufwendig und braucht Zeit. Gerade wenn alte, gewohnte Bankverbindungen aufgelöst werden, kann es auch innerhalb des Unternehmens bei der Umsetzung zu Schwierigkeiten und Verzögerungen kommen.

Die Refinanzierung fällt dagegen leichter. In vielen Fällen wird an den Vereinbarungen nicht viel geändert, lediglich die Margen werden an das aktuelle Zinsniveau angepasst. Für Andreas Voglis von der HSBC spricht eine Statistik besonders für den Konsortialkredit: „Wenn Unternehmen sich einmal dafür entschieden haben, rücken sie nur in den seltensten Fällen wieder davon ab.“ Viele Verträge werden dann einfach mit angepassten Bedingungen verlängert.