Mittwoch, 27.09.2017

Foto: KatarzynaBialasiewicz/Thinkstock/Getty Images

Locker, smart, erfolgreich: Viele Maschinenbauer wollen startupiger werden. Das führt jedoch nicht unbedingt zum gewünschten Erfolg.

Gastkommentar

Kooperation von Start-ups und Mittelständlern: Hype oder Hypothek?

Man nehme einen Maschinenbauer, gebe eine Brise Start-up hinzu, und plötzlich kann sich das Unternehmen vor Innovationen und Wachstum kaum noch retten. Viele Mittelständler pumpen mit dieser Aussicht Millionenbeträge in solche Projekte. Eine Investition mit ungewissem Ausgang.

Gerade im deutschen Mittelstand, der Heimat unzähliger Weltmarktführer, erscheint mehr Skepsis angebracht. Der Start-up-Hype passt nicht so recht zu einer Branche, die ihre Stärke bislang daraus gezogen hat, in langen Zyklen hochwertige Maschinen und Anlagen zu entwickeln, auf den Markt zu bringen und über Dekaden hinweg zu perfektionieren.

Es muss nicht immer ein Start-up sein

Ohne Frage erfordert die Digitalisierung einen Paradigmenwechsel: Die Zyklen werden kürzer und Service entwickelt sich zum eigenständigen Geschäftsmodell. Um das Potential der Digitalisierung auszuschöpfen, müssen Maschinenbauer agiler werden, ihre Netzwerke öffnen und mit den richtigen Partnern gemeinsame Geschäftsmodelle entwickeln.

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Allerdings muss es nicht unbedingt gleich ein Start-up sein. Junge digitale Unternehmen spielen zwar eine wichtige Rolle als Impulsgeber. Etablierte Spieler können sich hier eine Menge abschauen. Doch wie bei jedem Investment sollten Maschinenbauer nicht vor lauter Euphorie oder Panik übers Ziel hinausschießen und gleich bei erster Gelegenheit zugreifen.

Diese fünf Faktoren sind zu beachten

  1. Selektionskriterien definieren: Maschinenbauer sollten beim Kauf eines Start-ups besonders wählerisch sein. Die Bewertung der Neugründungen unterscheidet sich erheblich von der eines etablierten Unternehmens.
  2. Kulturunterschiede beachten: Nivelliert man die kulturellen Unterschiede zwischen den risikoaversen Ingenieuren und den jungen Wilden, geht Potential verloren. Ignoriert man sie, funktioniert die Zusammenarbeit nicht. Und sogar tödlich ist es, die Strukturen des etablierten Geschäfts dem „jungen Pflänzchen“ einfach überzustülpen.
  3. Brückenbauer etablieren: Kauft ein Maschinenbauer ein junges Unternehmen, braucht es empathische Persönlichkeiten, die zwischen beiden Welten übersetzen, für gegenseitiges Verständnis werben und gegenseitige Synergien freilegen.
  4. Wertbeiträge quantifizieren: Vor Akquisition sollten traditionelle Unternehmen Klarheit darüber schaffen, in welchen operativen Bereichen das Start-up seine Stärken optimal ausspielen kann und welche Schnittstellen dafür notwendig sind.
  5. Veränderungsprozess einleiten: Unternehmen sollten ihre Organisation frühzeitig auf den bevorstehenden Wandel vorbereiten, der mit der Integration eines Start-ups einhergeht. Pilotprojekte, die beispielsweise traditionelle und digital-affine Mitarbeitergruppen sowie unterschiedliche Fähigkeitsprofile zusammenbringen, bieten hier wichtige Veränderungsimpulse in die Struktur hinein.

 

Autor

Sascha Hackstein ist Leiter der Industry Solution Group Maschinenbau bei der Managementberatung Atreus.