Donnerstag, 14.01.2016
Spezial-Service: Renault umhegt seine Nutzfahrzeugkunden und die Fuhrparkmanager. Doch stimmen auch die Abgaswerte bei den Dieselfahrzeugen?

Foto Renault Deutschland AG

Spezial-Service: Renault umhegt seine Nutzfahrzeugkunden und die Fuhrparkmanager. Doch stimmen auch die Abgaswerte bei den Dieselfahrzeugen?

Stresstest für Fuhrparks: Abgas-Skandal auch bei Renault?

Nach VW steht jetzt auch Renault wegen eines Abgas-Skandals am Pranger. Mittelständler sind verunsichert, in ihren Fuhrparks stehen nicht selten VWs und Renaults. Markt und Mittelstand hat zusammengestellt, was der Abgas-Skandal für Fuhrparkmanager bedeutet und was sie für die Zukunft befürchten müssen.

Die Sorge vor finanziellen Verlusten, moralische Bedenken sowie der Versuch, aus dem Schaden anderer Nutzen zu ziehen, machen den Fuhrparkmanagern nach der VW-Blamage auch 2016 zu schaffen. Zudem scheinen sich die Mutmaßungen zu bestätigen, dass auch andere Hersteller wie Renault ihre Probleme mit den strengen Abgasnormen haben.

Nun scheint sich dieser Verdacht bei Renault erhärtet zu haben. Bei dem französischen Automobilhersteller wurden Unternehmensbereiche von Ermittlern im Auftrag der staatlichen Generaldirektion Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) durchsucht, wie F.A.Z. und die Tagesschau berichten.

Renault nahm mittlerweile in einer offiziellen Mitteilung Stellung zu dem Vorfall: "Eine Kontrollabteilung (Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes: DGCCRF) des französischen Wirtschaftsministeriums untersucht aktuell verschiedene Renault Unternehmens- und Entwicklungsstandorte, um die Ergebnisse der unabhängigen Prüfkommission abschließend zu validieren. Die Untersuchungen der DGCCRF betrafen den Unternehmenssitz der Renault Gruppe, das Technikzentrum Lardy sowie das Entwicklungszentrum „Technocentre” in Guyancourt."

Abgas-Skandal auch bei Renault

Dabei besteht der Verdacht auf einen Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal. Nach einer Mitteilung des Vertreters der Gewerkschaft CTG Florent Grimaldi habe das Management des Konzerns zwar nicht bestätigt, dass es um die Stickoxid-Emissionen ginge. „Betrachtet man aber die durchsuchten Geschäftsbereiche, könnte da ein Zusammenhang bestehen.“

Der Kapitalmarkt regierte rasch: Die Renault-Aktien verloren um 20 Prozent an Wert. Nicht berechnen lassen sich die direkten Auswirkungen auf die Leidtragenden der Emissionsmanipulationen: die Nutzer von Firmenfahrzeugen und die Verantwortlichen für die Fuhrparks in den Unternehmen. Der erhöhte Verbrauch ist für sie eine echte Sorge. Denn ein Kraftstoffmehrverbrauch der gesamten Flotte wirkt sich nachteilig auf die Umwelteffizienz des Fuhrparks aus.

Abgas-Skandal: So will VW handeln

Wenigstens steht fest, dass im Laufe des Jahres 2016 die Nachbesserungen durchgeführt werden. Selbst ein so großer Konzern wie VW hat es nicht leicht, mehr als elf Millionen betroffene Fahrzeuge, allein 2,4 Millionen davon in Deutschland, so ohne weiteres in seine mehr als 2.100 Werkstätten zwischen Flensburg und Berchtesgaden zu schleusen.

Das dürfte wegen der Logistik und vor allem wegen der Termine und der Verweildauer für die Werkstattaufenthalte noch eine aufwendige Aktion werden.Experten schätzen den Aufwand für die Nachbesserung in der Werkstatt wird auf etwa 20 Minuten pro Fahrzeug ein. Etwas länger dürfte dies bei einer Motorenreihe dauern, bei der auch Hardwarekomponenten im Bereich des Abgasstrangs ausgetauscht werden müssen.

Info

Falsche Werte für Abgase von Dieselmotoren – die Folgen für Fuhrparkbetreiber

Was ist passiert: Bei VW-Fahrzeugen mit Dieselantrieb wurden bei Testläufen manipulierte Abgaswerte festgestellt. Der tatsächliche Schadstoffausstoß ist höher als der in der Typzulassung dokumentierte. Es handelt sich um die Motoren mit 1,4, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum. Betroffene Modelle sind die als Firmenwagen beliebten Golf, Polo und Passat. Neben der Kernmarke sind auch Audi A1 und A3 sowie Škoda Octavia, Seat Ibiza und Leon mit diesen Motoren ausgestattet.

Nach Schätzungen dürften elf Millionen mit solchen Antrieben ausgestattete Fahrzeuge weltweit unterwegs sein. In Deutschland handelt es sich um 2,4 Millionen Autos. VW gibt seine wirtschaftlichen Risiken für die Rückrufaktion mit zwei Milliarden Euro an.

Was zu tun ist:
Für Fuhrparkbetreiber besteht erst mal kein Handlungsbedarf. Der Hersteller verspricht, seine Pläne für die Nachbesserungen rechtzeitig bekanntzugeben. Experten erwarten, dass in Deutschland der Zeitraum für das Softwareupdate und einen möglichen Hardwareaustausch bis ins Jahr 2016 hinein reichen wird.

Die 2.173 VW-Werkstätten, die nach Angaben des Herstellers unter Vertrag stehen, müssen die 2,4 Millionen Fahrzeuge zusätzlich zum Tagesgeschäft übernehmen. Das sind 1.104 Autos pro Werkstatt. Da kommt es mit Gewissheit zu langen Wartezeiten für die Umrüstaktionen.

Was zu befürchten ist: Vor allem ein negativer Einfluss auf die Restwertberechnung der Fahrzeuge macht den Fuhrparkverantwortlichen Sorgen. Allerdings ist hier nach Experten wie Schwacke keine Tendenz erkennbar. Wegen der deutlich höheren Schadstoffbelastung könnten die Grenzwerte für die Feinstaubplaketten überschritten und damit ungültig werden.

Dann ist diesen Fahrzeugen ein Befahren der Umweltzonen in vielen deutschen Metropolen verboten. Zudem wären sogar Steuernachzahlungen denkbar. Das Kraftfahrtbundesamt könnte im schlimmsten Fall den betroffenen Fahrzeugen die Betriebserlaubnis entziehen.