Mittwoch, 06.04.2016
Das Cockpit ist die Kommandozentrale: Alles im Griff beim vernetzten Fahren.

Bildquelle: GM Company

Das Cockpit ist die Kommandozentrale: Alles im Griff beim vernetzten Fahren.

Revolution im Fuhrpark

Vernetztes Fahren eröffnet ungeahnte Geschäftsmodelle

Intelligenter, bequemer, multifunktional - Vernetztes Fahren könnte künftig die firmeneigenen Fuhrparks revolutionieren. Für die Unternehmen ergeben sich daraus auch bisher ungeahnte Geschäftsmodelle.

In der schönen neuen Autowelt lassen sich die Unterschiede zwischen Passagier und Fahrer kaum noch feststellen. Wer geschäftlich unterwegs ist, beschäftigt sich beispielsweise mit den Statistiken seiner Kundeninformationen auf dem Tablet und nimmt das Verkehrsgeschehen nur aus den Augenwinkeln wahr. Einen Blick in diese Zukunft bieten nicht nur die deutschen Hersteller für den Firmenfuhrpark. Wer fährt in Zukunft? Das Auto.

Autonomes Fahren ist die große Vision von Fahrzeugherstellern und Anbietern von Informationstechnologie wie Apple oder Google, die mit eigenen Fahrzeugkonzepten plötzlich in die angestammten Jagdgründe der Fahrzeughersteller einzudringen drohen. Die Grenzen zwischen der digitalen und der mobilen Branche brechen auf.

Vernetztes Fahren verändert den Fuhrpark

Die Rolle der Fahrzeughersteller verändert sich. Sie werden zu Mobilitätsanbietern und Serviceprovidern. Ein völlig neuer Anwendungsbereich könnte sich beispielsweise für Logistikdienstleister und deren Kunden ergeben. Ein Pilotprojekt läuft bereits.

Mit „Audi Connect Easy Delivery“ ist ein schlüsselloser Zugang zum Kofferraum möglich. Der Paketservice bringt die Einkäufe des Kunden bei Amazon nicht mehr zu einer festen Adresse, sondern macht sich die Eigenschaften des vernetzten Autos zunutze.

Weil er per Ortungsdaten weiß, wo sich das Fahrzeug des Paketempfängers befindet, kann der Paketzusteller mit einem einmalig gültigen Zugangscode den Kofferraum des Audi-Pkw öffnen und die bestellte Sendung dort deponieren. Die technische Voraussetzung dieses Dienstes ist eine von dem Hersteller entwickelte, schlüssellose Zugangsberechtigung für den Gepäckraum des Fahrzeugs.

Kunden können künftig bei Amazon Prime bei einer Onlinebestellung ihren Audi als Lieferadresse angeben. Für das zur Abgabe notwendige Öffnen des Kofferraums muss der Fahrzeughalter mit der Ortung seines Autos für den Zeitraum der Lieferung einverstanden sein.

Connected Services unterstützt vernetzte Dienstleistungen

Mit einer nur einmal gültigen digital versandten Zugangsberechtigung kann der Zusteller den Kofferraum innerhalb eines vereinbarten Zeitraums öffnen. Für Teilnehmer an diesem Service soll es auch in umgekehrter Richtung mit „Audi Connect Easy Delivery“ für Kunden möglich sein, Postsendungen aus dem Kofferraum abholen zu lassen.

Die Bestellung oder Sendung lässt sich bereits während der Fahrt per Internetzugang über das Mediacenter erledigen. Das eröffnet neue Geschäftsmodelle für Unternehmen, die Produkte zu ihren Kunden bringen wollen. Die Voraussetzung für die künftigen digitalen Chancen ist das vernetzte Auto.

Vorläufig bleibt das eine Vision. Denn selbst Unternehmer können nicht gleichzeitig ein Auto zu Kundenterminen steuern und nebenher an Geschäftszahlen auf dem Monitor des Mediacenters oder dem Notebook tüfteln. Wer auf diese Idee käme, diese strikte Trennung der Funktionen am Steuer zu ignorieren, begeht einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und muss mit gesetzlichen Sanktionen rechnen.

Fahrzeughersteller bieten Connected Services

Doch Verstöße gegen diese Regel gibt es immer wieder, wie jenen Autofahrer, der vor einigen Jahren im Saarland gestoppt wurde, weil er während der Fahrt die auf dem Beifahrersitz angebrachte Office- Ausstattung wie ein Notebook und einen Drucker bediente. Ein sehr improvisiertes und zudem veraltetes Konzept. Mittlerweile lässt sich die Büroarbeit auch im Auto mit dem Mediacenter fortsetzen.

Solche Services bieten so gut wie alle Premiumhersteller unter dem Begriff „Connected“ in der Ausstattungsliste an. Auf dem Monitor in der Cockpitmitte lassen sich so gut wie alle Funktionen, die auf einem Flachbildschirm dargeboten werden können, darstellen.

Sinnvoll ist vor allem die Schnittstelle, die diese Daten auf ein Tablet überträgt, das dann während der Fahrt die Arbeit zur Vorbereitung des Geschäftstermins oder der Fabrikvisite erlaubt – aber nur für den Beifahrer. Der Fahrzeuglenker kann allenfalls per Freisprechanlage und Lautsprecher Texte oder E-Mails diktieren und Telefonate führen. Für ihn ändert sich nichts.

Info

Digitale Fahrpraxis

Die wichtigsten Funktionen der vernetzen Systeme im Auto für Unternehmer

Mobilitätsmanagement: Das Navigationssystem hilft, schnell und sicher ans Ziel zu kommen. Es bietet zudem aktuelle Verkehrsinformationen, sucht den Parkplatz und sorgt für die optimale Strecke.

Fahrzeugmanagement: Der Bordcomputer liefert die Nutzungsdatenübermittlung wie Kraftstoffverbrauch und Reichweite. Zudem gibt er Auskunft über den Zustand des Fahrzeugs und darüber, wann ein Service notwendig ist.

Officelösungen/Entertainment: Zuständig für Informationen und Unterhaltung ist das Mediacenter. Hier docken Smartphones oder Tablets per Mobilfunk oder WLANHotspot an, kann das mobile Office über Sprachein- und -ausgabe betrieben werden, lassen sich soziale Netzwerke und Internetverbindungen ansteuern.

Sicherheit: Dazu gehören Gefahrenwarnungen und -reaktionen des Fahrzeugs durch Kollisionsschutz oder Notruf

Autonomes Fahren: Hier ist mit einem Abstandsassistenten automatisiertes Fahren möglich.

Quelle: Markt und Mittelstand