Freitag, 23.10.2015

Bildquelle: Ozden Nasif/Thinkstock/Getty Images

Auch Produkte der Stahlindustrie belegt die Türkei immer wieder mit Zusatzzöllen.

Zukunftsmärkte
Kurzfristige Regeländerung

Das müssen Exporteure über den türkischen Zoll wissen

Die Türkei verhängt immer wieder Schutzzölle gegen die EU. Markt und Mittelstand erklärt, welche Produkte betroffen sind.

Eigentlich ist der Warenverkehr zwischen EU und Türkei durch ein Zollabkommen stark vereinfacht. So sollte eigentlich eine Warenverkehrsbescheinigung vom Typ A.TR. reichen, um Waren zu exportieren.

Tatsächlich erhebt die Türkei aber immer wieder Sonderzölle oder fordert zusätzliche Nachweise ein – zum Teil sehr kurzfristig. So verlangen die türkischen Zollbehörden seit Mitte Mai 2015 beim Import von Textilien und Bekleidung neben der Warenverkehrsbescheinigung vom Typ A.TR. auch einen Ursprungsnachweis für die EU. Ihn können Unternehmen bei der IHK beantragen.

Zusatzzölle auf Warenimporte aus der EU

Außerdem hat die Türkei im Verlauf des Sommers eine Reihe von Zusatzzöllen erhoben, unter anderem auf Produkte der Stahl- und Elektronikindustrie. Diese fallen unabhängig davon an, ob eine Warenverkehrsbescheinigung vorgelegt wird. Damit gelten sie auch für Waren, die sich im zollrechtlich freien Verkehr der europäischen Zollunion befinden. Betroffen sind Waren, die nicht in der EU produziert wurden und aus Ländern stammen, die kein Freihandelsabkommen mit der Türkei haben.

Am 7. Juni 2015 wurden durch einen Kabinettsbeschluss 20-prozentige Zusatzzölle auf Beleuchtungskörper und Scheinwerfer eingeführt, Staubsauger und elektronische Haushaltsgeräte wie Bügeleisen werden fortan mit 30 Prozent vom Warenwert zusätzlich besteuert. Bei Stahlprodukten sind unter anderem Stahlstäbe und Stacheldraht aus Eisen oder Stahl sowie Gitter und Geflechte aus geripptem Draht betroffen. Diese sind seit dem 5. Juli 2015 mit einem 25-prozentigen Zusatzzoll belegt.

Quelle: Markt und Mittelstand

Enge Koordination mit türkischem Partner notwendig

Genaue Informationen darüber, welche Produktgruppen im Detail von den Nachweispflichten und Zollgebühren betroffen sind, bieten die Auslandshandelskammer oder der türkische Zoll. Hier sollten sich Firmen regelmäßig informieren. Denn eine besondere Herausforderung besteht darin, dass neue Regelungen oft sehr kurzfristig in Kraft treten und bereits abgeschlossene Verträge betreffen können, so Sandra Vogt, Leiterin Zoll und Außenwirtschaftsrecht bei der IHK Köln.


Beim Import in die Türkei sei es daher unumgänglich, über die Zollentwicklungen auf dem neuesten Stand zu bleiben und Einfuhranmeldungen gegebenenfalls mit dem türkischen Partner abzusprechen.

Sollten Waren plötzlich vom Kontrollregime betroffen sein, müssen deutsche Firmen die Einfuhr noch vor der Versendung bei den türkischen Kontrollbehörden beantragen. Um eine problemlose Zollabwicklung zu gewährleisten, sollte der Exportverantwortliche beim türkischen Partner nachhaken, ob alle erforderlichen Dokumente vorliegen.